Kleine Helden mit großen Kräften: die „Super“-Kids im Jungen Schauspielhaus

Acht Kinder der Aufführung „Super Wrestling“ stehen und sitzen im Ring.
Sie sind Teil der Aufführung „Super Wrestling“, in der die Kinder als Superhelden in den Ring steigen.

Tuana (9), Samiha (9) und Trinity (9) sind ganz hibbelig vor freudiger Anspannung. Heute, am Donnerstag, ist der letzte Tag vor ihrer großen Aufführung im Jungen Schauspielhaus. Am Freitagabend werden die Drittklässlerinnen zu „Eis-Tuana“, „Elsa“ und „Supergirl“, drei Superheldinnen mit einer gemeinsamen Leidenschaft: Wrestling! Da herrscht Aufregung, aber vor allem: Vorfreude. Auch die Schulleiterin ist begeistert – aus einem bestimmten Grund.

Antonia Rehfueß hebt die Arme über ihren Kopf und begibt sich in Kampfhaltung. Sofort hört das Wuseln im Probenraum in der Kulturkirche Veddel auf. 39 Augenpaare fokussieren sich auf ihre Regisseurin – und ahmen die Pose nach. „Es ist der einfachste Weg, die Kinder zurück in den Fokus zu bringen“, sagt Rehfueß zur MOPO.

Das Plakat der Aufführung „Super Wrestling“
39 Kinder haben an dem Stück mitgearbeitet, das am 20. Juni um 18 Uhr im Jungen Schauspielhaus zu sehen ist.

Die 29-jährige Regisseurin hat das Stück geschrieben, das die Kinder am Freitag vor fast 200 Personen aufführen werden. Der Name des Projektes: „Super-Wrestling“, es ist eine Kooperation der Kulturagenten Hamburg und der Schule auf der Veddel. „Wir behandeln mit der Show verschiedene Themen. Was ist eigentlich eine Stärke und was eine Schwäche? Kann eine Schwäche vielleicht auch eine Stärke sein? Wie übe ich, Grenzen zu setzen?“, erzählt sie. Seit knapp einem Jahr arbeitet sie gemeinsam mit den zwei dritten Klassen der Stadtteilschule auf der Veddel zusammen. Ein riesiger Aufwand: Von der Idee zum Skript, zu den Kostümen – und das alles mit Kindern, die nicht älter als zehn Jahre alt sind.

Jedes Kind hat seine eigene Superhelden-Persona entwickelt

Auch jetzt toben Kinder durch den Saal, die Rehfueß gerade mal bis zum Bauch reichen. Sie tragen bunte Kostüme, an deren Entwicklung sie selbst mitgearbeitet haben, denn: Jedes Kind hat sich seine eigene Superheldenfigur ausgedacht, ihr einen Namen und eine Fähigkeit gegeben und das Kostüm entworfen. Neben „Eis-Tuana“, „Elsa“ und „Supergirl“, rennen hier auch „Ronaldo“ und „Darth Vader“ durch den Raum.

Die Organisatoren hinter dem Stück setzten im Ring.
Und sie stecken hinter dem Stück (von links nach rechts): Wrestler Karsten Kretschmer, Regisseurin Antonia Rehfueß, Kulturagentin Alescha Abendroth und Assistenz der Regie, Vera Piechulla

„Die Kinder haben total viel Energie und auch Bock auf die Show“, erzählt Rehfueß weiter. „Natürlich ist es manchmal herausfordernd“, sagt sie und deutet auf das fröhliche Durcheinander. „Aber Theater bedeutet manchmal Chaos und wir haben ein tolles Team und, viel wichtiger, ein gemeinsames Ziel: die Show.“

Samiha: „Ich will das viel länger machen“

Samiha, Trinity und Tuana freuen sich riesig auf die Aufführung. Aufgeregt erzählen sie, wie sehr sie „Toni“ Rehfueß mögen und dass sie natürlich auch etwas nervös sind. „Ich möchte aber gar nicht, dass morgen kommt. Ich will das viel länger machen“, sagt Samiha traurig, deren Superhelden-Figur „Elsa“ aus dem Disney-Film „Die Eiskönigin“ ist.

Vier Mädchen der dritten Klasse sitzen in ihren Kostümen im Ring.
Von links nach rechts: Tuana, Jaelin, Trinity und Samiha.

Während der Show steigen immer wieder paarweise Kinder in den Ring und kämpfen mit ihren Superkräften gegeneinander. Bei der Choreografie der Kämpfe hat Karsten Kretschmer geholfen. Er ist Wrestler und Trainer. Die Kinder sind ihm ganz schön ans Herz gewachsen. „Sie kommen einfach zu mir und nehmen mich an der Hand“, sagt er. Mit donnerndem Applaus feuert er die kleinen Superhelden im Ring an.

Den Kindern ist der Spaß während der Proben anzusehen. Tuana redet ebenfalls mit leuchtenden Augen von dem Projekt. „Ich möchte später Schauspielerin werden“, sagt sie stolz. Aufgeregt ist sie vor allem, weil morgen fast 200 Leute erwartet werden, darunter auch ihre Eltern. Während und nach der Probe strahlen die drei Mädchen. Es gab sehr lobendes Feedback ihrer Regisseurin.

Die Schulleiterin zeigt sich begeistert – aus einem bestimmten Grund

Auch die Schulleiterin Bianka Petri (55) ist Fan des Projekts. „Unsere Schule hat einen Schwerpunkt auf kultureller Bildung“, erzählt sie. „Für die Kinder sind solche Projekte pädagogisch sehr wertvoll. Das Theater bietet die Möglichkeit, verschiedene Bereiche zu vernetzen. Zum Beispiel Sprache, Ausdauer oder Bewegung.“ Die Idee hat Petri besonders gefallen. Lachend gibt sie zu, dass sie selbst großer Superhelden-Fan ist und sich daher umso mehr auf die Aufführung freut.

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Am meisten aufgeregt sind aber die Kinder. Trinity – oder Supergirl, deren Kraft das Fliegen ist – erzählt: „Ich bin aber aufgeregt vor Freude.“ Die Vorstellung ist inzwischen leider schon ausverkauft.