Kleinod in Hamburg: Hausmannskost, Open-Air-Kunstwerke und ein besonderer Fähranleger
Livemusik in der 100 Jahre alten Fischhalle, Museumsdampfer und Streetart, alte Kräne und moderne Architektur – der Harburger Binnenhafen ist ein richtiges Kleinod und wird seit Jahren zu einem neuen städtebaulichen Quartier umgestaltet. Wir sind um den Hafen geradelt und haben Erstaunliches entdeckt.
Alte Schiffe, alte Kräne
Der Blaue Kran, Baujahr 1960, vom Typ Peiner W 40, wurde zwar als Werftkran konzipiert, erwies sich aber als zu klein und wurde nie auf einer Werft eingesetzt. Am Lotsekai diente er bis 1999 vor allem zum Umschlag von Futtermitteln und ist inzwischen ein museales Industriedenkmal. Der zweite Museumskran ist der Greiferkran Liebherr 120L/150G Baujahr 1972, der „Gelbe Kran“. Seit 2006 steht er als „KulturKran“ im Hafen und ist ein funktionstüchtiges Ausstellungsstück. Der Blick auf Hafen, Schiffe und Kräne lässt sich gut von einer der bequemen Holzbänke am Lotsekai genießen.
Polizei in Grün
Viel Grün, viel Glas und schon von Weitem zu sehen: Das Kommissariatsgebäude der Wasserschutzpolizei am Binnenhafen ist ein echter Hingucker. Das fünfgeschossige, kupferverkleidete Gebäude überragt die umliegenden Bootshallen und den Deich und wurde 2002 mit dem AIV Architekturpreis als „Bauwerk des Jahres“ ausgezeichnet.
Neue alte Schleuse
Als Zugang zum Binnenhafen ging 1881 die „Neue Schleuse“ für bis zu 70 Meter lange und 17 Meter breite Schiffe in Betrieb. Vor wenigen Jahren wurde die Schleuse grundlegend modernisiert.
Hausmannskost und Livemusik
Wie gut, dass die 1906 gebaute Fischhalle nicht wie ursprünglich geplant abgerissen wurde. Seit 2017 ist das historische Gebäude das maritime Kulturzentrum des Binnenhafens mit Café/Bistro, Galeriebetrieb und Sitz der Büros der Vereine Museumshafen Harburg und der Geschichtswerkstatt Harburg. Die Fischhalle ist ein Projekt des Hafenmusikers Werner Pfeifer, der hier einen Treffpunkt für Feiern, Konzerte oder soziale Aktivitäten geschaffen hat. Nachmittags sitzt man mit Hafenblick bei Kaffee und Kuchen genauso gut wie abends bei Livemusik. Gut essen können Hafenbesucher nicht nur in der Fischhalle, sondern auch mittags im Schnellrestaurant „Von bis“ gleich nebenan. Burger, Bowls, Salate und Frikadellen – alles ist hausgemacht, gut und günstig (Sa. geschlossen).
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Anleger ohne Schiffe
Einen Anleger mit Aussichtsplattform am Dampfschiffsweg gibt es zwar, aber auf Fähren zu den Landungsbrücken wartet man hier vergeblich. Schon lange ist eine Verbindung nach Hamburg auf dem Wasser als Alternative zu überfüllten Straßen, Bahnen und Bussen im Gespräch, passiert ist nichts. Auch die Möglichkeit, die Fähre durch die Harburger Hafenschleuse bis zum Kanalplatz zu verlängern und damit den Binnenhafen zu beleben, ist bislang nur eine Vision. Die Pläne scheiterten unter anderem an den Geschwindigkeitsvorgaben – erlaubt sind auf der Strecke teilweise nur zehn Knoten. Somit würde eine Fährfahrt länger dauern als eine Fahrt mit der S-Bahn. Auch müssten auf dieser viel befahrenen Strecke besonders manövrierfähige Schiffe zum Einsatz kommen.
Kunst im Hafen
In den letzten Jahren ist in Harburg und vor allem rund um den Binnenhafen mit Murals des Projekts „Walls Can Dance“ Norddeutschlands größte Freiraumgalerie für zeitgenössische Urban Art entstanden. Am Lotsestieg 6 ist beispielsweise eine Arbeit von Innerfields zu sehen, weitere Wandbilder verschönern die Fassaden in der Schlossstraße und regelmäßig kommen neue Kunstwerke dazu.