Kerosin-Krise: 16 Tipps für den Urlaub – das müssen Sie bei Ziel und Buchung beachten

Blick auf den Strand Playa de Palma auf der Mittelmeerinsel Mallorca im April 2026.
Sonne am Playa de Palma auf Mallorca, doch der Urlaub könnte teurer werden.

Seit Beginn des Iran-Kriegs schießen die Preise für Sprit und Kerosin in die Höhe. Wenn die Blockade der Straße von Hormus weiter anhält, könnte das Kerosin knapp werden. Welche Auswirkungen würde dies auf unseren Sommerurlaub haben? Die MOPO beantwortet die wichtigsten Fragen rund um Kostenexplosion, Reiseunsicherheit und Urlaubsalternativen – und gibt Tipps für das Verreisen in unruhigen Zeiten.

Macht teures Kerosin den Urlaub per Flugzeug unsicherer?

Seit Beginn des Iran-Kriegs haben sich die Kosten für Kerosin verdoppelt. Die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV) warnt daher vor möglichen Flugstreichungen und Preiserhöhungen. Vor allem bei Low-Budget-Airlines und für den Tourismus weniger interessanten Zielen seien Flugstreichungen möglich. Laut Flughafen Hamburg sind allerdings in Hamburg bislang keine Streichungen im Sommerflugplan geplant.

Müssen Urlauber mit dauerhaft erhöhten Flugpreisen rechnen?

Das kommt darauf an: Aufgrund der gestiegenen Kerosinpreise ist mittelfristig mit teureren Tickets zu rechnen. Eine schnelle Normalisierung erwartet die ADV nicht. Allerdings wird der Preis weiter von der Nachfrage bestimmt: Bewährte Urlaubsziele im westlichen Mittelmeerraum sind aktuell sehr gefragt – bei begrenzten Kapazitäten treibt das die Preise in die Höhe.

Bekomme ich mein Geld zurück, wenn mein Flug wegen hoher Kerosinkosten gestrichen wird?

Ja. Die EU-Fluggastrechte gelten auch dann, wenn Airlines Flüge wegen hoher Kerosinkosten streichen. Reisende haben dann Anspruch auf Erstattung, Umbuchung oder Rückbeförderung und, wenn nicht mindestens 14 Tage vorher über die Streichung informiert wurde, eine Pauschalentschädigung von 250 bis 600 Euro. Voraussetzung ist, dass der Start- oder Zielflughafen in der EU liegt oder die Airline ihren Sitz in der EU hat.

Und wenn das Kerosin knapp wird?

Wenn der Iran-Krieg weitergeht und Öltanker die Straße von Hormus nicht passieren können, könnte in Deutschland das Kerosin knapp werden, auch wenn die deutsche Politik derzeit kein Versorgungsproblem sieht.

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Sollte ein Flug tatsächlich wegen Treibstoffmangels nicht starten können, dann kann das als außergewöhnlicher Umstand gelten. Airlines müssten dann zwar weiterhin Erstattung oder Umbuchung anbieten, könnten aber von der zusätzlichen finanziellen Ausgleichszahlung befreit sein.

Können Reiseveranstalter meinen bereits gebuchten Urlaub wegen teuren Kerosins nachträglich verteuern?

Grundsätzlich können Veranstalter von Pauschalreisen eine nachträgliche Preisanpassung um bis zu 8 Prozent vornehmen, wenn das in den AGB vereinbart ist. Allerdings haben die großen Reiseveranstalter TUI, Alltours und Dertour Entwarnung gegeben: Sie werden bereits gebuchte Reisen nicht nachträglich teurer machen. Eine Preiserhöhung ist zudem nur bis 20 Tage vor der Abreise möglich. Anders ist es bei einzeln gebuchten Flügen: Die EU hat deutlich gemacht, dass eine nachträgliche Preiserhöhung nie rechtens sein kann.

Sind Pauschalreisen jetzt die bessere Option?

Zumindest dann, wenn man kein Risiko eingehen möchte: Der Deutsche Reiseverband (DRV) verweist auf das Pauschalreiserecht, wonach Reisende rechtlich und finanziell abgesichert sind. Die Reiseveranstalter haben demnach eine Fürsorgepflicht für ihre Gäste.

Welche Rolle spielen Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes?

Das Auswärtige Amt (AA) hat die höchste Warnstufe für die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar, Oman, Bahrain, Saudi-Arabien und Jordanien aufgehoben. Es rät allerdings weiterhin dringend von Reisen in die Region ab, da die Lage volatil bleibt. Das Umsteigen an den großen Golf-Drehkreuzen ist wieder möglich. Somit sind Reisen in Richtung Asien oder Australien wieder möglich.

Kann ich kostenlos stornieren, wenn ich mich trotz aufgehobener Reisewarnung unsicher fühle?

Grundsätzlich gilt: Angst vor Krieg ist kein Grund für eine Stornierung. Bei einem Reiseanbieter könnte man allerdings mit Verweis auf die Einschätzung des AA und Vorlage entsprechender Medienberichte auf Kulanz hoffen.

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Wer hingegen individuell Flüge in oder über diese Länder bucht, muss das Risiko selbst einschätzen und tragen. Das gilt auch für Hotelbuchungen, die man einzeln getätigt hat. Dann gilt nämlich die Regel: Wenn der Flug oder die Übernachtung angeboten werden können, muss man sie in Anspruch nehmen. Oder die Stornierungskosten selbst tragen.

