Lärmentwicklung am Hamburger Flughafen: Überraschende Zahlen
Die Nächte rund um den Hamburger Flughafen sind deutlich ruhiger geworden. Wie aus der aktuellen Auswertung der Fluglärmschutzbeauftragten hervorgeht, ist die Zahl verspäteter Starts und Landungen nach 23 Uhr im Jahr 2025 um 23 Prozent gesunken. Ein wesentlicher Grund dafür ist eine neue Entgeltordnung, die verspätete Flüge für Airlines spürbar teurer macht.
Konkret wurden zwischen 23 und 24 Uhr noch 756 verspätete Flüge gezählt, im Jahr zuvor waren es 978. Auch nach Mitternacht gab es weniger Ausnahmen: Statt 41 waren es nur noch 26 Flüge. Besonders in den Sommermonaten zeigte sich der Effekt der neuen Regeln. In 29 Nächten wurde der Flugbetrieb pünktlich um 23 Uhr beendet – neun Nächte mehr als im Vorjahr.
Lärm am Hamburger Flughafen: Zahl der Beschwerdeführer rückläufig
Auch die Zahl der Beschwerdeführer ging zurück: 2025 meldeten sich 967 Bürgerinnen und Bürger bei der Fluglärmschutzbeauftragten, im Jahr zuvor waren es noch fast 1300. Die Gesamtzahl der eingegangenen Beschwerden erhöhte sich von rund 24.500 auf 27.000. Dies liege laut der Behörde daran, dass sich „einzelne Personen zum Teil sehr häufig beschweren“. Gleichzeitig blieb das Gesamtverkehrsaufkommen mit rund 127.000 Flugbewegungen stabil – und weiterhin deutlich unter dem Vor-Corona-Niveau von 2019.
Umweltsenatorin Katharina Fegebank (Grüne) sieht darin einen Erfolg der eingeschlagenen Linie: „Es bleibt unser Ziel, die Belastungen für die Nachbarschaft so gering wie möglich zu halten, ohne die notwendige Anbindung Hamburgs aus dem Blick zu verlieren. Der Flughafen Hamburg ist eine wichtige Drehscheibe für den Wirtschaftsstandort Hamburg und hat aufgrund seiner zentrumsnahen Lage besondere Herausforderungen.“
Das sagt der Umweltverband BIG Fluglärm
Deutlich skeptischer fällt die Bewertung vom Umweltverband BIG Fluglärm aus. Deren Vorsitzender Martin Mosel warnt davor, die gesunkenen Verspätungszahlen nach 23 Uhr als Maßstab für wirksamen Lärmschutz zu nehmen. „Diese Darstellung greift zu kurz und wird der tatsächlichen Belastung der Betroffenen nicht gerecht“, heißt es in einer Stellungnahme. Aus lärmmedizinischer Sicht beginne die Nacht bereits um 22 Uhr – genau dieser Zeitraum werde in der Senatsbilanz jedoch weitgehend ausgeblendet.
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Nach Auswertung offizieller Fluglärmmessungen entfielen 2025 rund 88 Prozent aller nächtlichen Lärmereignisse auf den Zeitraum 22 bis 23 Uhr. Zudem habe der Nachtanteil am gesamten Lärmgeschehen im Vergleich zu 2019 deutlich zugenommen. Auch der Rückgang der Beschwerdeführenden sei kein verlässlicher Indikator, so Mosel: Entscheidend sei nicht die Anzahl der Meldungen, sondern die tatsächliche Belastung in besonders betroffenen Gebieten wie Hamburg-Nord, Teilen Wandsbeks und im nördlichen Umland. (rei)
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