Lichtschwert bis Hobby Horsing: Diese ungewöhnlichen Sportarten gibt es in Hamburg

Spieler des GTV 72 in Hamburg spielen Jugger und präsentieren die Sportart beim Active City Day
Der Gymnastik- und Turnverein 1972 ist der älteste Jugger-Verein in Hamburg.

Sind Sie auf der Suche nach einem neuen Hobby in Hamburg? Oder wollen Sie einfach mal eine neue Sportart ausprobieren? Zahlreiche Hamburger Vereine bieten für den Sommer 2026 ein breites Portfolio von Spitzensport bis Breitensport an. Dazu gehören mit dem Hamburger SV, dem FC St. Pauli und dem Eimsbütteler TV nicht nur die drei größten Sportvereine der Stadt, sondern auch kleinere Klubs – die teilweise eben nicht nur Klassiker wie Handball, Basketball oder Hockey anbieten. Stattdessen finden sich mit Dudelsack-Meisterschaften, Leuchtschwert-Kämpfen oder Reiten ohne Pferde auch teils skurrile Sportarten, die es sonst nirgends in Hamburg gibt. Die MOPO stellt Ihnen zehn besonders ungewöhnliche Disziplinen vor.

Stolze 864 Sportvereine hat der Hamburger Sportbund (HSB) im Frühjahr 2026 gezählt und dabei betont: Rund jeder Dritte aller Hamburgerinnen und Hamburger treibt derzeit aktiv Vereinssport. Genauer gesagt: 621.468 Menschen. Wenig überraschend ist der Hamburger SV mit 145.000 Mitgliedern (Stand: 18. Februar 2026) der mit Abstand größte Verein der Stadt vor dem FC St. Pauli (55.340; Stand: 1. Februar 2026). Und natürlich dominiert dabei vor allem eine Sportart: Fußball.

Hamburg hat sportlich aber weit mehr zu bieten als „nur“ Fußball. Das Sport-Angebot für den Sommer 2026 ist riesig und erstreckt sich über mehrere Dutzend Sportarten. Auch der HSV (28) und St. Pauli (24) sind im Breitensport vielfältig aufgestellt, Vereine wie der Eimsbütteler TV bieten aber sogar 38 verschiedene Sportarten an. Und darunter befinden sich teilweise sehr kuriose und nicht alltägliche.

Hobby Horsing: Reiten in Hamburg – nur ohne Pferd

Teilnehmerin bei der Deutschen Meisterschaft im Hobby Horsing
Im Hobby Horsing gibt es mittlerweile auch jährlich Deutsche Meisterschaften.

Besonders bei Social Media hat Hobby Horsing in den vergangenen Jahren an Popularität gewonnen. Wie der Name bereits verrät, handelt es sich um eine Disziplin aus dem Reitsport – nur eben ohne echtes Pferd. Stattdessen werden (meist selbstgebaute) Steckenpferde aus Holz zwischen die Beine geklemmt und der Bewegungsablauf des klassischen Reitens imitiert. Das soll all denjenigen das Reiten ermöglichen, die keinen Zugang zu echten Pferden haben. Hobby Horsing hat strenge Regelungen und klare Abläufe, sogar Deutsche Meisterschaften werden mittlerweile ausgetragen. In Hamburg bietet der VfL Lohbrügge die Trend-Sportart an, die „Lohbrügger Hobby-Riders“ treffen sich jeden Donnerstag von 18.10 bis 19.30 Uhr (Binnenfeldredder 9, Schnuppertraining ist kostenlos).

Einradhockey: Hamburgs beliebte Sportart in schwer

Einradhockey-Spieler des Baukauer TC probieren ihre Sportart aus
Wer ein gutes Gleichgewicht hat, kann sich am Einradhockey probieren.

Hockey ist eine der beliebtesten Sportarten in Hamburg. Wer den Schwierigkeitsgrad ein wenig erhöhen möchte, sollte Einradhockey ausprobieren – Hockey auf dem Einrad. Die Regeln sind ähnlich wie beim klassischen Hockey, es wird allerdings mit Eishockeyschläger und Tennisball gespielt. Ein gutes Gleichgewicht auf dem Einrad ist natürlich Grundvoraussetzung. Die Sportart verbreitet sich mittlerweile weltweit, in Deutschland gibt es sogar eine eigene Einradhockey-Liga, in der die „Hamburger Rädertierchen“ seit Jahren vertreten sind. Die Mannschaft gehört dem Niendorfer TSV an und trainiert immer donnerstags von 19.45 bis 21.45 Uhr im Sportzentrum Angerstraße (Steinhauerdamm 17-19).

Quadball/Quidditch: Sport wie bei Harry Potter

Spieler des FC St. Pauli beim Quadball in Hamburg
Beim FC St. Pauli wird seit vielen Jahren Quadball gespielt.

