Hamburg

Initiative gegen mächtige Branche: Der Werbe-Kampf um Hamburg

Martin Weise und Antonia Petschat von „Hamburg Werbefrei“ wollen Anzeigen wie diese aus Hamburg verbannen.
Martin Weise und Antonia Petschat von „Hamburg Werbefrei“ wollen Anzeigen wie diese aus Hamburg verbannen.

Lichtverschmutzung, Ablenkung, Energieverschwendung – die Liste der Argumente der Volksinitiative „Hamburg Werbefrei“ ist lang. Ihr Ziel ist es, Reklame auf Hamburgs Straßen und Plätzen drastisch einzuschränken. Arbeitsplätze, Kulturförderung, Medienvielfalt: Der „Fachverband Außenwerbung“ hält mit nicht weniger Argumenten dagegen. Beide Seiten liefern sich einen öffentlichen Schlagabtausch. Wer gewinnt den Werbekampf um Hamburg?

Ein bisschen paradox ist es: Um für ihr Anliegen zu werben, setzt die Initiative „Hamburg Werbefrei“ selbst auf Plakate in der ganzen Stadt. „In unserem Gesetzentwurf zur Regulierung von Werbung im öffentlichen Raum geht es nur um digitale Außenwerbung. Plakate, auch vor Wahlen, sind davon ausgenommen“, erklärt Antonia Petschat, Vertrauensperson ihrer Initiative, im Gespräch mit der MOPO. Laut Petschat, ihrem Mitstreiter Martin Weise und den anderen Initiatoren schädige Außenwerbung das Klima, koste unnötig Energie und lenke vom Straßenverkehr ab.

Das sagt der Fachverband zu der Kampagne

Im Jahr 2022 hatte „Hamburg Werbefrei“ genügend Unterschriften gesammelt, um sich für ein Volksbegehren zu qualifizieren. Nun müssen die Initiatoren innerhalb von drei Wochen 66.000 weitere Unterschriften sammeln. Gelingt das, kommt es zu einem Volksentscheid.

Wer in den vergangenen Wochen aufmerksam durch Hamburg gelaufen ist, konnte feststellen, dass der „Fachverband Außenwerbung“ nicht untätig geblieben ist. Auf den Tafeln großer Werbevermarkter wie Ströer oder Wall läuft in den Straßen und an HVV-Stationen eine große Kampagne, in der sich Verantwortliche sozialer und kultureller Organisationen wie der Tafel und des St. Pauli Theaters für Außenwerbung aussprechen. Laut Kai-Marcus Thäsler, Geschäftsführer des Verbands, handelt es sich dabei um eine bundesweite Kampagne, die unabhängig von „Hamburg Werbefrei“ läuft.

Auf den vielen Werbetafeln im Stadtbild läuft derzeit eine Gegenkampagne, unter anderem mit den Tafeln, dem St. Pauli Theater und dem Technischen Hilfswerk.
Auf den vielen Werbetafeln im Stadtbild läuft derzeit eine Gegenkampagne, unter anderem mit den Tafeln, dem St. Pauli Theater und dem Technischen Hilfswerk.

Die Linksfraktion in der Hamburger Bürgerschaft sieht das jedoch anders. Sie stuft die Kampagne als politische Werbung ein, die „sofort gestoppt“ werden müsse. „Digitale Außenwerbung ist schlecht für die Umwelt, das Klima, die Verkehrssicherheit und das Stadtbild“, schreibt der stadtentwicklungspolitische Sprecher Marco Hosemann. „Die nun laufende Kampagne ist politisch motiviert, sie darf überhaupt nicht ohne entsprechenden Hinweis auf das Volksbegehren ‚Hamburg Werbefrei‘ auf den digitalen Werbeanlagen in unserer Stadt laufen.“

Der Fachverband hält dagegen: „Die jährlichen Einnahmen der Stadt Hamburg durch die Vergabe der Lizenzen für Außenmedien liegen im zweistelligen Millionenbereich – Einnahmen, die zum Beispiel in Bildung, Kultur und die Modernisierung der Infrastruktur investiert werden“, schreibt er unter anderem.

Volksinitiative hat bis zum 13. Mai Zeit

Kai-Marcus Thäsler hält die Forderungen der Volksinitiative für problematisch: „Solch ein Verbot würde die Meinungs- und Medienfreiheit einschränken. Das passt nicht zu Hamburg. Die Hamburger sind vernünftig und stolz auf den Wohlstand ihrer Stadt“, so Thäsler im MOPO-Interview. Die Werbung sichere Arbeitsplätze und Einnahmen für die Stadt, verhindere wildes Plakatieren, fördere die Wirtschaft und transportiere gesellschaftliche Anliegen, aber auch (Katastrophen-)Warnungen und aktuelle Informationen. Die Außenmedienunternehmen würden Unterstände und Fahrgastfernsehen für den ÖPNV stellen.

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Bis zum 13. Mai 2024 hat die Volksinitiative Zeit, die nötigen Unterschriften zu sammeln. Der Kampf um Hamburgs Werbeflächen dürfte noch länger andauern.

Lichtverschmutzung, Ablenkung, Energieverschwendung – die Liste der Argumente der Volksinitiative „Hamburg Werbefrei“ ist lang. Ihr Ziel ist es, Reklame auf Hamburgs Straßen und Plätzen drastisch einzuschränken. Arbeitsplätze, Kulturförderung, Medienvielfalt: Der „Fachverband Außenwerbung“ hält mit nicht weniger Argumenten dagegen. Beide Seiten liefern sich einen öffentlichen Schlagabtausch. Wer gewinnt den Werbekampf um Hamburg?

Ein bisschen paradox ist es: Um für ihr Anliegen zu werben, setzt die Initiative „Hamburg Werbefrei“ selbst auf Plakate in der ganzen Stadt. „In unserem Gesetzentwurf zur Regulierung von Werbung im öffentlichen Raum geht es nur um digitale Außenwerbung. Plakate, auch vor Wahlen, sind davon ausgenommen“, erklärt Antonia Petschat, Vertrauensperson ihrer Initiative, im Gespräch mit der MOPO. Laut Petschat, ihrem Mitstreiter Martin Weise und den anderen Initiatoren schädige Außenwerbung das Klima, koste unnötig Energie und lenke vom Straßenverkehr ab.