Und wenn ich eine Reiserücktrittsversicherung habe?

Eine Reiserücktrittsversicherung hilft bei Krisen am Urlaubsort nur eingeschränkt, so die Verbraucherzentrale Hamburg. Sie übernimmt Stornokosten in der Regel nur bei persönlichen Gründen – etwa wenn Reisende selbst schwer erkranken, arbeitslos werden oder ein naher Angehöriger schwer erkrankt oder stirbt. Bei Krieg, Unruhen, Naturkatastrophen oder Angst vor der Reise springt sie normalerweise nicht ein.

Welche Reiseziele sind jetzt besonders beliebt?

In Krisenzeiten sind bekannte und sichere Ziele gefragt. Der Reiseanbieter TUI gibt an, dass sich 75 Prozent seiner Kunden für ein Reiseziel innerhalb Europas entscheiden. Besonders gefragt sind Spanien und Griechenland.

Gibt es trotz Krise noch Last-Minute-Schnäppchen?

Die klassischen Last-Minute-Schnäppchen gibt es schon seit gut acht Jahren nicht mehr, erklärt der DRV. Frühes Buchen sei daher immer die beste Möglichkeit, um Geld zu sparen. Das gilt vor allem für diejenigen, die an die Ferienzeiten gebunden sind. Denn Überkapazitäten gebe es kaum.

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Wer noch nichts gebucht hat und noch auf ein günstiges Angebot hofft, sollte eine All-inclusive-Reise in die Türkei oder nach Ägypten erwägen. Genau wie Bulgarien und Tunesien hätten diese Ziele ein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis, so die Reiseanbieter.

Sind die heimischen Küsten die beste Alternative zum Mittelmeer?

Die Nord- und Ostseeküste gehören zu den beliebtesten Urlaubsorten der Deutschen. Die erwartete Auslastung der Küstenregionen liegt ähnlich wie im Vorjahr bei rund 80 Prozent.

Das bedeutet: Ein Boom aufgrund von Krieg und Energiekrise ist ausgeblieben. Die Tourismusagenturen erklären, dass die Urlauber ihren Favoriten meistens treu bleiben. Wer das Mittelmeer bevorzugt, dem ist das Wetter an den deutschen Küsten zu unberechenbar.

Für Unentschlossene auf Schnäppchensuche gilt: Die heimische Ostseeküste ist im Schnitt etwas günstiger als die Nordseeküste. Und Unterkünfte im Binnenland sind günstiger als direkt an der Küste. Vor allem für junge Familien könnten außerdem Jugendherbergen eine preiswerte Alternative zu Hotels und Ferienwohnungen sein.

Gibt es jetzt besondere Schnäppchen bei der Bahn?

Ja, die Bahn hat mit einem Familienticket auf die hohen Kerosinpreise reagiert. Für die Sommerferienzeit gibt es ein Familienticket für 99,99 Euro, mit dem fünf Personen innerhalb Deutschlands mit Fernverkehrszügen hin- und zurückreisen können. Und zwar unabhängig von der Streckenlänge und inklusive Sitzplatzreservierung. Das Ticket soll ab Mitte Juni buchbar sein und für Reisen bis Mitte September gelten. Das Ticket gilt nur innerhalb Deutschlands und wenn mindestens ein Kind mitreist.

Ist Camping eine preiswerte Alternative?

Auf jeden Fall! Nach einer Auswertung von Pincamp, dem Camping-Portal des ADAC, zahlt eine Familie mit zwei Erwachsenen und einem Kind in Deutschland im Schnitt 41 Euro pro Nacht. Somit gehört Deutschland zu den günstigsten Campingländern Europas. Günstiger sind nur Norwegen (38 Euro) und Schweden (40 Euro).

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Trotzdem heißt es auch bei den Campingplätzen: Platz so schnell wie möglich buchen, denn Campen wird immer beliebter.

Butter bei die Fische: Welche Auswirkung haben Krisen auf die Reiselust der Deutschen?

Tourismus ist eine resiliente Branche. Der DRV erklärt, dass geopolitische Konflikte den Tourismus zwar kurzfristig abbremsen können, langfristig würde sich aber nichts an der Reiselust der Deutschen ändern.

Das bestätigen auch mehrere Reiseanbieter. Das zeige sich unter anderem auch daran, dass kaum Reisen storniert werden. Wenn, dann würden Urlauber ihre Reise umbuchen, statt ganz auf sie zu verzichten.

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Nur die Corona-Pandemie hat einen bleibenden Einschnitt in der Branche hinterlassen. Denn obwohl die Zahlen seit Jahren steigen – das Vor-Corona-Niveau wurde noch nicht wieder erreicht.

Und was ist nun der Geheimtipp für Spätbucher?

Wer fliegen will, sollte sich Unterstützung in einem Reisebüro suchen, so der DRV. Wer auf das Flugzeug verzichten möchte, sollte nach Spar-Tarifen bei der Bahn und anderen Anbietern suchen. Und ein Hamburger Reisebüro verrät: Der Blick auf die Nachbarländer lohne sich. So seien zum Beispiel Polen und Tschechien interessante Ausweichmöglichkeiten.