Leerstand, Bauarbeiten, Verluste: Umgestaltung soll Colonnaden retten
Unablässig schreiende Kreissägen, Bauzäune, leerstehende Geschäfte und mitten im Weg parkende Autos: Die Colonnaden zwischen Neuem Jungfernstieg und Esplanade laden schon lange nicht mehr zum Flanieren und Entspannen ein. Dabei ist die Straße mit ihren traditionsreichen und inhabergeführten Geschäften, mit ihren Bögen und Ornamenten einzigartig in Hamburg. Um ihr altes Flair wieder aufleben zu lassen, soll eine große Jury nun ein Planungsbüro für die Umgestaltung auswählen. Doch während Modernisierungen und Werbemaßnahmen langsam anlaufen, gibt ein Traditionsgeschäft nach dem anderen langsam auf.
Helo De Souza ist verzweifelt. 50 bis 70 Prozent weniger Umsatz macht ihr kleines brasilianisches Restaurant in den Colonnaden 104 kurz vor der Kreuzung zur Esplanade. Schuld ist die Baustelle am anderen Ende der Straße, an der Ecke zum Neuen Jungfernstieg. „Eigentlich kommen nur noch Stammkunden“, sagt sie. „Der Touristenfluss ist durch die Bauarbeiten komplett abgebrochen.“
Gastronomiebetrieb musste nach 30 Jahren dichtmachen
Würde ihr Mann nicht immer wieder Geld aus seiner Anwaltskanzlei in den Laden stecken, hätte sie schon längst aufgeben müssen, sagt De Souza. So wie mehrere ihrer Nachbarn: Das Restaurant schräg gegenüber habe nach 30 Jahren geschlossen, die Räumlichkeiten hätten dreimal den Besitzer gewechselt, seitdem die Gastronomin ihren Laden im Jahr 2020 eröffnet habe.
Das Problem betrifft vor allem die Unternehmer auf De Souzas Ende der Colonnaden. In Richtung Neuer Jungfernstieg läuft es besser – zumindest, wenn man das richtige Konzept hat, so wie Dietlinde Harm-Reber von der Frankenwein-Vinothek in der Nummer 54. „Wir haben tolle Stammkunden, die uns gut durch die Zeit der Bauarbeiten getragen haben“, berichtet sie. Die Sommelière spricht nicht von den Bauarbeiten am Neuen Jungfernstieg, sondern von den Renovierungsarbeiten an ihrer Gebäudefassade.
„Wir befinden uns in einer Umbruchphase“, sagt sie. Schon seit Jahren jagt eine Baustelle die nächste und auch einige Nachbarn von Harm-Reber mussten aufgeben – dennoch ist sie sehr optimistisch. „Links neben dem Bocksbeutel eröffnet am 7.7. ein Juwelier und auf der anderen Seite öffnet im Juli ein Geschäft, in dem man selbst Schmuck gestalten kann. Ich freue mich darauf.“
Nicht nur den diversen Neueröffnungen, auch den Werbemaßnahmen des eigens gegründeten BID Colonnaden (Business Improvement District) blickt die Sommelière positiv entgegen. „Am 17.7. gibt es in der ganzen Straße eine große mediterrane Nacht. An Pfingsten hatten wir endlich wieder einen Antikmarkt und freuen uns schon auf den Weihnachtsmarkt in diesem Jahr.“
Das ist für den Umbau der Colonnaden geplant
Neben den Festen und neuer Beleuchtung arbeitet der BID an einer Umgestaltung der Colonnaden. Eine Jury, die unter anderem aus Eigentümern der Gebäude besteht, wird im November ein Planungsbüro für diese Maßnahmen auswählen. „Wir wollen der Straße zu ihrem alten Strahlen verhelfen“, sagt Mareike Menzel vom BID. „Seit Jahrzehnten befindet sie sich in einer Art Dornröschenschlaf.“
In den ganzen Prozess wolle man die Eigentümer und Geschäftsinhaber einbinden und transparent sein. Zudem gibt es einige Vorgaben an die Planungsbüros: So sollen die Außengastronomieflächen bestehen bleiben und möglichst erweitert werden, eine Trasse für Fuß-, Rad- und Lieferverkehr soll erhalten werden.
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Zudem soll es Aufenthaltsmöglichkeiten ohne Verzehrzwang und mehr Witterungsschutz geben, Veranstaltungsflächen sollen Märkte, Feste oder Kulturformate ermöglichen. Veranschlagt sind für alles 1,3 Millionen Euro.
Einiges wird sich auch ändern: So wird laut Harm-Reber der kleine, historische Kiosk in der Mitte der Colonnaden abgerissen. Und auch mit den Baustellen war es das noch längst nicht: Helo De Souza wird sich bald mit dem Abriss der Nummer 72 herumschlagen müssen, der seit Jahren aufgeschoben wurde, und anschließend auch noch mit den Bauarbeiten für die U5 am Stephansplatz. „Wir schauen uns diesen Sommer an und hoffen, dass wir noch weitermachen können“, sagt sie. Auch sie setze große Hoffnungen in die geplanten Werbemaßnahmen.