Leben hier wilde Tiere? Rätsel um die Schuttberge auf dem Holsten-Areal
Hoch türmen sich die Schuttberge auf dem Areal der ehemaligen Holsten-Brauerei, nerven Anwohner und Bezirkspolitik. Längst hätte die Adler Group den staubigen und potenziell giftigen Bauschutt entsorgen sollen – aber jetzt deutet sich eine neue Hürde an: rätselhafte Tiersichtungen auf dem Gelände an der Holstenstraße. Und: Inzwischen ermittelt auch die Wasserschutzpolizei.
„Die Vorgehensweise wird nun noch durch Tiersichtungen verkompliziert. Die Stadt- und Landschaftsplanung hat darum gebeten, den Artenschutz bei etwaigen Maßnahmen zu berücksichtigen, da diverse Arten gesichtet wurden“, so steht es in einer Mitteilung, die das Bezirksamt Altona an den Bauausschuss geschickt hat. Artenschutz! Werden die geschredderten Gebäudereste über die Jahre etwa zum wertvollen Biotop?
Nachfrage beim Bezirksamt: Welche seltenen Arten kreuchen und fleuchen denn über die Hügel? Die Antwort klingt, als würde sich die Natur die Skandalbrache gerade mit aller Kraft erobern, leider ist die Quellenlage zu dem angehenden Vogelparadies in den Ruinen noch eher dünn: „Das Bezirksamt Altona ist von einem Bürger kontaktiert worden, der Wildtiersichtungen auf dem Holstenareal beschrieben hat“, schreibt Sprecher Mike Schlink: „Konkret soll dieser Bürger Fledermäuse, Graugänse, Halbgänse, Bussarde, Füchse, Seemöwen, einen Milan, Strandläufer sowie Eulen beobachtet haben. Das Bezirksamt konnte diese Sichtungen bislang nicht verifizieren und hat versucht, Kontakt zu dem Bürger aufzunehmen, was jedoch bislang erfolglos geblieben ist.“
„Es soll dort Enten geben“
Die Linken-Fraktion in der Bezirksversammlung hat eine Anfrage zum Sachstand auf dem Holstenareal gestellt. Wissen die Politiker vielleicht Genaueres über die mysteriösen Tiersichtungen? „Es soll dort Enten geben, sagte wohl eine Anwohnerin“, sagt Fraktionsgeschäftsführerin Mandy Gutierrez Plasser und setzt bedauernd hinzu: „Mehr war nicht herauszubekommen.“
Wasserschutzpolizei ermittelt
Immerhin: Das Bezirksamt hat am 5. Mai ein HOZ-Verfahren gegen die Adler-Group eingeleitet, wie es im besten Verwaltungsdeutsch heißt: Ein Verfahren zur „Herstellung ordnungsgemäßer Zustände“. Der Schutt soll demnach so bald wie möglich entweder abgefahren oder vor Ort gesichert werden. Laut Bezirksamt hat der Anwalt der Eigentümer erklärt, dass ein Abtransport „wenig sinnvoll“ wäre, da die meisten Materialien wiederverwendet werden sollen.
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Inzwischen ermittelt auch die Wasserschutzpolizei zu den Schotterbergen, denn: Für deren Lagerung sei eigentlich eine Genehmigung nach dem Bundesemissionsschutzgesetz nötig, da die Schadstoffe ins Grundwasser sickern können. Die Umweltbehörde hingegen geht nach den derzeitigen Proben jedoch nicht von einer Gefahr aus, wie das Bezirksamt mitteilt.