Kahlschlag für neues Gewerbegebiet: Schrebergarten-Rebell bremst Bagger aus

Schrebergartenlaube Bergedorf
Die Laube des Schrebergarten-Rebellen: Zum Schutz vor den umherfahrenden Baggern ist sie mit Absperrungen umzäunt worden.

Eine wüste Brachfläche mit aufgerissenem Boden und gewaltigen Haufen alter Baumwurzeln. Der Boden erinnert an einen Truppenübungsplatz. Mittendrin: ein windschiefes Häuschen – der letzte Überrest einer einstigen Gartenkolonie. Ein Schrebergarten-Rebell weigert sich, seine Parzelle für das geplante Gewerbegebiet zu räumen. Bringt er den Zeitplan zum Platzen?

Die Fläche des zukünftigen Innovationsparks Bergedorf ist riesig. Zu sehen ist sie am besten aus dem Auto auf der Autobahn 25 zwischen den Abfahrten Bergedorf und Curslack. An der Abfahrt Bergedorf sind seit Wochen nur noch die letzten Ruinen der mehr als 90 Schrebergarten-Häuschen zu erkennen, wo einmal hochmoderne Maschinen gebaut werden. Im hinteren Bereich des Geländes stehen Bagger und Ramm-Maschinen. Von Gärten und Bäumen ist nichts geblieben – fast nichts. Außer einem letzten Schrebergarten inmitten der Wüstenei.

Und genau dieser Schrebergarten macht den Baufirmen das Leben schwer, denn sie können nicht so richtig weiterarbeiten im vorderen Bereich des Gewerbegebietes. Damit die Laube von den großen Maschinen nicht versehentlich einfach umgefahren wird, wurde rund um die Parzelle ein rot-weißer Schrankenzaun gezogen.

Widerstand gegen die Räumung: Einzelne verbliebene Parzelle auf dem geräumten Areal der Kleingartenkolonie am Curslacker Neuer Deich für den Körber-Neaubau in Bergedorf, Hamburg, Deutschland
Blick vom Curslacker Neuer Deich auf die letzte Laube im Kleingarten. Hier entsteht demnächst der Innovationspark.

Die MOPO wollte wissen, was den Schrebergarten-Rebellen antreibt, doch vor Ort trafen wir ihn nicht an. Die Fenster der Laube sind vernagelt, vor der Tür ein dickes Vorhängeschloss und im Garten jede Menge Müll, verrostete Sägen, flatterndes Toilettenpapier. Dass hier überhaupt in den letzten Jahren jemand einen Schrebergarten bewirtschaftet hat, davon ist wenig zu sehen. Aber zwei wie zum Trotz gegen die Bauarbeiten frisch mit Stiefmütterchen bepflanzte Schalen im Eingang beweisen: es ist durchaus regelmäßig jemand da.

Körber-Neubau Bergedorf: Schrebergärten abgerissen

Als die MOPO einige Bauarbeiter vor Ort fragt, heißt es nur schulterzuckend: „Wir wüssten auch gern, wo der steckt und wann er mal wieder hier ist.“ Der Mann komme nur unregelmäßig vorbei. Damit er überhaupt durch das weiträumig abgesperrte Gelände und über den völlig zerfahrenen und aufgerissenen Boden zu seiner Laube gelangen kann, hat er sich einen Trampelpfad geschaffen, teils mit alten Holzbrettern, wo es zu uneben wird.

Man merkt ihnen an, sie würden dem Ganzen gern ein schnelles Ende setzen. Und das hofft auch die zuständige Hamburg Invest. Dort heißt es, man habe die Parzellen des Vereins „Bergedorfer Schrebergartenverein“ alle fristgerecht und mit Vorlaufzeit gekündigt. „Die Flächenübergabe war für den 2. Dezember vereinbart“, so Hamburg-Invest-Sprecherin Ingrid Meyer-Bosse. An der Rothenhauschaussee habe die Stadt schon Ersatzflächen zur Verfügung gestellt, weitere seien in Planung.

Hamburg Invest: Vor Gericht Einigung erzielt

Da dieser eine Kleingärtner aber nicht freiwillig abzog, habe man rechtliche Schritte ergreifen müssen. Offenbar mit Erfolg. Meyer-Bosse: „Bei einem Gerichtstermin wurde eine Einigung mit dem Pächter für eine zeitnahe Rückgabe der Parzelle erzielt.“ Bei Hamburg Invest ist man daher sicher, dass der Zeitplan für die Erschließung des Innovationsparks Bergedorf bis 2028 nicht gefährdet ist.

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Nun bleibt allerdings abzuwarten, ob der Mann sich an die Vereinbarung vor Gericht hält und seine Bleibe räumt. Bisher sieht es nämlich nicht so aus. Vor Ort ruht still der See und die Bauarbeiter warten vergebens. Aber notfalls würde es vermutlich nach einer gewissen Frist vom Gericht eine Erlaubnis geben, das Häuschen einfach abzureißen.

Für mehr als 200 Millionen Euro baut Körber Technologies (Ex-Hauni) eine hochdigitalisierte Fabrik plus Büros für seine mehr als 2000 Mitarbeiter. Aber dafür muss erst einmal bergeweise Sand geliefert und dann Pfähle in den Marschboden gerammt werden.

Ab 2027 soll auf dem hinteren Geländeteil der Körber-Neubau bezogen werden. Für 200 Millionen Euro baut Körber Technologies dort einen Standort für Verwaltung, Entwicklung, Produktion und Logistik nach neuesten Standards. Dann werden dort die Standorte Bergedorf (Kurt-A.-Körber-Chaussee) und Schwarzenbek zusammengelegt. Später sollen sich auf dem Gelände des Bergedorfer Innovationsparks noch weitere Unternehmen ansiedeln.