Karim H. soll 82-Jährige vergewaltigt haben – jetzt spricht ein weiteres Opfer
Der angeklagt Karim H. (Name geändert) soll eine 82-Jährige binnen einer Woche zwei Mal vergewaltigt haben. Außerdem werden ihm fünf weitere Taten vorgeworfen – darunter Körperverletzung. Am Freitag ging es vor dem Hamburger Landgericht um einen Fall vom 5. Januar 2023: Der 36-Jährige soll Jennifer W. (39) völlig unvermittelt geschubst und zu Boden geschlagen haben. Dann habe Karim H. nochmal nachgetreten. Eines wird während der Verhandlung klar: Der Angeklagte scheint ein generelles Problem mit Frauen zu haben – und ein unberechenbares Temperament. Inzwischen liegt auch ein psychologisches Gutachten vor, das den Verlauf des gesamten Prozesses verändern könnte.
Jennifer W. wollte sich eigentlich nur über die Öffnungszeiten eines Cafés in der Straße Am Goojenboom (Horn) informieren. Sie studierte die Angaben auf der gläsernen Eingangstür, als sie plötzlich heftig von hinten geschubst wurde. Die Frau konnte sich gerade noch mit den Händen abstützen. „Auf einer Skala von eins bis zehn war der Schubser von der Stärke her schon so eine acht oder neun“, erzählt die 39-Jährige am Freitag vor Gericht.
Opfer vor Gericht: „Ich dachte nur: Krass, der schlägt mich wirklich!“
Der Angeklagte, der die Anschuldigungen bislang mit eiserner Mine, gesenktem Blick und gefalteten Händen hinnahm, atmet daraufhin hörbar aus. Er schmunzelt, schüttelt leicht den Kopf und wirft seinem Verteidiger einen kurzen Blick zu. Es ist das erste und einzige Mal, dass er während des Prozesses irgendeine Regung zeigt. Aber nur für einen Moment. Dann fasst er sich und starrt wieder ausdruckslos durch den Saal.
Das Opfer erzählt weiter: „Ich dachte erst, das wäre ein Teenager, der Blödsinn macht.“ Als sie sich umdrehte, rief sie ihm zu: „Ey, Spacko“. Daraufhin soll er auf Jennifer W. zugelaufen sein und sie erneut angegriffen haben. Der erste Schlag traf sie am rechten Auge. Nach dem zweiten sei sie zu Boden gegangen. Als sie unter ihm lag, habe er noch dreimal zugeschlagen und einmal zugetreten, doch ihr Rucksack schützte sie. „Ich dachte nur: Krass, der schlägt mich! Ich muss um Hilfe rufen“, erzählt sie.
Zwei Gäste hörten ihre Schreie, eilten heraus und verfolgten den Angreifer. Jennifer W. wurde im Café erstversorgt, bis der Krankenwagen eintraf. Sie erlitt bei dem Angriff ein blaues Auge sowie weitere Blutergüsse, eine Gehirnerschütterung und einen abgebrochenen Zahn. Darüber hinaus klagte sie über Schmerzen an den Armen. Das Opfer leidet an der Erkrankung Fibromyalgie, was zu stärkeren Muskelschmerzen führen kann.
Karim H. wollte nur bei männlichem Polizisten mitfahren
Beim Gerichtstermin am Freitag sagte auch der Polizeibeamte Hannes W. (31) aus, der an dem Januartag im Dienst war. Als er am Tatort eintraf, war Karim H. bereits in Handschellen.
Der Angeklagte sei aufgebracht gewesen, vor allem den Polizistinnen gegenüber. Er meinte unter anderem, er wolle unbedingt bei einem männlichen Beamten im Streifenwagen mitfahren. „Ich hab versucht zu deeskalieren“, sagt Hannes W.. „Er hat sich mir gegenüber ganz anders verhalten als bei meinen Kolleginnen.“
Das könnte Sie auch interessieren: „Dumm, faul, doof“: Entlassener UKE-Chefarzt vor Gericht – da geht’s heftig zur Sache
Karim H. lässt die Vorwürfe gewohnt regungslos über sich ergehen. Gegen 12 Uhr blickt er kurz zur Uhr, als würde ihm das alles nicht schnell genug gehen. Tatsächlich könnte das gesamte Verfahren verkürzt werden. Es wurde ein psychologisches Gutachten erstellt, das am Freitag nicht verlesen wurde.
Die Vorsitzende Richterin gab infolge des Gutachtens allerdings zu bedenken, ob die 82-jährige Geschädigte im März wirklich volle drei Tage lang befragt werden müsse. Karim H. soll die Seniorin im Juli 2024 zwei Mal vergewaltigt haben.