Jungfernstieg aufgerissen! Der Trampolin-Zoff an der Alster

Die Trampoline am Jungfernstieg sind seit Anfang August eingezäunt.
Die Trampoline am Jungfernstieg sind seit Anfang August eingezäunt.

Die Freude über die neuen Trampoline am Jungfernstieg hielt nicht lange: Bereits seit Wochen sind sie mit rot-weißen Baken abgesperrt. Doch warum tut sich dort nichts – und wie geht es weiter? Hinter den Kulissen sorgt das Thema längst für Ärger.

Nur wenige Wochen nach der Eröffnung waren die drei Trampoline schon unbrauchbar: Wer nicht aufpasste, konnte beim Springen in ein fußgroßes Loch treten. Auch der Bodenbelag rund um die Geräte zeigte bereits deutliche Schäden und bröckelte. Nach MOPO-Informationen war zuvor ein Auto über die Fläche gefahren.

Jungfernstieg: Trampoline weiterhin mit Baken abgesperrt

Daraufhin wurde der Bereich zügig mit rot-weißen Baken abgesperrt, um weitere Unfälle zu verhindern – doch das liegt inzwischen ebenfalls Wochen zurück. Laut einer Sprecherin des Landesbetriebs Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) wartet man derzeit auf ein Schadengutachten, da es sich um einen Versicherungsfall handelt. „Erst auf dieser Grundlage kann über weitere Maßnahmen zur Instandsetzung und Sicherung der Fläche entschieden werden“, heißt es umständlich. Bedeutet vereinfacht: dauert noch.

Bei der RSW Veranstaltungs GmbH, die unter anderem den Weihnachtsmarkt „Weißer Zauber“ am Jungfernstieg organisiert, ist man über die Trampoline unterdessen überhaupt nicht begeistert. „Diese befinden sich aktuell in den Laufwegen“, sagt deren Sprecherin Britta Wilkens der MOPO. „Auf dem Weihnachtsmarkt ist es immer relativ voll, dann können die Leute gar nicht auf den Boden schauen. Selbst wenn das mit Pollern abgesichert würde, bleibt es einfach eine Stolperfalle.“

Der Weihnachtsmarkt „Weißer Zauber“ auf dem Jungfernstieg
Der Weihnachtsmarkt „Weißer Zauber“ auf dem Jungfernstieg (Archivbild)

Unverständlich sei auch der Standort, so Wilkens: „Der Gehweg ist doch bei den Umbauarbeiten extra breiter gemacht worden in Richtung der Straßenseite. Da wäre doch genug Platz.“

Auch Markus Schreiber, Vorsitzender des Vereins „Lebendiger Jungfernstieg“ und SPD-Politiker in Hamburg-Mitte, spricht sich für eine Verlegung aus. „Man hätte ja auch vorher mal die Veranstalter fragen können, aber wir sind gar nicht einbezogen worden“, kritisiert er. Sein Verein organisiert unregelmäßig kostenlose Kunst- und Kulturausstellungen am Jungfernstieg, unter anderem eine Outdoor-Galerie.

Veranstalter und Vereine kritisieren Trampoline am Jungfernstieg

Der LSBG bemüht sich derweil um Beschwichtigung. Man werde „zu gegebener Zeit mit allen Beteiligten, den Veranstaltern und Innenstadtakteuren in den Austausch gehen“, sagt die Sprecherin. Dann könnten sowohl die Anlieferungssituation bei Veranstaltungen besprochen und die Trampoline mit entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen und Beschilderungen wieder in Betrieb genommen werden. Wie diese Sicherheitsvorkehrungen aussehen, steht noch nicht fest.

Seit fast fünf Jahren wird der Jungfernstieg nun umgestaltet: Schon 2020 wurde der Bereich für den Autoverkehr gesperrt – nur Busse, Taxis, Fahrräder und Lieferverkehr in Randzeiten dürfen noch passieren. Bis sich das bei vielen Autofahrern herumgesprochen hatte, dauerte es allerdings. Vor allem anfangs bogen viele weiterhin wie gewohnt vom Ballindamm auf den Jungfernstieg ab.

Der finale Umbau des Boulevards begann Anfang 2024. Laut Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) soll er zur „guten Stube der Innenstadt“ werden: Dazu wurden unter anderem 13 neue Silberlinden gepflanzt, die Straße verkleinert sowie ein Nebelfeld, ein Klangspiel und eben die Trampoline eingebaut. Insgesamt investierte die Stadt 13,4 Millionen Euro.