Quidditch wurde durch die Harry-Potter-Reihe weltberühmt – und schnell entstand aus dem eigentlich fiktiven Spiel eine echte Sportart. Quadball (in Anlehnung an die Bezeichnung für nicht-magische Charaktere bei Harry Potter auch „Muggel-Quidditch“ genannt) verbreitete sich weltweit, auch in Deutschland hat sich eine Quadball-Szene gebildet. Der Sport basiert auf den originalen Regeln von Quidditch: Zwei Teams spielen gegeneinander und müssen mit einem der fünf Bälle Punkte erzielen. Die Spieler führen dabei sogenannte Sticks zwischen ihren Beinen und haben je nach Position unterschiedliche Fähigkeiten. Die „FC St. Pauli Werewolves“ vertreten Hamburg in der deutschen Quadball-Liga, ihr Training findet dienstags von 18.30 Uhr bis 20.30 Uhr auf der Großen Festwiese im Stadtpark statt (Otto-Wels-Straße).

Ludosport: Lichtschwert-Kämpfe wie die Jedi-Ritter

Spieler bei einer Ludosport-Meisterschaft mit Leuchtschwert
Die Kampfsportart Ludosport ist ähnlich wie Fechten – nur mit Leuchtschwert.

Ludosport hat sein Vorbild in einer erfolgreichen Kinofilm-Serie: „Star Wars“. Dort kämpfen die sogenannten Jedi-Ritter mit Lichtschwertern gegeneinander und benutzen diese als Waffe. Ohne damit zu töten, haben sich Lichtschwert-Showkämpfe auch als eine eigene Sport-Szene entwickelt. Gekämpft wird wie beim Fechten, nur eben mit Lichtschwertern. Verbreitet ist der Kampfsport besonders in Italien, doch auch Deutschland gehört zu den nur elf Ländern weltweit, in denen die Kämpfe als Sportart anerkannt sind. Beim SC Alstertal-Langenhorn kann man mit dem Lichtschwert trainieren, im Fokus stehen dort derzeit allerdings eher Bühnenchoreographien, die dann vor Publikum aufgeführt werden. Die „Forcesabers Hamburg“ treffen sich jeden Freitag (19.30 bis 21.30 Uhr, Eschenweg 1) zum freien Training und jeden Samstag (11 bis 14 Uhr, Eberhofweg 63) zum Techniktraining. Auch Probetrainings werden regelmäßig angeboten.

Jugger: Als würden Gladiatoren Football spielen

Spieler des GTV 72 in Hamburg spielen Jugger und präsentieren die Sportart beim Active City Day
Der Gymnastik- und Turnverein 1972 ist der älteste Jugger-Verein in Hamburg.

Auch Jugger stammt aus einem Film und war ursprünglich mal fiktiv. Bei „Die Jugger – Kampf der Besten“ (1989) mussten verarmte Protagonisten diesen brutalen Sport ausüben und dienten dabei der Belustigung von Wohlhabenden. Es kann als eine Mischung aus Football und Gladiatorenkämpfen angesehen werden, enthält aber auch Teile des Ringens. Etwas weniger brutal fand Jugger dann auch Einzug in die echte Sportwelt. Zwei Teams mit jeweils fünf Spielern treten gegeneinander an, einer von ihnen muss den Ball (den „Jugg“) in der gegnerischen Hälfte platzieren. Der älteste Jugger-Verein in Hamburg ist der Gymnastik- und Turnverein 1972 aus Billstedt, mit „Cranium ex Machina“, „Last Man Standing“, „Torpedo Astra“, „Torpedo Bääm!“, „Torpedo Gorn“ und „Torpedo Tortuga“ gibt es derzeit sechs Teams, die sich im Sommer jeden zweiten Mittwoch um 19 Uhr und sonntags um 16 Uhr im Stadtpark auf der Wiese vor der Sternwarte (Otto-Wels-Straße) treffen.

Pipes and Drums: Trommel und Dudelsack als Sportart

Dudelsack-Spieler von Pipes and Drums in Hamburg
Bei Pipes and Drums geht es um das möglichst fehlerfreie Spielen auf Dudelsack und Trommel. (Symbolfoto)

Musik ist prinzipiell kein echter Sport, da sie in ihrem Wesen nicht wettkampforientiert ist. Beim FC St. Pauli sieht man das aber ein wenig anders. Auf dem Kiez hat sich die Abteilung Pipes and Drums gebildet, die sogar Mitglied im Hamburger Turn- und Freizeitverband (VTF) ist. Ziel ist es, eine klassisch schottische Musikband mit Dudelsäcken (Pipes) und Trommeln (Drums) aufzubauen. Solche Pipe-Bands musizieren nämlich nicht in erster Linie, sondern messen sich mit anderen Bands – es gibt zahlreiche internationale Wettkämpfe, bei denen bestimmte Stücke möglichst perfekt gespielt werden müssen. Die „FC St. Pauli Pipes & Drums“ belegten zuletzt den vierten Platz bei den Internationalen Pipe-Band-Meisterschaften 2026 in Peine. Anfänger üben mittwochs von 18.30 Uhr bis 19.30 Uhr in der Stadtteilschule am Hafen (Poolstraße 6).

