Klausuren in der WG-Küche: Hamburger Studentin klagt über private Hochschule
Die Hamburger Studentin M. studiert an der Macromedia Hochschule. Ihre Erfahrungen: frustrierend. Sie stellte sich ihr Studentenleben anders vor. Und sie ist kein Einzelfall. An der Macromedia breitet sich ein Gefühl der Unzufriedenheit aus. Nun bezieht die Hochschule Stellung.
Die Uni-Klausur in der WG-Küche schreiben: Erinnert an Corona und Lockdown, ist aber heute die Realität der Hamburger Studentin M. An der Macromedia Hochschule in der Gertrudenstraße (Altstadt) studiert sie Journalismus und schreibt bald ihre Bachelorarbeit. Doch statt aufregendem Studentenleben breitet sich Frust aus.
Digitalisierung – bis ins WG-Zimmer
Die Macromedia University of Applied Sciences ist eine staatlich anerkannte Multi-Campus-Hochschule in privater Trägerschaft der Macromedia GmbH. Ihr Leitbild: „Studierende stärken und junge Menschen befähigen, den digitalen Wandel aktiv, verantwortungsvoll und kreativ zu gestalten – mit Wissen, Haltung und Perspektive.“
Wie präsent Digitalisierung im Macromedia-Kosmos ist, zeigt sich auch im Alltag der Studierenden: Klausuren werden online geschrieben, Vorträge werden digital aufgezeichnet und eingereicht. Klingt modern, bringt aber erhebliche Probleme mit sich. Technische Störungen, mögliche Ablenkungen von Mitbewohnern oder Familienmitgliedern – und das Schummeln wird leichter: In den heimischen Wänden, ohne persönliche Aufsicht, kann die Versuchung groß sein. Es stellen sich Fragen nach Fairness und Gleichberechtigung.
Ton aus, Prüfung versemmelt
Die Hamburger Studentin M. erzählt, wie sie einen Vortrag als Prüfungsleistung für ein Seminar halten musste. Über ein Programm meldete sie sich an, musste Kamera und Ton prüfen. „Dann drückt man auf Play und hält seinen Vortrag. Es ist wie eine Videoaufnahme“, sagt M. Obwohl sie den Vortrag hielt, bestand sie nicht. Grund waren technische Störungen: Plötzlich funktionierte ihr Ton nicht mehr. „Und ich konnte das Video nicht nochmal überprüfen“. Die Prüfung musste sie später wiederholen.
Es ist eine Situation von vielen. Immer wieder hat die Studentin M. Probleme mit der technischen Umsetzung von Prüfungen, und muss diese deswegen wiederholen. Für M. fühlt sich das Studium dadurch kaum wie ein klassisches Studentenleben an, sagt sie.
Das sagt die Macromedia
„Die vollständige Umstellung auf digitale Prüfungen ist Teil unserer Strategie für moderne, faire und zukunftsfähige Hochschullehre. Vorteile sind eine höhere Flexibilität, Zukunftsfähigkeit und die Möglichkeit, Prüfungen ortsunabhängig durchzuführen“, sagt die Pressesprecherin der Macromedia auf MOPO-Anfrage.
Ab dem Wintersemester sollen Prüfungen ausschließlich digital stattfinden. Die Hochschule sieht Vorteile, erkennt aber Probleme an: „Technische Probleme oder fehlende Ausstattung dürfen allerdings nicht zu Nachteilen führen“, führt sie aus. Die Lösung solle in diesen Fällen sein, die Prüfung in Präsenz zu absolvieren. Doch das müsse erst beantragt und individuell bewilligt werden.
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„Wenn eine Prüfung nachweislich aufgrund technischer Probleme nicht bestanden werden konnte, bieten wir faire Lösungen wie Wiederholungsmöglichkeiten an“, heißt es aus der Pressestelle. Studentin M. wiederholte ihre Prüfungen, empfand die Umstände aber nicht als fair, wie sie berichtet.
Die Sorgen der Studierenden seien der Hochschule bekannt. „Wir wollen Rückmeldungen ernst nehmen“, sagt die Pressesprecherin.
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