Bus im Schneegestöber

Viele Buslinien fahren derzeit in Hamburg gar nicht oder unregelmäßig Foto: picture alliance / Wolfgang Maria Weber

Kein guter Tag für Pendler: U-Bahn kommt nicht, Busse und S-Bahn rappelvoll

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Schnee und Eis den dritten Tag in Folge und nun stehen auch noch die U-Bahnen still und 35 Buslinien fallen aus: Pendler müssen am Mittwochmorgen ein paar Mal gut durchatmen. Was sie in Hamburg erwartet und wie Schüler trotz Streik zur Schule kommen sollen.

Im Hamburger Berufs- und Schülerverkehr wird es am Mittwoch eng. Wegen eines Warnstreiks bei der Hochbahn fahren voraussichtlich den ganzen Tag lang keine U-Bahnen. Unter anderem Anzeigetafeln in U-Bahnhöfen informierten am frühen Morgen Fahrgäste über die ausfallenden Bahnen. Ebenfalls betroffen seien die Hochbahn-Buslinien südlich der Elbe, teilte Verdi mit. Beginnen sollte der Ausstand um 3 Uhr nachts. Bereits Anfang des Monats standen in der Hansestadt alle U-Bahnen einen Tag lang still.

Doch auch der Umstieg aufs Auto ist nicht ganz einfach: Seit 3 Uhr nachts ist im Gegensatz zu den Bahn- und Busfahrern nämlich der Winterdienst der Stadtreinigung unterwegs – und zwar im Volleinsatz. Es hat erneut geschneit. 728 Einsatzkräfte mit mehr als 360 Fahrzeugen räumen und streuen wichtige Hauptstraßen, Busstrecken und ausgewählte Radwege. Die Stadtreinigung bittet die Verkehrsteilnehmer trotzdem um Vorsicht und Rücksichtnahme. Für die Gehwege sind wie immer Eigentümer der anliegenden Grundstücke verantwortlich.

Nach Angaben der Verkehrsleitzentrale hatten sich die widrigen Umstände am frühen Mittwochmorgen allerdings noch nicht auf den Verkehr ausgewirkt: Es sei zwar voll auf Hamburgs Straßen, die Lage sei aber so wie sonst auch zur Rushhour üblich.

Busse und S-Bahnen überfüllt

Anders ist die Situation aber bei den Bussen – denn die sind, wenn sie denn fahren, teilweise rappelvoll. Ein Fahrgast berichtet der MOPO etwa, dass bei der Linie 292 Richtung Airport Fahrgäste an mehreren Stationen nicht zusteigen konnten, weil der Bus so voll war. Am U-Bahnhof Langenhorn Markt musste etwa die Hälfte der rund 30 Wartenden zurückbleiben. Passagiere standen bis dicht an die Tür gedrängt.

Nach Angaben der Hochbahn fahren am Mittwoch 35 Buslinien gar nicht, bei weiteren drei sei ein eingeschränkter Betrieb geplant. Auch werde geprüft, ob am Streiktag die Aufnahme eines stark eingeschränkten Grundangebots bei Bussen und den U-Bahn-Linien 1, 2, 3, und 4 ermöglicht werden könne.

Die Hochbahn appellierte an Fahrgäste, möglichst auf S-Bahnen ausweichen, da diese – ebenso wie die Hadag-Fähren – nicht vom Streik betroffen seien. Allerdings waren auch die S-Bahnen am Morgen voll: In die S1 in Richtung Wedel passten gegen 9 Uhr nicht mehr alle rein – etwa an der Station Hasselbrook blieben Wartende zurück, berichtet ein Fahrgast der MOPO. Erst an den Knotenpunkten Berliner Tor und Hauptbahnhof leerte sich die Bahn weit genug, dass auch wieder neue Fahrgäste zusteigen konnten.

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Hamburgs rund 270.000 Schülerinnen und Schüler müssen trotz des Warnstreiks zur Schule. „Auch diesmal bleibt die Präsenzpflicht bestehen”, sagte eine Sprecherin der Schulbehörde der Deutschen Presse-Agentur. Wie immer gelte, „dass Eltern ihr Kind vom Schulbesuch dann abmelden können, wenn der Schulweg ihres Kindes objektiv unzumutbar oder die Schule de facto nicht erreichbar ist”. Für Schülerinnen und Schüler der Sonderschulen habe die Bildungsbehörde ein eigenständiges Schulbussystem.

Deutlich kürzere Vorwarnzeit als beim ersten Warnstreik

Anders als beim ersten 24-stündigen Warnstreik Anfang des Monats ist die Vorwarnzeit für vom Streik betroffene Menschen diesmal deutlich kürzer ausgefallen. Statt ein ganzes Wochenende ließ die Gewerkschaft Verdi von der Ankündigung bis zum Warnstreik nur gut 15 Stunden verstreichen.

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Neben den U-Bahnen und den Hochbahn-Bussen seien auch die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) betroffen. Bestreikt werden sollen die Betriebshöfe Bergedorf, Rahlstedt, Glinde, Billbrook, Geesthacht und Lauenburg. Fahrgäste müssen sich deshalb auf Einschränkungen vor allem im Hamburger Osten sowie in den Kreisen Lauenburg und Stormarn einstellen.

Verdi fordert 7,5 Prozent mehr Lohn

Verdi fordert in den Tarifverhandlungen bei der Hochbahn unter anderem 7,5 Prozent mehr Lohn mit einer sozialen Komponente für die unteren Entgeltgruppen sowie einen 200-Euro-Mietkostenzuschuss für Auszubildende. Bei den VHH-Beschäftigten geht es um einen neuen Manteltarifvertrag.

Bereits am Dienstag hatte ein neuerlicher Warnstreik im Hamburger Nahverkehr Fahrgästen viel Geduld abverlangt. So fuhren zahlreiche Hochbahn-Busse nicht oder nur eingeschränkt, wie die Hochbahn mitteilte. Für die wichtigsten Linien – etwa die 4 und die 5 – sei ein Notbetrieb im 15- bis 30-Minuten-Takt eingerichtet worden. (dpa/mp)

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