Leerstand nach Feuer: Dieses Hamburger Wohnhaus verrottet seit Jahren

Haus in Billstedt auch Jahre nach Brand immer noch nicht wieder bewohnbar – CDU-Politiker schlägt Alarm
Der Bezirksabgeordnete Gerd Imholz (CDU) vor dem Haus im Schiffbeker Weg.

Bei einem Brand in einem Mehrfamilienhaus in Billstedt gab es vor drei Jahren zahlreiche Verletzte. Die Nutzung des Gebäudes wurde im Anschluss behördlich untersagt. Die Wohnungen in dem Haus stehen bis heute leer. Warum ist das so?

Die dramatischen Bilder aus dem April 2021 sind den Nachbarn noch gut in Erinnerung. Bei einem Feuer im ersten Stock sprangen zwei Bewohner (beide 70) aus dem Fenster, einer von ihnen wurde schwer verletzt. Andere standen an den Fenstern und riefen um Hilfe. Mehr als 120 Retter kämpften gegen die Flammen, acht Menschen wurden über Drehleitern in Sicherheit gebracht. Das Haus im Schiffbeker Weg wurde nach Ende der Löscharbeiten für unbewohnbar erklärt.

Ein Handwerker, der in dem viergeschossigen Gebäude damals Hausmeisterarbeiten leistete, berichtete der MOPO nach dem Brand über schlimme Zustände in dem Haus. Die vermieteten Zimmer seien maßlos überfüllt gewesen, teilweise hätten bis zu sieben Menschen auf 30 Quadratmetern gelebt. Zudem soll es massive Sicherheitsmängel gegeben haben. Sperrmüll und Kinderwagen sollen die Hausflure versperrt, wahllos und unsachgemäß verlegte Stromkabel von der Decke gehangen haben.

Schon vor dem Brand große Sicherheitsmängel

Der Brand ist mittlerweile drei Jahre her – und noch immer sind die Wohnungen unbewohnt. „Das Gebäude verrottet mehr und mehr. Jammerschade, denn Wohnraum ist knapp“, sagte jetzt ein Anwohner, der nebenan lebt. Im Erdgeschoss sind ein Friseursalon, ein Nagelstudio und ein Handyladen ansässig. Die Gewerbemieter klagen allerdings über Wasserschäden und marode Stromleitungen. Der Rest des Gebäudes steht leer.

Drei Jahre nach dem Brand. Wohnhaus am Schiffbeker weg steht immer noch leer
Bei dem Brand am 11. April 2021 sprangen Bewohner in Panik aus den Fenstern.

Eigentümer des Gebäudes ist Volker F. Als die MOPO ihn auf den Zustand des Altbaus anspricht, behauptet er, selbst ein Opfer zu sein. So hätten dubiose Gestalten damals die Mieten in bar kassiert. Er selbst will davon nichts gewusst und sich irgendwann gewundert haben, weshalb keine Mieten mehr eingehen würden. Der Schaden betrage mehrere zehntausend Euro. Die Staatsanwaltschaft bestätigt der MOPO auf Nachfrage, dass es ein Ermittlungsverfahren in der Sache gibt. Der Untersuchung ist ein Betrugsverfahren gegen den Bruder von Volker F. anhängig.

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Auf die Frage, warum die Wohnungen seit drei Jahren leer stehen, verweist Volker F. auf Probleme, die ihm das Bezirksamt mache. Konkreter wird er nicht. Der Bezirk hatte die Weiternutzung im Anschluss an den Brand untersagt. Als die MOPO dort nachfragt, äußert sich das Amt nicht zu dem Fall und verweist auf den Datenschutz.

Hausbesitzer soll selbst Opfer von Unterschlagung geworden sein

Mittlerweile sollen immer wieder Wohnungslose in dem Haus leben. Offenbar verschaffen sie sich über Fenster auf der Rückseite des Hauses Zutritt. „Abends ist besonders viel Leben in dem Haus zu erkennen“, sagt ein Nachbar. Seinen Angaben zufolge werden dort auf Gaskochern Mahlzeiten zubereitet. Die Polizei hat dazu keine Erkenntnisse.

Haus steht nach Brand seit Jahren leer – nun soll Randständige dort campieren
Anwohner wollen gesehen haben, dass sich Obdachlose über die Rückseite des Gebäudes Zutritt zum Haus verschaffen.

Gerd Imholz, der für die CDU in der Bezirksversammlung sitzt, ist entsetzt über den langanhaltenden Leerstand: „Wir, die Bezirksfraktion, werden umgehend Aufklärung verlangen und drauf hinarbeiten, dass dieses Haus möglichst schnell wieder zu beziehen ist und Menschen dringend benötigten Wohnraum finden.“