Kurioser Grund: Streit an der Alster – Darum müssen die Glaspavillons jetzt weg
Die gläsernen Pavillons an der Mundsburger Brücke zählen seit Jahren zu den auffälligsten Gastro-Attraktionen an der Alster. Nun könnte damit Schluss sein: Der Hamburger Senat schließt eine dauerhafte Genehmigung aus. Der Grund ist kurios.
Aus einer Senatsantwort auf eine Kleine Anfrage der CDU geht hervor: Die Glaspavillons der Restaurants „Spanische Treppe“ und „Anleger 1870“ sollen keine dauerhafte Genehmigung bekommen. Die Genehmigungen galten bislang nur für die Wintermonate von November bis Februar, zuletzt bis Februar 2026. Das „Abendblatt“ berichtete zuerst.
Eine dauerhafte Zulassung sei nicht vorgesehen, heißt es in dem Senatsschreiben. Entscheidendes Argument: Die Pavillons stören laut Senat den Blick auf die denkmalgeschützte Mundsburger Brücke. Dadurch werde auch das historische Ensemble zwischen Schwanenwik- und Kuhmühlenbrücke beeinträchtigt.
Behörden sehen Denkmalschutz verletzt – Licht und Glas als „Störfaktor“
Laut der Senatsantwort wurden die Pavillons ursprünglich „ohne Abstimmung erworben und aufgestellt“. Das Denkmalschutzamt kritisiert, die durchsichtigen Glaskonstruktionen lenkten – insbesondere durch ihre Beleuchtung – den Blick von der Natursteinbrücke ab. Die Brücke sei dadurch „kaum mehr wahrnehmbar“. Bürgerbeschwerden habe es zwar keine gegeben, doch die Fachbehörden bewerten die Wirkung auf das Stadtbild als dauerhaft störend.
Der Senat betont zudem, dass bei einer möglichen Neugenehmigung die Pavillons künftig „einheitlich und
zurückhaltend gestaltet sein“ sollten. Voraussetzung sei eine vorherige Abstimmung mit den zuständigen Ämtern.
Restaurantbetreiber haben Existenzangst
Für die Betreiber der Restaurants steht indes viel auf dem Spiel. Rohulla Jawan Shir, Inhaber der Tapasbar „Spanische Treppe“, die in den Kasematten unter der Brücke liegt und keinen eigenen Innenraum besitzt, sieht seine wirtschaftliche Existenz bedroht: „Ohne die Glaspavillons können wir im Winter gar nicht öffnen. Das ist unser Überleben“, sagt er dem „Abendblatt“.
Auch Amir Khazaei, Mitinhaber des benachbarten „Anlegers 1870“, betont die Bedeutung der Bauten. Die Gäste kämen wegen der Aussicht; ohne die Pavillons könne das Restaurant Personal und Betrieb kaum halten. Ein erneuter Antrag auf Verlängerung sei in Vorbereitung.
CDU erhebt Vorwürfe gegen Senat – „Folgen nicht berücksichtigt“
Die CDU-Abgeordneten werfen dem Senat vor, wirtschaftliche Folgen für die Gastronomie nicht ausreichend berücksichtigt zu haben. Tatsächlich heißt es in der offiziellen Antwort, dass sich die zuständigen Behörden nicht mit der wirtschaftlichen Bedeutung der Pavillons befasst hätten.
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Die Pavillons, ursprünglich eine pandemiebedingte Notlösung, haben sich zu einem Erfolgsmodell entwickelt. Während der Corona-Pandemie boten sie geschützte Plätze im Freien. Inzwischen sind die Pavillons ein beliebter Treffpunkt für Einheimische und Touristen geworden. (rei)