Keine Notaufnahme, kein OP-Betrieb: Ärger um Pläne für Hamburger Krankenhaus

Das Krankenhaus Groß-Sand in Hamburg-Wilhelmsburg (Archivbild).
Das Krankenhaus Groß-Sand in Wilhelmsburg (Archivbild).

Auf der Elbinsel ist das Krankenhaus Groß-Sand die einzige Anlaufstelle für Notfälle, doch die zentrale Notaufnahme und der OP-Betrieb werden im Juli eingestellt. Der Grund: Der Träger – das katholische Erzbistum Hamburg – verkauft das Grundstück und die Gebäude an die Stadt Hamburg. Die hat eigene Pläne, doch die gefallen nicht allen.

Etwa 60.000 Menschen leben in Wilhelmsburg. Nachdem das Erzbistum seine Pläne bekanntgegeben hat, formiert sich Widerstand gegen das Aus und gegen das, was nun folgen soll. Innerhalb weniger Tage hat die Petition „Gegen die Schließung des Wilhelmsburger Krankenhauses ab Juli“ auf der Plattform Change.org mehr als 5000 Stimmen gesammelt (Stand: 5. Juni, 16 Uhr).

Die Stadt Hamburg will aus Groß-Sand eine „Stadtteilklinik“ machen, ohne Notaufnahme und ohne Chirurgie – und damit haben viele Menschen ein Problem. Eine Unterzeichnerin der Petition schreibt: „Ich bin gestern zu meiner Hausarztpraxis gefahren worden, weil ich vor Schmerzen nicht laufen konnte. Beide Ärzte waren krank und die Sprechstundenhilfe verwies mich auf das nächste Krankenhaus. Im Groß-Sand-Krankenhaus wurde mir sofort geholfen. Ohne unser Krankenhaus auf der Insel hätte ich zum nächsten Krankenhaus weit fahren müssen …“

Überlastungen in Hamburger Notaufnahmen: Was passiert, wenn Groß-Sand wegfällt?

Und genau das ist ein großer Kritikpunkt an den Plänen des Senats. Um von der Elbinsel zu anderen Krankenhäusern Hamburgs zu kommen, müssen zwangsläufig die Elbbrücken befahren werden. Doch diese sind immer wieder wegen Sanierungsarbeiten und Sicherheitsprüfungen gesperrt. Hartmut Sauer (75) beobachtet die Entwicklungen der Krankenhäuser in Hamburgs Süden seit Jahren. Sauer war 20 Jahre lang Stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender im Krankenhaus Bergedorf und ist Mitglied des Vereins „Zukunft Elbinsel Wilhelmsburg“. Er sagt: „Es gibt bereits eine medizinische Unterversorgung im gesamten Hamburger Süden. Hinzu kommt, dass die Elbbrücken oft dicht sind. Da kommt auch kein Krankenwagen mehr rüber.“

Hartmut Sauer
Hartmut Sauer (75) hat die Entwicklung des Krankenhauses Groß-Sand über Jahre hinweg beobachtet und begleitet.

Auf Nachfrage der MOPO sagt die Sozialbehörde, dass die umliegenden Krankenhäuser die Notfälle aus Groß-Sand gut abfangen könnten und verweist auf das Asklepios Harburg. Fahrtweg? „Nur elf Kilometer entfernt“, so eine Sprecherin der Behörde. Neben Groß-Sand gibt es in Hamburgs Süden noch zwei Krankenhäuser in Harburg. Eines davon ist die Asklepios-Klinik. Bereits 2022 warnte der Asklepios-Konzern generell vor einer Überlastung der Notaufnahmen. Ab Juli fällt die Entlastung durch die Notaufnahme im Groß-Sand weg.

Hartmut Sauer macht sich für den Erhalt des Krankenhauses stark, er ist auf Demonstrationen gegangen und hat an Verhandlungen mit dem Bistum und potenziellen neuen Trägern teilgenommen. Er sagt: „Das Erzbistum hat Verhandlungen mit gemeinnützigen Krankenhausträgern aus Hamburg gegen die Wand gefahren. Seit 15 Jahren sind keine vernünftigen Investitionen in das Krankenhaus gemacht worden. Das Haus wurde über zwei Jahrzehnte runtergewirtschaftet.“

Sauer: „Erzbistum hat Verhandlungen gegen die Wand gefahren“

Weiter erzählt der 75-Jährige, dass über die Jahre qualifizierte Ärzte und Pflegekräfte abgesprungen seien. Dass die Stadt Hamburg das Gelände dem Erzbistum abkaufen will, findet er gut. Jedoch kritisiert Sauer: „Bei dem Konzept der Stadt sehen wir aber, dass am Ende eine Art Leichtkrankenhaus entstehen wird, aber keine Klinik, die den Einwohnerzahlen in Wilhelmsburg gerecht werden kann.“

Die Sozialbehörde betont immer wieder, dass es das Ziel sei, die Versorgung im Stadtteil sicherzustellen. In der Petition wird dieses Ziel als „glatte und unverschämte Blendung der Stadt gegenüber der Bevölkerung“ bezeichnet. Weiter heißt es: „Ein Krankenhaus ohne Notaufnahme und ohne chirurgische Abteilung ist KEIN Krankenhaus mehr und somit besteht auch keine umfassende Gesundheitsversorgung im Stadtteil.“

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Sauer wünscht sich, dass man einen kompetenten Krankenhausträger nach Wilhelmsburg holt. Vom Erzbistum hat er genug.

Die Klinik an der Straße Groß-Sand wurde 1950 eingeweiht. Die Schließung der Chirurgie und der Notaufnahme ist nur der Anfang vom Ende. In einem Jahr soll ganz Schluss sein, dann werden die beiden wichtigsten Abteilungen verlegt: die Neurologische Früh-Reha und die Geriatrie ziehen in das katholische Marienkrankenhaus in Hohenfelde.

Auf der Elbinsel ist das Krankenhaus Groß-Sand die einzige Anlaufstelle für Notfälle, doch die zentrale Notaufnahme und der OP-Betrieb werden im Juli eingestellt. Der Grund: Der Träger – das katholische Erzbistum Hamburg – verkauft das Grundstück und die Gebäude an die Stadt Hamburg. Die hat eigene Pläne, doch die gefallen nicht allen.