Kinder kriegen – oder es bewusst lassen: Wie sich MOPO-Autorinnen entscheiden

Kinder bekommen – oder es bewusst lassen: MOPO-Autorinnen schreiben, wie sie sich entscheiden.
Kinder bekommen – oder es bewusst lassen: MOPO-Autorinnen schreiben, wie sie sich entscheiden.

Kinder bekommen – oder es bewusst lassen: Für viele Frauen ist das keine einfache Frage, sondern eine Entscheidung mit tausend Nebenbedingungen. Für die einen ist da der Wunsch nach Familie, aber auch die Angst vor alten Rollenbildern, vor Karriereknicks oder finanzieller Abhängigkeit. Themen, die auch am Weltfrauentag (8. März) im Fokus stehen. Manche Frauen sagen: später. Andere: nie – und müssen sich prompt dafür rechtfertigen. Und wieder andere sind mittendrin im Familienchaos und würden trotzdem nichts tauschen. Hier schreiben fünf MOPO-Autorinnen, wie sie sich entscheiden.

MOPO-Mitarbeiterin Medina Naim (24): „Kinder ja, aber nicht als Mutprobe“

MOPO-Mitarbeiterin Medina Naim (24)
MOPO-Mitarbeiterin Medina Naim (24)

Als kleines Mädchen habe ich am liebsten meine Babypuppen in der Kinderkarre durch die Wohnung geschoben und mir vorgestellt, wie es wohl wäre, selbst einmal Mutter zu sein.

Dieser Wunsch ist geblieben. Später möchte ich auf jeden Fall Kinder haben. Nicht sofort, nicht um jeden Preis – aber irgendwann.

Ein Kind würde für mich nicht bedeuten, mich für immer auf eine einzige Rolle festlegen zu lassen. Es wäre kein Abschied von meinen Träumen, sondern eine Erweiterung des Lebens. Etwas, das Kraft kostet – und welche schenken kann. Ich wünsche mir, beides zu sein: Mutter und das, wofür ich mich entscheide. Fürsorglich und ehrgeizig.

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Und trotzdem verstehe ich Freundinnen und Frauen in meinem Alter, die sagen: Nicht in dieser Realität. Nicht in einer Welt, in der Care-Arbeit noch immer überwiegend an Frauen hängen bleibt. Nicht in einer Welt, die Mütter entweder glorifiziert oder kritisiert – aber selten erlaubt, einfach zu sein. Wer Kinder bekommt, muss sich rechtfertigen. Wer keine bekommt, auch.

Viele – mich eingeschlossen – haben Angst, beruflich zurückzufallen oder in alte Rollenbilder zu rutschen. Ich wünsche mir Kinder – aber auch eine Welt, in der diese Entscheidung keine Mutprobe ist.

MOPO-Mitarbeiterin Annika Ehlers (24): „Wäre lieber Vater als Mutter“

MOPO-Mitarbeiterin Annika Ehlers (24).
MOPO-Mitarbeiterin Annika Ehlers (24).

Ich glaube, ich hätte gerne Kinder. Nur eben nicht als Mutter, sondern als Vater.

Zuallererst ist da die Schwangerschaft: nein danke. Das ist purer „Body-Horror“ für mich. Ich kenne dank meines fatalistischen Social-Media-Algorithmus jede gruselige Facette und Konsequenz davon. Das will ich lieber nicht austesten.

Dann ist da das Leben nach der Geburt: Auch da sehe ich überall, wie viele Frauen ihre Karriere, Hobbys und Persönlichkeit zurückfahren, um für ihr Kind zu sorgen. Davor habe ich extremen Respekt. Aber ich will das nicht.

Ich will das alles aus der Perspektive der Väter: Bei der Schwangerschaft und der Geburt unterstützen, aber es nicht selbst durchleben. Zwar Vaterschutz nehmen, aber danach wieder meiner Leidenschaft folgen. Ich will für mein Kind da sein und es aufwachsen sehen. Aber ich will mich dafür nicht selbst aufgeben.

Das sollte längst normal sein – und bei vielen Paaren läuft das auch längst so. Aber ich will genau das eben auch: Mutterschaft soll mich mal ergänzen und nicht einschränken.

Digitalchefin Eva Jost (46): „Ohne wäre alles nix“

Digitalchefin Eva Jost (46)
Digitalchefin Eva Jost (46).

In den vergangenen drei Wochen war ich drei Mal in der Notaufnahme. Die Dreijährige ist bei einer Akrobatiknummer vom Hochstuhl gesegelt, das Baby hatte Influenza und Schnappatmung, und nachdem sich beides wieder verzogen hatte, ein dickes Buch auf dem Kopf, das der Akrobatin aus der Hand gefallen ist, haarscharf an der Fontanelle vorbei.

