Keine einzige Fähre – seit Monaten: Das Aus für Traditionslinie der Hadag?
Auf einer traditionsreichen Linie tief in Hamburgs Westen fuhr im Juli und August keine einzige Fähre. Der Betrieb wurde überraschend vollständig eingestellt – und schon vorher fuhren weit weniger Fähren, als im Fahrplan stehen. Die Gründe dafür erfährt man erst, als eine CDU-Abgeordnete eine Anfrage an den Senat stellt.
Lässt die Hadag die Verbindung von Cranz über Neuenfelde nach Blankenese absichtlich ausbluten? Diese Vermutung hat die CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Anke Frieling. Sie stellte eine Anfrage an den Senat und bekam überraschende Antworten. Offenbar gibt es bei der HADAG massive Personalnot.
Hadag lässt viele Fährverbindungen ausfallen
Und die wirkt sich besonders auf diese Verbindung aus. Denn: „Im Hinblick auf die derzeitige Personallage der Hadag lag ab Frühjahr der Schwerpunkt auf der Bedienung der stark frequentierten Linien, um insbesondere den Berufsverkehr zu stabilisieren“, heißt es in der Stellungnahme des Senats. Bei einem Personalengpass konnten durch die Streichung der Linie Kapazitäten von bis zu vier Schiffsführer:innen am Tag frei werden, die dann auf anderen, für Berufspendler relevanten Linien genutzt würden.
Tatsächlich fiel im ersten Halbjahr bereits die Mehrzahl der Verbindungen auf der Strecke Cranz-Blankenese aus. Im Mai etwa 70 Prozent, im Juni sogar 85 Prozent. Und im Juli und August beschloss die Hadag dann, die Verbindung ganz zu streichen. So geht es aus der Anfrage von Frieling hervor.
Neben der seit Jahren stark gesunkenen Frequenz von Passagieren gibt es noch weitere Faktoren, die den Betrieb der Verbindung für die Zukunft fraglich machen. Zum einen gibt es nur noch ein einziges Schiff („Altona“), das die technischen Voraussetzungen hat, um die speziellen Anleger in Neuenfelde und Cranz anzufahren.
Zu wenig Wasser für regelmäßigen Fährverkehr
Und zudem reicht die Wassertiefe oftmals gar nicht für den Fährverkehr aus. Die Este sei stark verschlickt und werde nicht oft genug ausgebaggert. Besonders bei Niedrigwasser sei die Fahrrinne laut Antwort des Senats unpassierbar. So konnten aufgrund der genannten Rahmenbedingungen im Jahr 2023 nur circa 35 Prozent der geplanten Fahrten nach Cranz und Neuenfelde ausgeführt werden, 65 Prozent der geplanten Fahrten mussten die Ausweichroute von Blankenese nach Finkenwerder nehmen.
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Anke Frieling will das Aus der Verbindung nicht einfach hinnehmen, selbst wenn es neue Busverbindungen geben sollte. Sie fordert die Fortführung der Linie und weist auf die historische Bedeutung hin. „Die Route Blankenese – Cranz – Buxtehude war im Mittelalter die Hauptquerung über die Elbe von Dänemark über Schleswig-Holstein bis in die Niederlande.“ Ein regelmäßiger Fährverkehr bestehe seit 1853. Seit rund 60 Jahren betreibt die Hadag die HBEL-Linie.