In der HafenCity unerwünscht: Kulturkahn „MS Stubnitz“ droht das endgültige Aus
Das Verhältnis zwischen den Verantwortlichen der „MS Stubnitz“ und der HafenCity ist schon seit Jahren angespannt. Erst im September 2023 war das ehemalige Kulturschiff nach jahrelangen Lärmbeschwerden der Anwohner vom Kirchenpauerkai einige Hundert Meter weiter in Richtung Elbbrücken gezogen. Ein Kompromiss, könnte man meinen. Jetzt ist klar: Hier kann die „MS Stubnitz“ nicht bleiben.
Eigentlich sollte es an Deck der „MS Stubnitz“ gerade allen Grund zur Freude geben: Die Organisatoren haben es mit ihrer Spendenaktion geschafft, mehr als genug Geld für den Erhalt des Veranstaltungs- und Kulturschiffs zu sammeln. „Eigentlich haben wir voll was zu feiern!“, weiß auch Vorstandsmitglied Stefan Hangl. Wäre da nicht ein neues altes Problem: Die Sache mit dem Liegeplatz, der auf 2026 befristet ist.
Die „MS Stubnitz“ muss für Neubauprojekt weichen
Ein ungutes Gefühl hatte das Team der „MS Stubnitz“ schon länger. Im Hintergrund des momentanen Liegeplatzes wächst ein Neubauprojekt mit hochpreisigen Eigentumswohnungen für knapp zwei Millionen Euro heran. Es wurde immer wieder bei der HafenCity nachgehakt, wie es nach 2026 weitergehen könnte. Ob es eine Verlängerung des Liegeplatzes gibt? Jetzt die eindeutige Antwort: Nein. Für das Kulturschiff ist kein Platz mehr neben den neuen Luxusimmobilien.
Eine Machbarkeitsstudie im Auftrag der „HafenCity GmbH“ habe ergeben, dass die Stubnitz nicht an ihrem aktuellen Liegeplatz bleiben kann – wohl aus Lärmschutzgründen. Genaueres lässt sich nicht sagen. „Wir haben diese Studie nie gesehen“, sagt Hangl der MOPO.
Also muss ein neuer Liegeplatz an der Elbe zwischen dem Altonaer Balkon und den Elbbrücken gefunden werden. Die Suche läuft, unter anderem in Zusammenarbeit mit den Bezirken Mitte und Altona, dem Clubkombinat und der Kulturbehörde. „Wir haben uns mittlerweile ein gutes Netzwerk aufgebaut“, so Hangl. Seit 2013 liegt die „MS Stubnitz“ in Hamburg.
Suche nach neuem Liegeplatz: Die Verschrottung des Kulturschiffs droht
Sollte wirklich kein geeigneter Platz gefunden werden, droht dem Schiff die Verschrottung und einem weiteren Hamburger Kulturprojekt das endgültige Aus. Auf dem Industriedenkmal finden regelmäßig Konzerte, Ausstellungen oder Lesungen statt. „Wir sprechen mit unserem Programm neben lokalen Szenen auch internationale Szenen und Communities an. Das ist wichtig für eine Weltstadt wie Hamburg“, sagt Stefan Hangl. Der Umzug in eine andere Stadt ist ausgeschlossen. Es käme nur das europäische Ausland in Frage, doch dafür fehlen die Ressourcen.
Das könnte Sie auch interessieren: Der Überlebenskampf des Kulturkahns: Die „MS Stubnitz“ ringt um jeden Euro
Die „MS Stubnitz“ hat sich gerade erst mit einer groß angelegten Spendenaktion selbst gerettet. 111.000 Euro fehlten neben den öffentlichen Förderungen für die Sanierung des Schiffes. Letztendlich wurden ganze 143.000 Euro gesammelt. „Wir sind immer noch völlig von den Socken von dieser krassen Resonanz“, sagt Hangl. Die Spendenaktion habe gezeigt, wie viele Leute an dem Kulturschiff hängen.
Deswegen will man auf der „MS Stubnitz“ auch diesmal nicht aufgeben. „Es macht keinen Sinn zu trauern“, erklärt das Vorstandsmitglied. „Wir sind bereit, proaktiv zusammen mit der Stadt eine geile Lösung zu finden und geile Veranstaltungen zu machen“.