Reservisten der Bundeswehr bei der Übung „Red Storm Alpha“ in Hamburg im September 2024.

Reservisten der Bundeswehr bei der Übung „Red Storm Alpha“ in Hamburg im September 2024. Foto: picture alliance/dpa/Markus Scholz

Kriege, Krisen, Katastrophen: So bereiten sich Hamburger Firmen auf den Ernstfall vor

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Stromausfall, Cyberangriff oder sogar Krieg in Europa – was lange undenkbar schien, rückt für Hamburger Unternehmen plötzlich in den Bereich des Möglichen. Ein neuer Krisenvorsorgeplan zeigt jetzt ganz konkret, was Betriebe tun sollen, um im Ernstfall handlungsfähig zu bleiben.

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine, zunehmende Cyberattacken und extreme Wetterereignisse haben die Sicherheitslage grundlegend verändert. Darauf reagiert nun auch die Wirtschaft: Die Handelskammer Hamburg hat gemeinsam mit dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe einen umfangreichen Krisenvorsorgeplan für Unternehmen vorgelegt – ausdrücklich auch für kleine und mittlere Betriebe.

Herzstück des Papiers ist eine mehrseitige Checkliste, die Geschäftsführungen systematisch durcharbeiten sollen. Ganz praktisch beginnt das bereits am Schreibtisch: Unternehmen werden aufgefordert, frühzeitig zu klären, wer im Ernstfall einen Krisenstab bildet, wer Entscheidungen trifft, wer kommuniziert – und wer erreichbar ist, wenn IT-Systeme ausfallen oder Telefone nicht mehr funktionieren.

Krisenvorsorgeplan: Das rät die Handelskammer

Doch der Plan geht weit über organisatorische Fragen hinaus. Die Handelskammer rät Unternehmen ausdrücklich auch zu baulichen Schutzmaßnahmen an ihren Standorten. So sollen Betriebe prüfen, ob ihre Gebäude gegen äußere Einwirkungen ausreichend gesichert sind – nicht nur gegen Einbrüche, sondern auch gegen Naturgefahren oder gezielte Angriffe. Wörtlich heißt es: „Überprüfen Sie, ob Außenwände und Dach so konstruiert und instand gehalten sind, dass sie dem Eindringen von außen standhalten.“

So bereiten Sie sich auf einen Krisenfall vor:
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Ein weiteres zentrales Thema ist die Absicherung kritischer Infrastruktur im Betrieb. Dazu zählen Notstromlösungen für mehrere Tage, der Schutz sensibler IT-Systeme sowie klare Pläne für den Fall, dass Lieferketten plötzlich reißen. Der Krisenvorsorgeplan empfiehlt, solche Szenarien bewusst als Stresstest durchzuspielen – etwa einen mehrtägigen Stromausfall kombiniert mit einem Cyberangriff oder Personalausfällen.

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Neu ist auch der Blick auf sicherheitspolitische Entwicklungen. Unternehmen sollen künftig militärische und geopolitische Krisen in ihre Risikoplanung einbeziehen. Schon ein sogenannter Spannungs- oder Bündnisfall könne Auswirkungen haben, etwa durch Grenzkontrollen, eingeschränkte Logistik oder den kurzfristigen Ausfall internationaler Mitarbeiter.

Dabei versteht sich die Wirtschaft ausdrücklich als Teil der zivilen Verteidigung. Hamburger Unternehmen spielen im Ernstfall eine Schlüsselrolle – etwa bei der Versorgung der Bevölkerung, in der Logistik oder bei der Unterstützung staatlicher Stellen. Ohne private Betriebe, so die klare Botschaft des Plans, wäre Krisenbewältigung in Deutschland kaum möglich. (mp)

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