In dieser Stadt sind sogar Bushaltestellen Kunstwerke

Busstop
Diese vom Architekten und Designer Alessandro Mendini gestaltete Haltestelle am Steintor ist einer von neun Kunst-Busstops in Hannover.

Ein bisschen langweilig, nur Zoo und Herrenhäuser Gärten lohnen einen Ausflug – die Vorurteile über Hannover halten sich hartnäckig. Höchste Zeit, damit aufzuräumen und der Stadt an der Leine einen Besuch abzustatten. Eineinhalb Stunden mit dem Zug – schon sind wir dort, wo angeblich das beste Hochdeutsch gesprochen wird und die Lüttje Lage (Bier und Korn) Nationalgetränk ist, wo Kunst sogar vor Bushaltestellen nicht Halt macht und wo viele erstaunliche Überraschungen warten.

Kakaostube
Eleonore Krasteva arbeitet in der Holländischen Kakaostube. Das Café gibt es schon seit 1895.

Kakao seit 100 Jahren

Noch leuchtet und glitzert rund um den Bahnhof – Hannover verwandelt sich im Dezember in ein Weihnachtswunderland mit finnischem Weihnachtsdorf und Wunschbrunnenwald vor dem Leibnizhaus auf dem Holzmarkt. Auch in der „Holländischen Kakao-Stube“, einem Café mit nostalgischem Charme in der Ständehausstraße, geht es seit Jahrzehnten traditionell zu – mit Stollen, Baumkuchen und Nussbaisers. Alles kommt wie schon seit 1895 aus der hauseigenen Konditorei.

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Diamant II
Leuchtet in allen Farben: die Skulptur Diamant II des US-Amerikaners Sanford Wurmfeld steht vor der Markthalle.

Diamant am Wegesrand

Hannovers Altstadt rund um die Marktkirche mit schönen Plätzen und Fachwerkhäusern (das älteste von 1566 steht in der Burgstraße) wurde zum großen Teil nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut. Von hier ist es nicht weit zum Leineschloss der Welfen, Sitz des Niedersächsischen Landtags, und zur Markthalle. Wer typische niedersächsische Spezialitäten wie Mettwurst oder Bier aus der Region probieren möchte, bekommt sie hier. Vor der Markthalle leuchtet ein bunter Quader in der Sonne. Die facettenreiche Skulptur III-101 des US-Amerikaners Sanford Wurmfeld benannten die Hannoveraner in „Diamant II“ um. Weltbekannte Kunstwerke stehen am Leibnizufer. Kugelrund, drall und bunt: Als die Nanas von Niki de Saint Phalle 1974 aufgestellt wurden, waren sie umstritten, heute sind sie ein sympathisches und weit über die Grenzen Hannovers hinaus bekanntes Wahrzeichen. Weitere Werke der Künstlerin, zusammen mit Arbeiten der Japanerinnen Yayoi Kusama und Takashi Murakami, zeigt das Sprengel-Museum noch bis zum 14. Februar in der Ausstellung „Love you for Infinity“. Mal bunt, mal außergewöhnlich, mal zum Nachdenken anregend – und immer absolut sehenswert.

Rathaus Hannover
Sieht aus wie ein Schloss, ist aber das Neue Rathaus am Maschteich in Hannover.

Ein Rathaus am See

Neben den Nanas ist das 1913 erbaute schlossähnliche Neue Rathaus am Maschteich das Wahrzeichen von Hannover. Zur Kuppel fährt in der Sommersaison ein weltweit einmaliger Bogenaufzug, und von hier oben in 90 Metern Höhe kann man bis zum Harz schauen.

Nana
Bunt, drall und weltberühmt: eine von drei Nanas, den Frauenfiguren von Nike de Saint Phalle am Leibnitzufer.

Busstop für die Kunst

Zur Kunst im öffentlichen Raum, die mit über 200 Figuren, Plastiken und Installationen in Hannover zum Stadtbild gehört, zählen auch neun von namhaften Architekten und Künstlern gestaltete Haltestellen. Eine sieht aus wie ein gigantischer Tisch, eine andere erinnert an eine Walflosse, eine weitere an ein Gürteltier. Wer sie sehen möchte, fährt mit Bus oder Straßenbahn von Kunstwerk zu Kunstwerk. Und steigt z.B. am Steintor an der aus gelben und schwarzen Würfeln zusammengesetzten Bushaltestelle des italienischen Architekten und Designers Alessandro Mendini aus.

Love you for Infinity
Unendlich viele bunte Punkte: Das Kunstwerk von Yayoi Kusama gehört zur Ausstellung „Love you for Infinity“ und ist bis zum 14. Februar im Sprengel-Museum zu sehen.

Glänzendes Hochhaus

Und steht direkt vor dem Gehry-Tower. Die Metall-Fassade des Hochhauses, entworfen vor 25 Jahren vom kürzlich verstorbenen US-Architekten Frank Gehry, sieht zu jeder Tageszeit anders aus. Das Anzeiger-Hochhaus des Hamburger Architekten Fritz Höger erhebt sich gleich dahinter. So viel zu sehen – und der Zoo, die Herrenhäuser Gärten oder der Stadtpark Eilenriede waren noch nicht einmal dabei.

Ein bisschen langweilig, nur Zoo und Herrenhäuser Gärten lohnen einen Ausflug – die Vorurteile über Hannover halten sich hartnäckig. Höchste Zeit, damit aufzuräumen und der Stadt an der Leine einen Besuch abzustatten. Eineinhalb Stunden mit dem Zug – schon sind wir dort, wo angeblich das beste Hochdeutsch gesprochen wird und die Lüttje Lage (Bier und Korn) Nationalgetränk ist, wo Kunst sogar vor Bushaltestellen nicht Halt macht und wo viele erstaunliche Überraschungen warten.