Komplettes Böllerverbot zu Silvester? Das denken die Hamburger

Julia (35) aus Horn plädiert vehement für ein Böllerverbot – aus Tier-, Lärm- und Umweltschutzgründen.
Julia (35) aus Horn plädiert vehement für ein Böllerverbot

Wenn 59 Prozent der Deutschen ein generelles Böllerverbot fordern (Forsa) und 63 Prozent an Silvester keine Raketen und Böller zünden werden (YouGov), was heißt das für Hamburg? Wir haben uns umgehört unter Knallerfreunden und -gegnern.

Einen Gegner des Böllerverbots trifft die MOPO in der Sternschanze, doch er möchte weder sein Foto, noch seinen Namen in der Zeitung sehen. Er sagt, er würde auch nach einem Böllerverbot Raketen kaufen und abfeuern. „Dann fahre ich halt über die Grenze und besorge mir dort welche. Sie werden Böller nie ganz verhindern können. Ich würde auch weiter zu Prostituierten gehen, wenn es verboten wäre“, sagt er.

Junge Menschen in Hamburg für ein Böllerverbot

Während mehr als zwei Millionen Menschen eine Petition der Berliner Polizeigewerkschaft für ein Böllerverbot unterzeichnet haben, Peta, der Nabu und ein breites öffentliches Bündnis sich für ein Ende des privaten Feuerwerks aussprechen, weigert sich Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CDU) standhaft, wenigstens den Forderungen nach einer Ausweitung von Böllerverbotszonen nachzugeben, geschweige denn das Geknalle komplett zu verbieten. Auf Amrum und Föhr wurde das seit 1981 geltende Böllerverbot kurzfristig für 2025 durch ein Gericht gekippt – ein Feuerwerkshersteller hatte dagegen geklagt.

Der Billstedter Dennis (26) hat die Knallerei schon als Kind gehasst: „Ich habe die Ohrstöpsel und die großen Kopfhörer von Opa bekommen. Von einem Freundeskreis, in dem viel geböllert wurde, habe ich mich kürzlich distanziert.“

Die WochenMOPO – ab Freitag neu und überall, wo es Zeitungen gibt!

Diese Woche u.a. mit diesen Themen:

  • U-Bahn-Mord: Geschichte eines sinnlosen Todes

  • Block-Prozess: Wird der Patriarch doch noch angeklagt?

  • Streit um Haus-Sanierung: Erst Leerstand, jetzt Brandstiftung

  • Große Rätselbeilage: Knobelspaß für jeden Tag

  • 16 Seiten Sport: Der große Transfer-Check & Khedira schwärmt vom neuen HSV

  • 28 Seiten Plan 7: Opern-Horror mit Donald Trump, Hype um Rap-Star Apache 207 & Ideen für Wochenendtrips

Dustin (27) aus Harburg erlitt in seiner Jugend ein Knalltrauma aufgrund eines illegalen Polenböllers und bekam eine Rakete zwischen die Beine. „Von mir aus könnten sie privates Böllern komplett abschaffen. Die Belastung für Krankenhäuser, Tiere und die Umwelt ist zu groß.“

Oskar (21) lebt ebenfalls in Harburg und sieht das Ganze etwas gelassener: „Ich habe nichts gegen ein Böllerverbot und würde mir selbst kein Feuerwerk kaufen, aber wenn meine Familie böllert, dann mache ich schon mit. Einzelne Böllerverbotszonen wären ein guter Kompromiss – der Lärm und Dreck muss in dem Ausmaß nicht sein.“

Julia (35) aus Horn ist Mutter und berichtet von einem fürchterlichen Vorfall: „Ich habe gesehen, wie ein Zwölfjähriger sich die Hand weggeschossen hat“, so die 35-Jährige. „Ich würde mich an Silvester am liebsten verkriechen – und meine Achtjährige hat bei dem Krach immer Angst, dass der Krieg zu uns kommt.“

Besonders laut wird es am Osdorfer Born, wo Lasse (28) seit fünf Jahren lebt. „Einmal hatte ich den Eindruck, das ganze Haus würde wackeln. Und hier wird auch außerhalb von Silvester geböllert. Von mir aus könnten sie den Mist komplett verbieten.“

Daniel Schaefer, Sprecher von Innensenator Andy Grote (SPD), betont gegenüber der MOPO die begrenzten Handlungsmöglichkeiten der Behörde. „Eine Änderung der bundesweiten Sprengstoffverordnung liegt in der Verantwortung des Innenministeriums. In Hamburg haben wir auch dieses Silvester örtliche Feuerwerksverbote – im Bereich Jungfernstieg, Binnenalster und Rathausmarkt – erlassen. Solche örtlichen Feuerwerksverbote müssen rechtlich allerdings sehr gut begründet werden.“

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Verhaltensweisen, die nach Silvester Diskussionen über Feuerwerksverbote auslösen, seien ja jetzt schon verboten – also das Werfen von Feuerwerkskörpern in Menschenmengen, auf Einsatzkräfte oder in Gebäuden, das Zünden erlaubnispflichtigen Feuerwerks (z.B. sogenannte Kugelbomben) ohne den erforderlichen Erlaubnisschein oder von in Deutschland nicht zugelassenem Feuerwerk (z.B. sog. „Polenböller“). Die Zahlen zeigen, dass sich daran nicht jeder hält – und darunter leidet dann die Mehrheit der Hamburger, die das Geknalle satt hat.