Kult-Kneipe „Crazy Horst“ ist wieder da: Das versprechen die neuen Besitzer
Jahrzehntelang stand der Mann mit der rauen Stimme und dem großen Herzen hinter dem Tresen der gerade mal 40 Quadratmeter großen Kiez-Kneipe. Mit seinem „Crazy Horst“ an der Hein-Hoyer-Straße (St. Pauli) hatte Horst Schleich eine eigene Welt erschaffen. Einen Ort für Kiezianer, Polizisten, Künstler, Politiker und Promis – an dem Schauspieler wie Ulrich Tukur und Brad Pitt feierten. Nachdem der Kult-Wirt im Alter von 78 Jahren verstorben ist, hat die legendäre Kneipe neue Besitzer. Sie sind eigentlich bekannt für indisches Essen.
Schon vor etlichen Monaten kam Horst Schleich auf die Besitzer des indischen Restaurants „Maharaja“ zu und fragte, ob sie seine Kneipe kaufen wollen. Er kannte Kathrin Guthmann und ihren Mann, die in der Nachbarschaft wohnen, seit etwa 20 Jahren. „Wir hatten noch nie was mit Nachtleben zu tun. Das, was Horst gemacht hat, ist ziemlich weit entfernt von dem, was wir machen. Erst mal gab es kaum etwas Absurderes für mich. Ich war da in keiner Weise scharf drauf“, sagt Kathrin Guthmann.
Kiez-Kneipe „Crazy Horst“ bleibt, wie sie immer war
Doch es folgten einige intensive Gespräche. Nach etwa einem halben Jahr entschied ihr Mann Satish Mourya-Guthmann, dem Kult-Wirt das „Crazy Horst“ abzukaufen. Auch seine Frau freundete sich mit dem Gedanken an – schon weil sie selbst häufiger in der Kneipe waren, viele Stammgäste kennen und den legendären Laden erhalten wollten.
Das „Crazy Horst“ ist wieder geöffnet – und wird als Feierabendtreff der „Maharaja“-Mitarbeiter genutzt. Die Kneipe ist so, wie die Gäste sie kennen. „Wir haben nichts verändert. Auch die Bilder und die Deko sind noch da. Wir wollen den Laden so weiterführen, wie Horst ihn geführt hat“, sagt Satish Mourya-Guthmann. Nur das Personal hat sich verändert. Hinterm Tresen stehen nun der neue Besitzer und Mitarbeiter aus seinen anderen Restaurants.
Mittlerweile haben die „Maharaja“-Besitzer bis zu 70 Mitarbeiter und sechs Läden. Nachdem sie ihr Restaurant an der Rindermarkthalle unter massivem Protest für einen Bürokomplex räumen mussten, haben sie erst vor Kurzem einen neuen Laden eröffnet. Einen Lieferservice im ehemaligen, zweifelhaft berühmt gewordenen „Club 77“ an der Holstenstraße (Altona). Dort, wo sich einst üble Gangster und Rotlichtgrößen trafen. Zudem haben sie zwei weitere Restaurants an der Hein-Hoyer-Straße, eins an der Detlev-Bremer-Straße, eins an der Hallerstraße und nun die Kult-Kiezkneipe. Ganz schön viel.
„Diese Vergrößerung ist die Geschichte einer Vertreibung“
„Das ist alles ganz von allein entstanden. Wir haben nicht gesucht, uns wurden die Läden angeboten. Aber jetzt ist es auch mal gut. Das nächste Mal würde ich nein sagen“, sagt die Inhaberin und erklärt: „Diese Vergrößerung ist die Geschichte einer Vertreibung. Hätte man mir mein erstes Restaurant nicht genommen, hätte ich nie ein zweites aufgemacht.“ Sie ist froh, ein so tolles Team um sich zu haben. Auch wenn sie sich noch daran gewöhnen muss, ist sich Kathrin Guthmann sicher: „Wir schaffen das. Das ist mein Lebenswerk. Aber da darf kein Zentimeter mehr dazukommen.“
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Aus dem „Crazy Horst“ hält sich die Restaurant-Betreiberin raus. Das macht ihr Mann. „Zwei Tage vor Horsts Tod haben wir noch im Laden gesessen. Horst war so glücklich, dass wir die Kneipe weiterführen“, sagt Satish Mourya-Guthmann. Für ihn ist klar: Das „Crazy Horst“ bleibt das „Crazy Horst“. Eine eigene, kleine Welt inmitten des bunten Treibens auf dem Kiez.