„Legehennen-Batterie“: Die neue Masche auf dem Hamburger Wohnungsmarkt
Dass der überhitzte Wohnungsmarkt in Hamburg seltsame Blüten treibt, ist hinlänglich bekannt. Seit Kurzem breitet sich aber ein relativ neues, teures Modell der klassischen Monteurswohnung auf den Plattformen aus: Eine Wohnung – für bis zu elf Personen. So preist ein Immobilienmakler sein Angebot in Rahlstedt an. Marc Meyer, Rechtsanwalt von Mieter helfen Mietern, macht das „fassungslos“.
Ein „Firmenparadies oberhalb der Baumkronen“, so beschrieb „Better Homes“ sein 115 Quadratmeter großes Angebot auf der Plattform „Immobilienscout 24“. Darin enthalten: Eine Fünf-Zimmer-Wohnung in Rahlstedt, die Unternehmen für unfassbare 4000 Euro pro Monat anmieten können. Das entspricht satten 34 Euro pro Quadratmeter. Aber damit ist noch lange nicht Schluss. Wer sich genauer die Beschreibung durchliest, erfährt dass die Miete bei einer Vollbelegung der Wohnung auf bis zu 5500 Euro steigen kann.
Rahlstedt: Wohnungsangebot für Firmen – und bis zu elf Personen
Vollbelegung, das bedeutet laut der Anzeige bei „Immobilienscout 24“ bis zu elf Mitarbeiter. Zu sehen sind auf den Fotos unter anderem eng aneinandergereihte Betten mit der gleichen, grünen Bettwäsche. Wer Glück hat, kann anscheinend noch ein Zimmer mit nur zwei Betten ergattern, in einem anderen Zimmer reihen sich insgesamt vier Schlafgelegenheiten aneinander. Ansonsten ist noch ein langer Tisch zu sehen, an dem elf Personen wahrscheinlich gerade so Platz finden. Oder wie es in der Anzeige heißt: „Gemeinsame Teamabende sind hier garantiert“.
So wirklich paradiesisch wirkt all das nicht, vielleicht änderte „Better Homes“ die Überschrift der Anzeige deshalb später zu „Firmendomizil“. Eine MOPO-Anfrage, wie sich der hohe Preis zusammensetzt und ob bei elf Personen nicht schon die Überbelegung erreicht wird, blieb unbeantwortet. Auf der Homepage des internationalen Immobilienmaklers mit Sitz in Zürich ist bei der gleichen Rahlstedter Anzeige wiederum nur noch von neun Bewohnern die Rede. „Better Homes“ arbeitet laut eigener Aussage mit selbstständigen Immobilienmaklern und Franchise-Unternehmern zusammen.
Laut dem Hamburger Wohnraumschutzgesetz müssen pro Person mindestens zehn Quadratmeter zur Verfügung stehen: Bei 115 Quadratmetern und elf Personen wäre das gerade so der Fall. Aber es gilt auch, dass die Anzahl der Bewohner die Anzahl der Wohnräume nicht übermäßig überschreiten darf.
Rahlstedt: „Überteuerte Variante der Monteurswohnung“
„Die tanzen auf jeden Fall rechtlich an der Grenze, wenn diese nicht sogar überschritten wird“, sagt Marc Meyer, Rechtsanwalt bei Mieter helfen Mietern. „Das Ganze macht mich fassungslos. Alle Frechheiten des Wohnungsmarktes sind in dieser Anzeige drin.“ Er bezeichnet die Wohnung anhand der Fotos als „Legehennen-Batterie“.
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Bei einer anderen Anzeige von „Better Homes“ wird eine Zwei-Zimmer-Wohnung in Jenfeld angeboten: „Perfekt für Ihre Mitarbeiter“ und „ideal für eine erholsame Auszeit nach einem langen Arbeitstag“. Platz soll hier für vier Personen sein, aber auf einem Bild lassen sich allein in einem Zimmer fünf Betten erkennen. „Nein, es ist definitiv nur für vier Personen“, betont der zuständige Makler mehrmals am Telefon. Vor dem Einzug würde noch eine weitere Wand eingezogen werden. Nach dem MOPO-Gespräch verschwindet das Bild mit den fünf Betten von der Website.
„Immer mehr Firmen haben heutzutage das Problem, dass sie Wohnraum für ihre Mitarbeiter brauchen“, sagt Marc Meyer. Die Haspa und auch die Hochbahn bauen deshalb sogar eigene Unterkünfte. „Alle bauen Wohnungen, weil sie darauf angewiesen sind, junge Menschen nach Hamburg zu locken. Die kriegen aber immer schwieriger eine Wohnung oder sogar nur ein Zimmer“, so Meyer. Das Gleiche gelte für Firmen, die für Bauprojekte nach Hamburg kommen und ihre Leute irgendwo unterbringen müssten. „Solche Angebote, wie diese hier, sind aus meiner Sicht die überteuerte Variante von klassischen Monteurswohnungen.“