In diesem weißen Riegel sitzen bald die heimlichen Herrscher des Hafens
Jetzt wird der starke Einfluss der Reederei MSC auf den Hamburger Hafen auch im Stadtbild sichtbar: MSC hat in der HafenCity den Spatenstich für ihr künftiges Deutschland-Headquarter gesetzt. Das neue, nachhaltig geplante Bürogebäude soll Platz für bis zu 700 Beschäftigte bieten. Die Fertigstellung ist für Ende 2028 vorgesehen.
Sieben Stockwerke, mehr als 15.000 Quadratmeter Bürofläche und 1000 Quadratmeter für Angebote für die Öffentlichkeit – darunter ein Showroom und ein Restaurant. Das sind Kernzahlen für die neue MSC-Zentrale, die auf einer rund 2600 Quadratmeter großen Fläche am Lohsepark entstehen soll.
Hamburg: Leonhard und Dressel feiern die neue MSC-Zentrale
„Die neue Deutschlandzentrale von MSC in Hamburg stärkt den Standort für maritime Wirtschaft, Logistik und internationalen Handel”, sagte Wirtschaftssenatorin Melanie Leonhard (SPD), die bei dem Termin dabei war. „Die weltgrößte Reederei stärkt damit ihre Verbindung zum Hamburger Hafen. Und miteinander bringen wir den gesamten Hafen voran.“

Stadt und MSC halten gemeinsam die Mehrheit an der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) und wollen nach eigenen Angaben deren strategische Entwicklung sowie die des Hafens vorantreiben. Einer Einigung von 2023 zufolge soll MSC langfristig 49,9 und die Stadt Hamburg 50,1 Prozent der Aktien halten. Im Januar hielten beide Parteien mehr als 95 Prozent der Aktien, sodass kleinere Aktionäre per sogenanntem Squeeze-out rausgedrängt werden können.
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Im Gegenzug für den HHLA-Einstieg hatte die weltweit größte Reederei ab 2025 schrittweise steigende Umschlagsmengen garantiert und ab 2031 mindestens 1 Million TEU jährlich zugesagt – ein beachtliches Wachstum für den schwächelnden Hafen. Auch die neue Deutschlandzentrale mit 700 zusätzlichen Jobs war Teil der Absprache.
MSC im Hamburger Hafen: Der Deal ist heftig umstritten
Für den 2024 beschlossenen Deal gab es aber auch ordentlich Gegenwind, es kam zu Demonstrationen und Streiks: Gewerkschaften, Aktionäre und Opposition kritisieren die Abhängigkeit von MSC und fürchten um Transparenz sowie langfristig um Jobs. Auch das Reederei-Schwergewicht Hapag Lloyd war verärgert.
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Der Senat sah das anders. „Dass sich ein Weltunternehmen wie MSC langfristig zur Hansestadt bekennt, ist ein großer Gewinn – nicht nur für den Hafen, sondern für die gesamte Stadt” betonte nun Finanzsenator Andreas Dressel (SPD), der ebenfalls am Donnerstag zugegen war. „Mit dem neuen, nachhaltigen Gebäude entstehen hier in Hamburg moderne Arbeitsplätze und gleichzeitig attraktive Angebote für die Öffentlichkeit.” Die „enge Partnerschaft” zwischen Stadt und MSC zeige: „Wir gestalten die Zukunft des Hafens gemeinsam und sichern so Wertschöpfung und Arbeitsplätze für Hamburg.”
Das Grundstück wurde laut Mitteilung im Januar 2026 von der HafenCity Hamburg GmbH als Vertreterin des „Sondervermögens Stadt und Hafen“ an MSC verkauft. Den Entwurf lieferte ein Frankfurter Architektur-Büro. Geplant sind unter anderem nachhaltige Baumaterialien wie Recyclingbeton sowie Photovoltaik auf dem Dach. Zudem soll der Neubau teilweise direkt ins Hafenbecken gebaut werden. Derzeit sitzt MSC Germany in der Speicherstadt. (nf)
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