Klimaneutral schon 2040? So stimmen prominente Hamburger ab
Es ist so weit: Die Hamburger stimmen über den Zukunftsentscheid ab. Soll Hamburg schon 2040 klimaneutral sein – mit all den Konsequenzen, die die Umstellung mit sich bringt? Die hitzige Debatte in den vergangenen Wochen hat viele Hamburger mobilisiert: Schon 442.517 Briefwahlunterlagen waren am Freitag beim Landeswahlamt eingegangen – das sind 33,6 Prozent der rund 1,3 Millionen Wahlberechtigten. Die MOPO hat Hamburger Persönlichkeiten und Entscheidungsträger gefragt, wie sie sich entschieden haben – und warum.
Pheline Roggan, Schauspielerin
„Ich stimme mit Ja, weil wir eben mitten in der Klimakrise stecken und die Schäden und Kosten umso größer werden, je später die Emissionen gesenkt werden. Deshalb bin ich dafür, wirksame sozialgerechte Klimaschutzmaßnahmen zu implementieren. Und: Auch die Wirtschaft profitiert davon, planvoll zukunftsfähig gemacht zu werden. Auch die Handelskammer – die sich vom Zukunftsentscheid distanzierte – stellt klar: Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit gehören zusammen – schnellere Klimaneutralität bietet wirtschaftliche Chancen. Über 370 europäische Städte wollen bis 2040 klimaneutral sein, München strebt dies sogar schon für 2035 an. Es ist also keineswegs überstürzt – im Gegenteil: Hamburg verliert den Anschluss, wenn wir nicht handeln. Es gibt selten die Möglichkeit, so viel mitzuentscheiden und wirklich Gutes für die Zukunft zu bewirken.“
Hjalmar Stemmann, Präsident der Handwerkskammer Hamburg
„Ich stimme mit Nein, gerade weil mir das rasche Erreichen der Klimaneutralität Hamburgs am Herzen liegt. Festgeschriebene lineare CO2-Reduktionspfade oder kurzfristige Sofortprogramme außerhalb der parlamentarischen Kontrolle verunsichern Menschen und Betriebe, die planen müssen, um handeln zu können. So entsteht keine Akzeptanz für mutige Klimapolitik. Dieser Zukunftsentscheid erweist der Klimawende einen Bärendienst.“
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Rolf Bosse, Vorsitzender des Mietervereins zu Hamburg
„Ich bin dafür, weil es für Mieter:innen nur Vorteile bringt, wenn ihre Wohnung endlich saniert wird. Die Mieten steigen sowieso mit dem Mietenspiegel, ohne dass die Wohnung besser wird! Die Modernisierung ersetzt die Mieterhöhung nach Mietenspiegel, spart Heizkosten und man muss nicht mehr im Schimmel leben. Darüber hinaus sind Mieter:innen durch Kappungsgrenzen und eine Härtefallregelung geschützt vor zu hohen Mieterhöhungen und Verdrängung. Kein Mieter wird wegen einer Modernisierung seine Wohnung verlieren. Der Zukunftsentscheid stellt sicher, dass die Stadt private Akteure, die die Maßnahmen umsetzen müssen, in die Pflicht nimmt. Zwei Drittel der Gebäudebestände gehören privaten Vermietern. Die machen im Moment viel zu wenig, und das ist der Grund, warum wir damit rechnen müssen, dass ohne verbindlichen Fahrplan auch das Ziel 2045 nicht erreicht wird.“
Andreas Dressel, als SPD-Kreisvorsitzender Wandsbek
„Ich stimme mit Nein – genauso wie viele Akteure aus der politischen Mitte der Stadt, aus Wirtschaft, aus Gewerkschaften, Wissenschaft und Sport. Wir sagen Ja zum Klimaschutz, aber Nein zu diesem Volksentscheid. Immer deutlicher wird, dass die Volksinitiative die Hamburgerinnen und Hamburger über die wahren Folgen und konkreten Rahmenbedingungen ihres Gesetzentwurfs im Unklaren lässt. Hamburg sollte dieser Mogelpackung am Sonntag eine Absage erteilen!“
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Sabine Sommer, Vorsitzende des BUND Hamburg
„Ich stimme mit Ja, weil eher weitere Verzögerungen beim Klimaschutz die Kosten unnötig in die Höhe treiben. Gerade beim Klimaschutz gilt: Je später die Umsetzung kommt, desto teurer wird es. Gerade Hamburg als bedeutender Industriestandort und weltoffene Metropole hat alle Voraussetzungen, um zum Vorbild für andere Regionen in Deutschland zu werden. Die Klimakrise ist eine Menschheitsaufgabe – packen wir es also endlich an!“
Klaus Wicher, Hamburger Vorsitzender Sozialverband SoVD
„Ich stimme mit Nein, weil die Befürworter:innen keine Zahlen auf den Tisch legen können, was wirklich auf die Hamburger:innen finanziell zukommt; weil es keinen Plan gibt, wie Menschen, die arm (rund 20 Prozent alle Hamburger:innen) sind oder nur kleine Einkommen haben, vor zusätzlichen sozialen Härten geschützt werden können; weil viele Senior:innen mit kleiner Rente keinerlei finanzielle Spielräume haben und weder Kredite noch Darlehen bekommen, um nötige teure energetische Sanierungen oder den Austausch von Ölheizung oder Gastherme bezahlen zu können; weil die Armut in Hamburg zusätzlich wächst, weil vor allem die Mieten durch Umlagen schneller steigen werden und nicht ausreichend im sozialen Bereich unterstützt werden kann. Die steigende Armut bedeutet schon jetzt einen wachsenden Bedarf und mehr Unterstützung seitens der Stadt.“