„Kein Eigentümer ausgewiesen“: Schräge Posse um den Walrossbrunnen

Walross-Brunnen
Der Walrossbrunnen sprudelt schon seit Jahren nicht mehr.

Ein dickes Walross und ein kleines Kind schauen sich an, das Kind spuckt Wasser – das Walross spuckt zurück. So sprudelte der Brunnen, der Hamburgs legendäres Walross „Antje“ ehren soll, vor dem Alstertaler Einkaufszentrum (AEZ) in Poppenbüttel. Doch seit einigen Jahren ist Schluss mit dem fröhlichen Wasserspiel – denn niemand fühlt sich zuständig.

Wer vom Poppenbütteler Busbahnhof aus ins AEZ geht oder zum neuen Kundenzentrum des Bezirksamts Wandsbek möchte, kommt am Walrossbrunnen vorbei. Im Zuge des Neubaus wurde auch der Platz um den Brunnen frisch gepflastert und mit neuen Bänken versehen. Nur für den mehr als 30 Jahre alten Brunnen will offenbar niemand mehr zuständig sein. Deshalb sitzen Antje und das Kind seit längerem auf dem Trockenen – im Brunnen gibt es kein Wasser mehr.

Walrossbrunnen am AEZ: Wer ist zuständig?

„Bei dem Antje-Brunnen ist kein Eigentümer ausgewiesen“, heißt es vom Bezirksamt Wandsbek auf Anfrage der CDU-Bezirksfraktion. Bisher habe sich die Hamburger ECE-Gruppe, die auch das Einkaufszentrum unterhält, um den Brunnen und den Betrieb gekümmert. „Der Antje-Brunnen liegt in der Instandhaltung und Unterhaltung der ECE, daher ist ECE verantwortlich für die Funktionstüchtigkeit des Brunnens“, schreibt der Bezirk.

Die ECE sieht das auf MOPO-Anfrage ganz anders: „Der Brunnen wird bereits seit einigen Jahren nicht mehr betrieben, da sich unter anderem die städtebauliche Situation und die Eigentumsverhältnisse um den Brunnen erheblich verändert haben“, schreibt eine Sprecherin. „Eine erneute Inbetriebnahme kann durch uns nicht erfolgen, da sich der Brunnen auf öffentlichem Grund befindet und die Schalttechnik auf einem fremden Privatgrundstück liegt.“

AEZ
Der Eingang zum AEZ hinter dem Walrossbrunnen – Center-Betreiber ECE fühlt sich aktuell nicht mehr für den Brunnen zuständig.

Ein fremdes Privatgrundstück? Die Spurensuche geht weiter. Aus der Antwort des Bezirks geht hervor, dass sich der Schaltkasten auf dem Grundstück befinden soll, auf dem das neue Kundenzentrum steht. Wer den Schlüssel dafür hat? „Darüber liegen dem Bezirksamt keine Kenntnisse vor“, heißt es. Ebenso unklar ist dem Bezirk, wo überhaupt die Wasserleitungen verlaufen.

Alstertaler „Antje“ spuckt kein Wasser mehr

Wir recherchieren weiter: Errichtet wurde das neue Kundenzentrum vom Bauunternehmen Otto Wulff. Also schickt die MOPO auch dort eine Anfrage hin, doch der eigentliche Eigentümer des Baugrundstücks ist eine andere Firma. Diese habe sich „umfangreich sowohl finanziell als auch organisatorisch an der Neugestaltung des Antje-Brunnen-Platzes auf öffentlichem Grund beteiligt“, schreibt ein Sprecher von Otto Wulff. Vom genannten Unternehmen kommt bis Redaktionsschluss jedoch keine Rückmeldung.

Damit dieses Spiel bald ein Ende hat, hat sich nun auch die politische Opposition im Alstertal eingeschaltet. CDU-Politiker Wolfgang Kühl fordert vom Bezirksamt Wandsbek, endlich Verhandlungen mit ECE und dem Grundstückseigentümer der Brunnentechnik aufzunehmen. „Wir als CDU werden in der nächsten Sitzung des Regionalauschusses Alstertal einen entsprechenden Antrag stellen“, sagt er der MOPO.

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Aufgestellt wurde die Antje-Skulptur übrigens 1991, gestaltet von Bildhauer Frijo Müller-Belecke im Auftrag der ECE. Anlass war die Erweiterung des Alstertaler-Einkaufszentrums. Entstanden ist die Bronze in Anlehnung an das berühmte Walross „Antje“, das 1976 bis 2003 in Hagenbecks Tierpark lebte und auch zum Wahrzeichen des NDR wurde.

Ein dickes Walross und ein kleines Kind schauen sich an, das Kind spuckt Wasser – das Walross spuckt zurück. So sprudelte der Brunnen, der Hamburgs legendäres Walross „Antje“ ehren soll, vor dem Alstertaler Einkaufszentrum (AEZ) in Poppenbüttel. Doch seit einigen Jahren ist Schluss mit dem fröhlichen Wasserspiel – denn niemand fühlt sich zuständig.