Kinderarzt-Praxis im Hamburger Osten wird geschlossen – Not wird noch größer

Die Räume der Kinderarztpraxis Grubesallee in Rahlstedt.
Die Räume der Kinderarztpraxis Grubesallee in Rahlstedt.

Überlaufene Praxen, lange Wartezeiten, Aufnahmestopp: Die kinderärztliche Versorgungslage im Osten Hamburgs ist seit Jahren ein großes Problem. In Rahlstedt verschärft sich die Situation jetzt noch weiter. Denn: Die Kassenärztliche Vereinigung schließt die Praxis an der Grubesallee.

Die Kinderarztpraxis Grubesallee war erst vor zwei Jahren als Eigeneinrichtung der Kassenärztlichen Vereinigung eröffnet worden. Ziel war es, die pädiatrische Versorgung im Hamburger Osten zu ergänzen und zu verbessern. Naheliegende Praxen sowie die Notaufnahme des Katholischen Kinderkrankenhauses Wilhelmstift sollten entlastet werden, versprach John Afful, Vorstandsvorsitzender der KV Hamburg, im Januar 2024.

Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hamburg schließt Kinderarztpraxis in Rahlstedt

Damit ist es nun schon wieder vorbei: „Die KV Hamburg schließt die pädiatrische Eigeneinrichtung in Rahlstedt zum 31. Dezember 2026“, teilte die vertragsärztliche Interessenvertretung am Donnerstag mit. Zuvor hatte die Vertreterversammlung der KV einstimmig die Schließung beschlossen. Der Vertrag der aktuell in der Praxis beschäftigten Kinderärztin Dr. Philippa Schröder läuft laut einer KV-Sprecherin zum Ende des Jahres aus.

„Es tut uns sehr leid, die Praxis schließen zu müssen“, erklärte Dr. Michael Reusch, Vorsitzender der Vertreterversammlung. „Die Gründe hierfür hätten aber ein Weiter-so einfach nicht zugelassen.“

Für die Vertreterversammlung sei vor allem ausschlaggebend gewesen, „dass die seit 2024 bestehende Praxis bislang nie wirtschaftlich geführt werden konnte“, so Reusch. „Es ist bisher nicht annähernd gelungen, die Kosten und die Einnahmen der Praxis in Ausgleich zu bringen, was dazu führt, dass die Vertragsärzt:innen und Vertragspsychotherapeut:innen ein jährliches Defizit von bis zu 200.000 Euro voll selbst zu tragen haben.“ Dies lasse sich mit den Grundsätzen der Wirtschaftlichkeit, denen eine Kassenärztliche Vereinigung unterliegt, nicht über längere Zeit vereinbaren.

Kleine Patienten sollen auf kinderärztliche Praxen in der Nähe verteilt werden

Als weiteren Grund für das Aus wurde auf die derzeitige Gesetzgebung verwiesen, insbesondere auf das Beitragssatzstabilisierungsgesetz der Bundesregierung. Es entzöge „den Hamburger Praxen erhebliche Honorarvolumina“, so Reusch, der auch genaue Zahlen nannte. Die Einbußen betrügen „teilweise bis zu 30 Prozent je nach Fachgruppe.“ Angesichts dieser Entwicklung, die den wirtschaftlichen Druck auf die Hamburger Praxen in besonderer Weise erhöhe, sei der Weiterbetrieb einer hochgradig defizitären Praxis schlicht nicht mehr zu rechtfertigen.

Der Vorstandsvorsitzende John Afful erklärte darüber hinaus, dass die Patientenzahlen in der Eigeneinrichtung insgesamt übersichtlich seien. Im Vergleich mit inhabergeführten Kinderarztpraxen seien sie sogar sehr unterdurchschnittlich. „Dennoch ist uns natürlich bewusst, dass für die Kinder, die in der Eigeneinrichtung versorgt werden, nun eine andere Versorgungslösung gefunden werden muss“, so Afful.

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Den betroffenen Familien, die bisher in der Praxis versorgt wurden, versprach Afful, dass die KV Hamburg die kommenden Monate nutzen werde, um die umliegenden kinderärztlichen Praxen zu kontaktieren. Ziel sei es, eine Übernahme der kleinen Patienten sicherzustellen.