Leinen los: Streit um frei laufende Hunde in Hamburg

Kaum jemand hält sich an die Leinenpflicht, auch zwei Joggerinnen nicht.
Kaum jemand hält sich an die Leinenpflicht, auch zwei Joggerinnen nicht.

Am Alsterufer entlang der Schönen Aussicht (Uhlenhorst) gilt für Hunde die Leinenpflicht – ohne Ausnahme. Doch ein Großteil der Halter schert sich nicht darum. Mehr noch, auf Ansprache sollen einige aggressiv reagieren. Auch zu Bedrohungen sei es schon gekommen. Solche Beschwerden beschäftigen inzwischen die Bezirkspolitik. Dort setzt man darauf, die Leinen-Muffel aufzuklären. Kann das reichen? Zweifel haben ausgerechnet die Hundebesitzer selbst.

Zur Mittagszeit geht es gemütlich zu an der Schönen Aussicht. Spaziergänger und Jogger ziehen den Schotterweg entlang, hier und da eine Familie mit Kindern. Auch Hunde sind am Ufer unterwegs, fast immer ohne Leine. Dabei müssen dort alle Vierbeiner angeleint sein, selbst gehorsamsgeprüfte Hunde, die davon eigentlich befreit sind.

Hundehaltung in Hamburg: Streit um die Leinenpflicht

Zwei Joggerinnen flitzen vorbei, ein Labrador in ihrer Mitte. Die Leine hält eine der Läuferinnen sicher in der Hand, der Hund trabt frei herum. Genau wie ein Border Collie wenige Meter weiter, der stolz einen Stock im Maul umherträgt.

Wenig später biegt eine Spaziergängerin auf den Weg ein, auch ihr Hund ist nicht angeleint. Als die MOPO-Reporter sie darauf ansprechen, macht sie ihn fest. „Er ist gut erzogen, springt niemanden an“, rechtfertigt sie sich. Grundsätzlich sei ihr Haustier immer an der Leine. Warum er ausgerechnet heute frei herumläuft, beantwortet sie nicht.

Sarah Krieger (41) ist genervt von rücksichtslosen Hundehaltern.
Sarah Krieger (41) ist genervt von rücksichtslosen Hundehaltern.

„Ohne Rücksicht geht es nicht“

Anders hält es Thomas Hoffmann (67): „Für mich ist das selbstverständlich“, sagt er, der seine Havaneser-Dame Feline an der Leine führt. Der Weg am Ufer, an dem er mit ihr so gerne Gassi geht, sei oft proppenvoll. „Es ist ein Miteinander, ohne Rücksicht geht es nicht.“ Er habe schon mehrfach beobachtet, wie Hunde Jagd auf Wasservögel machten.

Thomas Hoffmann ist aus Uhlenhorst und regelmäßig am Alsterufer unterwegs. Hündin Feline führt er stehts an der Leine.
Thomas Hoffmann ist aus Uhlenhorst und regelmäßig am Alsterufer unterwegs. Hündin Feline führt er stehts an der Leine.

Können Schilder Halter animieren, sich an die Regeln zu halten? Der Uhlenhorster ist nicht überzeugt: „Jeder, der einen Hund hält, kennt auch die Leinenpflicht.“ Schilder hielten niemand davon ab, die Regel zu ignorieren.

Hunde fallen auch Menschen an – Halter reagieren aggressiv

Simone Dornia ist nachsichtiger. „Vielen ist die Leinenpflicht nicht bewusst“, sagt die Grünen-Abgeordnete in der Bezirksversammlung Nord. Ende September kam ein Bürger in den Ausschuss und berichtete von unhaltbaren Zuständen: frei laufende Hunde, die Menschen oder andere Vierbeiner anfallen. Halter, die aggressiv werden, wenn sie an die Regeln erinnert werden. Die Grünen-Fraktion hat einen Antrag eingebracht: Schilder sollen künftig auf die Anleinpflicht am Ufer hinweisen.

Diese zu überprüfen, ist Aufgabe des Hundekontrolldienstes der Polizei. Der Dienst hat gerade mal neun Mitarbeiter – hamburgweit. Dennoch bestreife der Dienst den Bereich um die Außenalster, heißt es von der Polizei. Wie häufig kontrolliert wird, verrät die Behörde nicht. Dies berühre die Einsatztaktik, so eine Sprecherin.

Aus dem Gespräch mit der nächsten Hundehalterin lässt sich erahnen, dass die Kontrollen allzu engmaschig nicht sein können. Freimütig berichtet eine Frau im Kamelhaarmantel, sie lasse ihren Hund trotz Verbots frei herumlaufen – seit 13 Jahren. „Ich habe nicht mal eine Leine dabei!“, verkündet sie. Überhaupt sei alles eine Frage der Erziehung. „Ob er an der Leine ist oder nicht, macht bei mir keinen Unterschied.“

Hundehalterin: „Es knallt oft hier“

Für eine solche Haltung hat Jasmin Krieger (41) kein Verständnis. „Das ist eine Frage des Respekts“, sagt die Sozialarbeiterin. Sie selbst ist vorsichtig, Hündin Lela immer an der Leine. „Es knallt hier oft“, sagt Krieger. Viermal, erinnert sie sich, habe es schon Zwischenfälle mit nicht angeleinten Hunden gegeben. Auf ihre Bitte, die Tiere anzuleinen, hätten die Besitzer unwirsch reagiert.

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Die 41-Jährige glaubt nicht, dass Schilder daran etwas ändern. Für sich und Lela hat Jasmin Krieger Konsequenzen gezogen: Um unangeleinte Hunde machen sie einen Bogen.