Beach Tamburello: Tennis mit einem Tamburin

Spielerin beim Hallen-Sport Tamburello
Tamburello kann (wie hier) in der Halle, aber auch auf Sand gespielt werden.

Tennis ohne Schlägergriff – so könnte man Tamburello etwas verkürzt zusammenfassen. Es handelt sich um eine moderne Rückschlagsportart, gespielt wird klassisch wie beim Tennis oder beim Badminton auf einem Feld übers Netz. Die Spieler haben aber keinen typischen Schläger in der Hand, sondern ein rundes Sportgerät, das an ein Tamburin erinnert. Reaktionsvermögen und Schnelligkeit sind ebenso wichtig wie eine gute Fuß-Hand-Augen-Koordination. Üblicherweise spielt man Tamburello in der Halle, es gibt aber auch die Varianten „Beach Tamburello“ draußen im Sand oder „Tamburelli“ auf einem verkleinerten Feld. Alle drei Disziplinen bietet der Eimsbütteler TV an, im Sommer ist vor allem Beach Tamburello sehr beliebt. Auf der Beachanlage des ETV (Lokstedter Steindamm) geht’s jeden Sonntag zwischen 17 und 19 Uhr zur Sache.

Inline Basketball: Die besonders dynamische Variante

Spieler beim Inline Basketball werfen auf einen Korb
Für Inline Basketball benötigt man ein sehr sicheres Gefühl auf Inlineskates.

Hätten Sie gedacht, dass Hamburg eine echte Hochburg im Inline Basketball ist? Die Sportart ist ganz simpel: Basketball auf Inlineskates. Durch die ungewöhnlichen Bewegungsabläufe auf Skates wird das klassische Basketball somit dynamischer und unvorhersehbarer. Und die Hamburger sind hier ein echtes Aushängeschild. Mit den „Blade Bandits“ entstand in den 1990er-Jahren einer der ersten Inline-Basketball-Klubs in Deutschland, inzwischen sind die „Hamburg Hot Wheels“ aus Barmbek das führende Team. Sie gehören dem VfL 93 an und trainieren jeden Donnerstag von 19.30 bis 21 Uhr in der neuen Turnhalle der Helmut-Hübner-Stadtteilschule (Benzenbergweg 2). Mitmachen kann man allerdings erst ab 18 Jahren.

Tan Tien Tschüan: Boxen im inneren Gleichgewicht

Sportler im Tan Tien Tschüan von Teutonia 10 in Hamburg
Beim SC Teutonia 10 betreibt dieses Septett die Sportart Tan Tien Tschüan.

Boxen muss nicht immer gewaltsam und aggressiv sein. Denn mit Tan Tien Tschüan gibt es auch eine Variante des Boxens, die Elemente der Meditation enthält. Die Sportart, die auch als „Inneres Boxen“ bekannt ist, vereint die chinesische Box-Schule mit der Kampfkunst Tai Chi Chuan. Es gibt verschiedene Entwicklungsstufen, bei denen größtmögliche Präzision und Effizienz eine Rolle spielen. Der SC Teutonia bietet in Hamburg verschiedene Trainingszeiten an, geführte Einheiten finden immer montags ab 20 Uhr (Bernstorffstraße 147) und mittwochs ab 19 Uhr (Langenfelder Straße 31) statt.

Walking Football: Fußball in Hamburg – aber ganz langsam

Spieler des HSV und des ETV beim Walking Football in Hamburg
Im Walking Football treten unter anderem auch der HSV und der ETV in der Oberliga an.

Tempo spielt im Fußball eine große Rolle – nicht aber beim Walking Football. Da nämlich wird Fußball im Gehen statt im Rennen gespielt. Schnelles Laufen und Körpereinsatz sind verboten, es wird auf einem kleineren Feld gespielt und dafür langsamer und fairer als beim echten Fußball. Gerade deshalb erfreut sich die Sportart insbesondere bei älteren Menschen immer größerer Beliebtheit, weil kein großes Verletzungsrisiko besteht und man sich trotzdem sportlich bewegt. Walking Football ist innerhalb des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) organisiert und in Hamburg damit im Hamburger Fußball-Verband (HFV). Es existieren sogar vier Oberligen mit je vier bzw. fünf Teams, teilweise auch aus dem Hamburger Umland. Führend ist der SV Groß Borstel, der gleich zwei Mannschaften stellt und dienstags von 18.30 bis 19.30 Uhr auf dem Sportplatz Hans Thanbichler (Brödermannsweg) trainiert.