Klimawandel: „Siesta in Hamburg wird normal sein“
Schweiß perlt von der Stirn, die Luft ist stickig. Im Sommer machen immer mehr Menschen in Hamburg eine Siesta. Anders lässt sich die Mittagshitze nicht aushalten. Gelbe statt grüner Wiesen in der ganzen Stadt. Viele Wohnhäuser müssen nachgerüstet werden, um besser vor Überschwemmungen geschützt zu sein. Eine erschreckende Vorstellung? Nein, eine reale. Sagen die beiden Klimaforscher Dr. Benjamin Poschlod (33) und Dr. Malte von Szombathely (43) von der Uni Hamburg. Sie erforschen seit Jahren, wie sich der Klimawandel auf die Hansestadt auswirken wird.
„Wenn man an die Sommer 2021 und 2022 denkt, die sehr heiß und trocken waren: So wird das neue Normal sein in ein paar Jahrzehnten“, ist sich Benjamin Poschlod sicher. Die Sommer werden heißer sein, die Winter nasser. Weiße Weihnachten? Eine schöne Erinnerung.
Schnee zu Weihnachten? Leider unwahrscheinlich – die Winter werden nasser
Die drohenden Hitzeperioden sind nicht nur für die Menschen eine große Belastung, auch viele Baumarten kommen nur schwer mit höheren Temperaturen klar. Bereits jetzt werde bei der Bepflanzung auf hitzeresistentere Arten gesetzt wie den Französischen Ahorn oder die Silberlinde, erklären die Forscher. Auch die Grasflächen im Stadtpark werden wohl weniger grün und mehr gelb sein.
„Auch wenn man sich eine Siesta in Hamburg jetzt noch nicht vorstellen kann, wenn es noch mal zwei bis drei Grad wärmer wird, wird das vermutlich notwendig sein“, glaubt Poschlod. Anders ließen sich Arbeiten unter freiem Himmel teilweise nicht aushalten. Verhältnisse, wie man sie aus dem Spanienurlaub kennt.
Vor allem Großstädte heizen sich auf. Sie sind dicht bebaut, viele Flächen versiegelt, es gibt zu wenig Stadtgrün und damit kaum Abkühlung. In Hamburg sind es rund 40 Prozent des Stadtgebiets – exklusive der Wasserbereiche (Stand 2023). Das sei aber im Vergleich zu anderen deutschen Städten wie zum Beispiel Hannover mit 55 Prozent Versiegelung ein guter Wert, so Poschlod und Szombathely.
Entsiegelung der Stadtgebiete – zurück zum Natürlichen
Versiegelung führt nicht nur zu stärkerer Hitze, sondern kann auch bei Niederschlägen zum Problem werden. Das Forscher-Duo prognostiziert, dass wir in Zukunft häufiger und heftiger Starkregen haben werden, der zu Überschwemmungen führen kann. Das Wasser kann auf versiegelten Flächen nicht ablaufen. Wie dramatisch die Überschwemmungen werden können, zeigt ein Fall aus 2018 in Lohbrügge. Die Hauswand eines Mehrfamilienhauses wurde damals weggerissen, die Anwohner in Sicherheit gebracht.
Wie ist Hamburg vorbereitet auf die Szenarien?
Seit der Flutkatastrophe 1962 habe Hamburg viel für den Schutz gegen Sturmfluten getan, so Malte Szombathely. Die Stadt sei aktiv dabei, die Deiche dem steigenden Meeresspiegel anzupassen. In Hafennähe werde bereits so gebaut, dass Gebäuden, Fahrzeugen und Menschen bei Starkregen weniger passiert. An anderen Stellen wie in der Königstraße in Altona-Altstadt wurde beim Umbau der Fahrbahn entsiegelt und das Gebiet begrünt. Ein weiterer Baustein sei Dachbegrünung, wie sie bei vielen Neubauprojekten geplant wird. Die Begrünung sorge dafür, dass Dachgeschosswohnungen besser isoliert werden, und sie bietet gleichzeitig Versickerungsfläche, so von Szombathely.
Das könnte Sie auch interessieren: Hitze und Starkregen: Wo es im Bezirk Altona besonders gefährlich wird
Es gibt also Hoffnung: „Maßnahmen wie Gründächer und Entsiegelung federn die Folgen des Klimawandels ab und tragen zum Wohlbefinden der Stadtbevölkerung bei“, sagt Malte von Szombathely. Er appelliert an die Politik, die Auswirkungen des Klimawandels ernst zu nehmen. Dies „entscheidet darüber, wie Menschen in dieser Stadt leben und überleben können!“.