Klinik-Personal auf der Straße: Darum brodelt es in Hamburgs Krankenhäusern

Krankenpfleger demonstrieren auf dem Gänsemarkt
„Wir kämpfen für bessere Bedingungen“: Rund 1500 Krankenpfleger und weiteres Klinikpersonal kamen am Donnerstag zur Verdi-Kundgebung auf dem Gänsemarkt.

Statt Kittel trugen sie Warnwesten. Statt Stethoskopen hingen Trillerpfeifen um den Hals: Rund 1500 Klinikmitarbeiter aus Hamburgs Krankenhäusern sind am Donnerstag in den Warnstreik getreten. Viele OP-Säle standen still. Dafür brodelte es auf dem Gänsemarkt, wo die Beschäftigten sich am Vormittag zu einer Kundgebung zusammenfanden.

„Wir versorgen Hamburg“, so eine Krankenschwester, die seit mehr als 20 Jahren in der Notaufnahme des UKE arbeitet, zur MOPO. „Aber wir müssen auch in Hamburg leben und die hiesigen Mieten bezahlen können.“ Die aktuellen Löhne und Arbeitsbedingungen würden jedoch dazu führen, dass sich immer mehr ihrer Kollegen aus dem Job verabschieden. Das führe bei den Verbleibenden zu einer noch stärkeren Arbeitsverdichtung. Heißt: zu Stress pur. „Die Arbeitgeber müssen dafür sorgen, dass der öffentliche Dienst attraktiv bleibt“, sagt die Pflegerin.

Tarifstreit im öffentlichen Dienst: Verdi fordert acht Prozent mehr Lohn

Hintergrund der Proteste, an denen auch weiteres Klinikpersonal wie unter anderem Logopäden, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten oder Medizinisch Technische Assistenten (MTA) teilnahm, ist der Tarifstreit im öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen. In zwei bisher erfolgten Verhandlungsrunden hat die Arbeitgeberseite kein Angebot vorgelegt. Deshalb erhöht die Gewerkschaft Verdi gut eine Woche vor der nächsten Runde den Druck. Verdi fordert eine Gehaltssteigerung um acht Prozent, mindestens aber 350 Euro mehr monatlich sowie höhere Zuschläge für die Arbeit zu belastenden und ungünstigen Zeiten. Die Ausbildungsvergütungen und Praktikantenentgelte sollen um 200 Euro monatlich angehoben werden. Außerdem fordert die Gewerkschaft mindestens drei zusätzliche freie Tage.

Demonstranten auf dem Gänsemarkt
Demo auf dem Gänsemarkt: Rund 1500 Krankenpfleger aus ganz Hamburg demonstrierten für mehr Lohn und bessere Arbeitsbedingungen.

„Den Arbeitgebern ist das zu teuer“, schimpft eine Rednerin auf der Bühne – und erntet dafür lauten Applaus, mit dem die Anwesenden ihre Empörung ausdrücken. Besonders bei den Mitarbeitern der Helios-Kliniken, die zu der Kundgebung eingeladen waren, weil es im Konzern gerade ebenfalls Tarifverhandlungen gibt, sorgte der Hinweis für höhnisches Gelächter. Schließlich hat der Gesundheitskonzern Fresenius, zu dem Helios gehört, erst vergangene Woche seinen Rekord-Umsatz 2024 bekannt gegeben: 21,5 Milliarden Euro.

Trotzdem gibt es beispielsweise in der zu Helios gehörenden Endo-Klinik in Altona-Altstadt laut einigen anwesenden Mitarbeitern seit Jahren Probleme mit den Gehältern. „Unsere Abrechnungen sind jeden Monat falsch“, berichtet eine OP-Schwester. Ihre Kollegin ergänzt: „Wir warten immer noch auf unser Weihnachtsgeld.“ Der Betriebsratsvorsitzende Jörg Schlosser bestätigt die Unregelmäßigkeiten: „Einige Mitarbeiter haben Anwälte eingeschaltet. Es laufen mehrere Zivilklagen.“

„Weil wir am Limit sind“: Asklepios-Krankenschwester fordert bessere Arbeitsbedingungen

Nina Geyer, Betriebsrätin bei Asklepios, betonte bei der Kundgebung, dass es nicht „einfach nur um mehr Lohn“ gehe, sondern auch um bessere Arbeitsbedingungen. „Weil wir am Limit sind“, so die Pflegerin. „Weil wir Erholungszeit brauchen ohne ständiges Einspringen aus dem Frei, weil wir die Verantwortung für viel zu viele Patientinnen tragen, weil die Arbeit im Krankenhaus nicht mehr attraktiv ist und man so auch keine neuen Beschäftigten mehr findet.“ Und: „Wertschätzung drückt sich nun mal in guter Bezahlung aus.“

Die Patienten in Hamburgs Krankenhäusern mussten am Donnerstag wegen des Warnstreiks Einschränkungen hinnehmen. Und möglicherweise war es nicht der letzte Protesttag. Am Freitag ist schon der nächste Warnstreiktag angekündigt, diesmal unter anderem in Kitas.

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Die kommunalen Arbeitgeber kritisieren das. „Warnstreiks, die die Kinderbetreuung, die Gesundheitsversorgung und den Nahverkehr einschränken oder gar lahmlegen, schaden in erster Linie den Bürgerinnen und Bürgern“, sagte Niklas Benrath, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA). Das sei mitten in den Verhandlungen nicht nachvollziehbar.

Ein Verdi-Sprecher widersprach und erklärte mit Blick auf die Aktionen des Krankenhauspersonals, das Patientenwohl stehe stets im Vordergrund. „Es gibt in allen bestreikten Einrichtungen einen Notdienst.“ Die Verschiebung von geplanten Operationen komme auch sonst im Klinikalltag oft vor. In Pflegeeinrichtungen werde bei der Streikbesetzung auf die Wochenendbesetzung zurückgegriffen, so der Sprecher.