Christina Block und Anwalt Ingo Bott (r) verlassen das Strafjustizgebäude nach dem Prozess.

Christina Block und Anwalt Ingo Bott (r) verlassen das Strafjustizgebäude nach dem Prozess. Foto: picture alliance/dpa | Marcus Brandt

„Katastrophe“ und „brandgefährlich“: Neue Kritik an Blocks Verteidigungsstrategie

Im Aufsehen erregenden Prozess um die Entführung der Block-Kinder stand immer wieder ein Mann im Rampenlicht: Christina Blocks Anwalt Ingo Bott. Auffällig war er nicht nur durch seine Weste mit Pin-up-Girls im Stil der 50er Jahre und seine gute Laune, sondern vor allem durch seine energische Verteidigungsstrategie. Bott betonte immer wieder: Seine Mandantin sei unschuldig und habe von der Entführung nichts geahnt. Unter Juristen stieß diese Strategie bereits auf Kritik. Nun schließt sich auch der Verteidiger des mitangeklagten Israelis dieser Einschätzung an.

Dabei handelt es sich um Sascha Böttner, der den angeklagten Israeli Tal S. (36) im Block-Prozess vertritt. S. wird vorgeworfen, Teil des Entführungskommandos gewesen zu sein, das die zwei jüngsten Kinder von Christina Block in der Silvesternacht 2023/2024 kidnappte. Der 36-Jährige war bereits geständig. Ihm sei es allerdings so präsentiert worden, als tue er etwas Gutes, als würde er die Kinder aus den Händen eines kriminellen Vaters befreien, sagte er aus.

Block-Prozess: Kritik an Ingo Botts Verteidigungsstrategie

Sein Anwalt Sascha Böttner kritisiert jetzt den Kollegen Ingo Bott gegenüber dem NDR scharf. Wenn die Verteidigungsstrategie nicht geändert werde, könne der Prozess für Christina Block in einer „Katastrophe“ enden, so der Anwalt. Bott hatte immer wieder wiederholt, dass seine Mandantin unschuldig sei, dass sie zwar sehr stark unter der Trennung der Kinder gelitten hatte – „wie jede Löwenmutter“ –, aber von der Entführung überhaupt nichts gewusst habe. Er will für Christina Block einen Freispruch erreichen.

Sascha Böttner ist der Verteidiger des angeklagten Israeli Tal S. picture alliance/dpa/Georg Wendt
Sascha Böttner ist der Verteidiger des angeklagten Israeli Tal S.
Sascha Böttner ist der Verteidiger des angeklagten Israeli Tal S.

Auf einen Freispruch zu setzen, sei „brandgefährlich“, kritisiert Böttner jetzt. Nach seiner Meinung reichten bereits die bisher erhobenen Indizien für eine Verurteilung aus. Nennenswerte Entlastungszeugen seien nicht in Sicht. Ingo Bott äußerte sich auf Anfrage des NDR nicht inhaltlich und ließ seine Anwälte auf eine möglicherweise rechtlich unzulässige Berichterstattung hinweisen.



Dabei ist Böttner nicht alleine mit seiner Meinung: Die MOPO sprach zuletzt mit anderen Hamburger Juristen, von „Fiasko“ und „Desaster“ war da die Rede. „Erst wird die verstorbene Mutter beschuldigt, dann wird handstreichartig eine neue Geschichte aus dem Hut gezaubert“, so ein Gesprächspartner: „Das ist doch Quatsch, das glaubt doch kein Mensch.“

Block-Prozess: David Barkay sagte bei Staatsanwaltschaft aus

Ein großes Beben hatte es zuletzt im Prozess gegeben, als bekannt wurde, dass David Barkay (68) gegenüber der Hamburger Staatsanwaltschaft ausgepackt hatte. Der Chef-Stratege hinter der Entführung der Block-Kinder soll geschildert haben, wie die Verschleppung geplant wurde, wer aus dem Block-Umfeld welche Rolle gespielt haben und welche entscheidende Bitte Christina Block an die Entführer gerichtet haben soll.

Am 10. Dezember soll der Prozess weitergehen, der nach dem Bekanntwerden von Barkays Aussage einige Wochen unterbrochen wurde. An dem Tag könnte Barkay offiziell aussagen, das Gericht bestätigte das bislang allerdings noch nicht.

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