Zwischendrin lag ein Tag, der als Kackastrophe in die noch jungen Familienannalen eingehen wird. Paarzeit bedeutet aktuell: abends Bügelperlen vom Boden aufzuklauben und darüber zu diskutieren, ob das nicht als Achtsamkeitsübung und Selbstfürsorge durchgehen könnte.

Da wir eine Zwei-Mütter-Familie sind, war der Weg zu dieser Idylle logistisch, rechtlich und finanziell das, was Christian Lindner dornige Chancen nennt. Ich finde Babys nicht grundsätzlich niedlich und das Konzept Erwachsenenhotel überzeugend. Ich arbeite gern, ohne auf die Uhr zu schielen. Und bin in einem Alter, wo die Knitterfalten nach schlaflosen Nächten gekommen sind, um zu bleiben.

Warum dieser Wahnsinn? Weil ich jemanden an der Seite habe, die sich sicher war, dass da noch mehr geht in diesem Leben und dass dieses Mehr Familie heißt. Und ein Bauchgefühl, das sagte: Das stimmt. Beide haben recht behalten. Ohne die Akrobatin und den Kackastrophen-König wäre alles nix. Das ist ganz schön beängstigend. Und beängstigend schön. Ich sehe gerade: Da liegt noch eine Perle, die das Baby nicht finden darf …

Politik-Redakteurin Ann-Christin Busch (34): „Ganz bewusst kinderlos“

Politik-Redakteurin Ann-Christin Busch (34)
Politik-Redakteurin Ann-Christin Busch (34).

„Wir bekommen ein Baby“, ein Satz, den ich seit Anfang 30 oft höre. Um mich herum bricht die Babymania aus. Jedes Kind war eine ganz bewusste Entscheidung – ich entscheide mich bewusst dagegen. Mitfreuen, Mützchen stricken und Babys knuddeln – mache ich alles gern. Selbst Mutter sein? Das ist nicht mein Weg.

Dafür muss ich mich nicht öffentlich rechtfertigen – hatte ich geglaubt. Manchmal kommen sie doch, die Kommentare: „Na, du überlegst es dir bestimmt noch anders.“ Was ich höre: Mein Gegenüber traut mir keine fundierte Entscheidung zu und geht davon aus, es müsse nur der „richtige“ Partner daherkommen oder die berühmte Torschlusspanik einsetzen. Na danke, die 1950er Jahre lassen grüßen.

Im Idealfall begleitet das Kind seine Eltern für den Rest ihres Lebens, da sollte man sich reiflich überlegen: Welche Kapazitäten habe ich? Wie kann und will ich mein Leben gestalten?

Wenn Kritiker sagen „Freiwillig kinderlos sein ist egoistisch“, dann frage ich: Was ist mit Eltern, die Kinder bekommen, weil es „dazugehört“, weil sie im Alter nicht allein sein wollen oder ihre gescheiterte Beziehung retten möchten? Ein Kind sucht sich jedenfalls nicht aus, ob es geboren werden will – das tun die Eltern.

Redakteurin Nicola Fuchs (37): „Eine Frage des Timings“

Redakteurin Nicola Fuchs (37):
Redakteurin Nicola Fuchs (37).

Kinder, ja, aber später. Ich bin doch noch so jung, dachte ich lange, noch so viel ist unklar. Studium, Ausland, Karrierewechsel, im neuen Job Fuß fassen. Und plötzlich: Schon 35, jetzt aber schnell, sonst hab ich die Chance verpasst. Fürs Kinderbekommen, so fühlt es sich an, gibt es in meinem Leben nur ein sehr kurzes Zeitfenster.

Den Moment selbst zu wählen, ist ja Freiheit. Aber so frei fühlt sich das alles gar nicht an. Denn alle reden mit: die Ausbildung, die befristeten Jobs, das Lebens-Timing des Mannes, die Reisen, die man noch machen, die Ziele, die man erreichen möchte. Und auch die Angst davor abzuspringen, in dieses neue unbekannte Leben. Die Vorstellung von mir mit Kind war zu abstrakt.

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So schob ich das Schwangerwerden Jahr für Jahr auf. Doch zugleich wuchs die Angst, dass ich eines morgens aufwache, und statt Freiheit ist da nur noch Verlust.

Dann wurden Freundinnen schwanger, ich wurde Tante. Meine Zweifel verschwanden. Ich merkte: Da ist noch etwas in mir, das ich geben kann.

Nun wird meine Tochter bald zwei. Das Einzige, das ich bereue: dass ich mich nicht schon früher getraut habe.