In der Schanze steht jetzt ’ne XXL-Klobürste – und das steckt dahinter

Klobürstenlampe
Diese Toilettenbürstenlampe des Künstlers Niclas Riepshoff steht seit Kurzem nahe des dem S-Bahnhofs Sternschanze.

Nahe des S-Bahnhofs Sternschanze steht neuerdings eine XXL-Klobürste. Sie ist riesengroß, leuchtet und bringt Passanten zum Schmunzeln, manche fotografieren sich mit dem Objekt. Aber wie kommt die riesige Bürste in die Schanze? Die MOPO hat herausgefunden, wer und was hinter der Aktion steckt.

Seit knapp einer Woche ziert die Klobürste das Schanzenviertel. Ihr Stil ist ein Laternenpfahl, die Borsten bestehen aus Plexiglasstäben. Die Konstruktion erinnert an die „Space Age”-Glasfaserlampen aus den 1960er und 1970er Jahren mit ihren wippenden Leuchtstäben.

Ihr Standort ist kein Zufall: „Ich habe früher auf St. Pauli gelebt und dort sind mir zur Zeit der Proteste 2014 die vielen Toilettenbürsten aufgefallen”, sagt Bildhauer Niclas Riepshoff (32) im Gespräch mit der MOPO. Gemeinsam mit dem Architekten und Stadtforscher Jakob Walter entwickelte Riepshoff dann die Lampe.

Kunst in Hamburg: Klobürsten als Inspiration

Die beiden bewarben sich damit für das Programm „Kunst im öffentlichen Raum” der Hamburger Kulturbehörde und durften ihre Idee verwirklichen. 2014 gab es auf St. Pauli massive Proteste gegen die Einrichtung eines polizeilichen Gefahrengebiets. Nachdem es zwischen Polizei und Demonstranten auf einer Demo vor der Roten Flora ordentlich geknallt hatte, wurden St. Pauli, Altona und die Sternschanze zu Gefahrengebieten erklärt.

Klobürstenlampe
Bei näherer Betrachtung entpuppen sich die Borsten der Klobürste als Plexiglasstäbe.

Hier durften Bürger auch ohne Anlass von der Polizei kontrolliert werden. Dagegen formierte sich massiver Widerstand. Das Symbol des Protests: Die Klobürste. In vielen Läden war sie damals sogar ausverkauft.

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Auf dem Mast der Klobürstenlampe klebt ein QR-Code, über den die Passanten Zugang zu einer Audiodatei erhalten. Hierauf sind auch aktuelle Interviews zu den damaligen Protesten zu hören. Doch die Lampe hat noch weitere Bedeutungen. „Mich hat unter anderem die Umkehr des Objekts interessiert, das sonst eher mit Schmutz assoziiert wird, zu etwas Strahlendem”, sagt Riepshoff.

Wer die Lampe abends leuchten sehen möchte, sollte sich beeilen. Angemeldet ist das Kunstobjekt vorerst für drei Monate.