Insta-Trend #bringback2016: Die Gegenwart ist so kompliziert, früher war alles besser
Früher war alles besser. Oder wie das Internet aktuell sagt: „2026 ist das neue 2016“. Mit diesem Trend und dem Hashtag #bringback2016 lassen gerade Stars, Influencer und verschiedene Unternehmen das Jahr 2016 wieder aufleben. Hundefilter, Beyoncés „Lemonade“, die erste Staffel „Stranger Things“ und Fotos, die überhaupt nicht mehr zur schlichten, glatt gebügelten Ästhetik der 2020er passen. Die MOPO hat mit einem Kulturhistoriker gesprochen, der erklärt, was hinter dem Trend steckt – und wer am meisten davon profitiert.
2016. Je nach Altersklasse dürfte das Jahr für jeden anders gewesen sein. Für die Millennials und die Älteren der Generation Z war es der Umschwung von der Schule ins Erwachsenenleben. In meinem Fall war ich 16, wurde in dem Jahr in die Oberstufe versetzt und schickte meinen Freundinnen auf Snapchat Fotos mit dem berühmten Hunde-Filter.
Jetzt tauchen die Filter und die Ästhetik rund um das Jahr 2016 plötzlich wieder auf. Prominente und Influencer versammeln sich für einen gemeinsamen Blick zurück. Ob Popstar Dua Lipa, Pink, Ed Sheeran oder der Kardashian-Clan – sie alle sind dabei. Auch die Hamburger Influencerin und Fernsehmoderatorin Aminata Belli.
Einen bestimmten Grund für den Trend kann man, wie so oft, schlecht feststellen. Es scheint jedoch die Nostalgie im Vordergrund zu stehen. Trump war in dem Sommer noch nicht US-Präsident, Social-Media-Plattformen waren noch weitestgehend werbefrei.
Mrozek über Trend-Hintergründe: „Kritik an der Gegenwart“
Es war bevor MeToo den Opfern sexueller Übergriffe in Hollywood und darauffolgend in allen Bereichen der Gesellschaft Gehör verschaffte. Vor Corona, vor dem Angriff Russlands auf die Ukraine. Retrospektiv wirkte das Jahr 2016 weitestgehend unbeschwert und frei. Das bestätigt auch Kulturhistoriker Bodo Mrozek (58), der am Institut für Zeitgeschichte München-Berlin arbeitet und das Buch „Jugend – Pop – Kultur“ veröffentlicht hat. Er sagt, dass das Jahr rückblickend eine „einfachere Vergangenheit“ darstellt.
Dass dem nicht so war, vergessen viele bei ihrem Tauchgang in ein vergangenes Jahrzehnt. Das Jahr startete mit massiven sexuellen Übergriffen in Köln in der Silvesternacht, Großbritannien entschied sich im Juni für einen Austritt aus der EU, Trump wurde im November zum US-Präsidenten gewählt.
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„Dieser nostalgische Blick in die Vergangenheit ist ja gleichzeitig eine Kritik an der Gegenwart“, so Mrozek. „Die Leute sind mit vielem nicht mehr einverstanden. Durch KI haben viele das Vertrauen in die Authentizität von Internet-Inhalten verloren, zudem sortieren Algorithmen die Auswahl vor.“ Dinge von früher nehme man als besser wahr, wenn die Gegenwart zu komplex werde.
#bringback2016: Wer profitiert von dem Trend?
So kommt es, dass das Internet aktuell 2016 romantisiert. „Im 17. Jahrhundert war Nostalgie noch eine Krankheit, die Söldner und Seeleute befiel“, erklärt Mrozek. „Das ist natürlich heute nicht mehr so. Aber jetzt gibt es eine Zeitheimat, also die Sehnsucht nach einer Zeit, die man nicht mal selbst erlebt haben muss.“ Im Fall des 2016-Trends haben die Leute das Jahr erlebt. Sie wünschen sich dennoch zurück zu Hundefiltern – einer Verniedlichung der Realität.
Laut Mrozek gab es durch die Geschichte hindurch immer wieder große nostalgische Bewegungen, auch in Hamburg. Der Kulturhistoriker beobachtet allerdings, dass die Zeitspanne, zwischen der Realität und dem Jahr, in das man sich zurückwünscht, kürzer wird. „Anfang der 60er zelebrierte ein Teil der Hamburger Jugend erneut den Jazz aus den 10ern und 20ern. In altmodischer Kleidung und mit traditionellen Instrumenten machten sie Schifffahrten auf der Elbe und lieferten sich wilde Verfolgungsjagden mit der Wasserschutzpolizei“, erzählt er. „Damals blickte man 50 Jahre zurück, heute zehn.“
Wer von dem Trend am meisten profitiert? Darauf hat Mrozek eine schnelle Antwort: „Kommerzielle Unternehmen.“ Die satteln auf den Trend auf, verkaufen Produkte von damals und machen Geld aus dem Nostalgie-Gefühl der Millenials und Spät-Gen-Z. Bomberjacken, Skinny-Jeans, Neopren-Bikinis – die Modehits kommen zurück. Und Kylie Jenner, mit einem Lipgloss – inklusive Hundefilter-Foto auf der Packung.