In diesem Viertel steht ein Haus mit Reißverschluss
Die lebendige und bunte Lange Reihe stiehlt der stillen Parallelstraße Koppel in St. Georg meist die Schau. Wer gern zweimal hinschaut und ein bisschen Ruhe im lebhaften Stadtteil sucht, kann beim Koppel-Spaziergang jedoch einiges entdecken.
Kirche und Kneipe
Von der Dreieinigkeitskirche sind es nur wenige Schritte zur Koppel. Auch wenn die Kirche wie ein barocker Bau wirkt, ist sie erst knapp 70 Jahre alt. Die Vorgängerkirche aus dem 18. Jahrhundert wurde im Zweiten Weltkrieg komplett zerstört. Nur ein Portal blieb erhalten, das an der Nordseite in den Neubau eingefügt wurde. Die Reiterstatue vom Heiligen St. Georg, dem Drachentöter, erschaffen 1958 vom Bildhauer Gerhard Marcks, auf dem Kirchhof ist ein Wahrzeichen des Stadtteils. Nicht ganz so alt wie das sakrale Bauwerk ist die Kneipe gegenüber. „Max & Consorten“ ist seit mehr als 30 Jahren ein beliebter Treffpunkt unweit vom Hauptbahnhof.
Historische Fassaden
Der Name verrät es: Die Koppel war früher eine Zulieferstraße für Gärten und Villen wohlhabender Hamburger an der Alster. Wohnten hier zunächst einfache Leute, ersetzten in der Gründerzeit Wohnhäuser mit prachtvollen Fassaden, von denen noch einige erhalten sind, die unscheinbaren Arbeiterhäuschen. Auch die beeindruckende Fassade des heutigen Seniorenwohnheims in der Heerlein- und Zindler-Stiftung (Koppel 17) stammt vom Ende des 19. Jahrhunderts.
Insider-Geschäfte
Im Vergleich zur Langen Reihe gibt es in der Koppel nur wenige Geschäfte – dafür aber ganz spezielle. Die „Brasserie“ zum Beispiel, eine Top-Adresse für alle, die ein Blechblasinstrument spielen und ein neues Saxophon, eine gute Beratung oder beides brauchen. Die „Pet Shop Boyz“ sind beliebte Anlaufstelle für Tierfreunde. Der Laden mit der auffällig gepunkteten Fassade an der Ecke zur Schmilinskystraße hat alles im Angebot, was Hunde, Katzen und ihre Besitzer erfreut.
Das könnte Sie auch interessieren: Auf Weltreise in Hamburgs Restaurants
Koreanisch und gut
Fast läuft man am Haus mit der Nummer 76 vorbei. Hier verbirgt sich das authentische koreanische „San Restaurant“. Wenig Chichi, aber gutes Essen. Auf der Karte stehen beispielsweise Sundubu Jjigae, ein scharfer Eintopf mit Tofu und Gemüse, oder Bibimbap, Bulgogi („Feuerfleisch“) und Tteokbokki (Reiskuchen). Mittagstisch gibt es ab 12 Uhr, montags ist geschlossen.
Kunst, Handwerk, Design
In der ehemaligen Maschinenfabrik in der Koppel 66 haben seit Jahrzehnten Künstler ihre Ateliers. Das 1904 erbaute Haus steht allen Besuchern offen. Besonders beliebt sind die Kunsthandwerksausstellungen. Mode, Schmuck, Hüte, Kosmetik, Taschen, Malerei, Keramik und vieles mehr können zur aktuellen Frühjahrsmesse vom 11. bis zum 13. April wieder auf drei Etagen jeweils von 11 bis 19 Uhr bestaunt und gekauft werden.
Haus mit Reißverschluss
Langweilig, so eine weiße Fassade, dachte sich Hausbesitzer Patrick Leisau. Und ließ kurzerhand einen geöffneten Reißverschluss auf die Hauswände malen. Dahinter kommt das Hamburg-Wappen zum Vorschein. Künstlerisch Geschmackssache, ein origineller Hingucker aber auf jeden Fall. Das Haus steht schon nicht mehr in der Koppel, sondern an der Barcastraße/Ecke Lohmühlenstraße in Alsternähe.