In 17 Minuten von Blankenese bis zur Elphi: Ist das die Fähre der Zukunft?

Visualisierung der Candela P-12
Fliegende Fähre: So sieht das neue Wassertaxi der Firma Candela aus, das nächstes Jahr in Stockholm seinen Betrieb aufnimmt.

Wer in Hamburg eine Fähre nimmt, dem weht – je nach Modell – schon mal eine Rauchwolke um die Ohren. Das ist zwar nicht mehr lange so, weil die Schiffe schon bald emissionsfrei fahren sollen. Doch wenn man nach Schweden blickt, sieht selbst Hamburgs Zukunftsflotte jetzt schon alt aus. Dort nimmt nächstes Jahr eine fliegende Fähre ihren Betrieb auf!

In Stockholm geht im kommenden Frühjahr ein völlig neuartiger Fährtyp an den Start: ein elektrisch betriebenes Tragflügelboot, das nicht durchs Wasser schippert, sondern darüber hinweg fliegt.

Nur der Antrieb bleibt unter Wasser: neue Flug-Fähre mit revolutionärer Technologie

Möglich macht das eine revolutionäre Technologie, die von der schwedischen Firma Candela entwickelt wurde. Ein spezielles Tragflächensystem hebt das Boot ab einer Geschwindigkeit von 17 Knoten oder 30 km/h aus dem Wasser. Nur der an einer Strebe befestigte Antrieb bleibt unter Wasser und sorgt dafür, dass das Boot quasi über dem Wasser dahin schwebt.

Durch den geringen Wasserwiderstand ergibt sich ein Energie-Einsparvolumen von 80 Prozent gegenüber herkömmlichen Fähren. Und vor allem: Das Boot ist viel schneller! Die bisherige, mit Diesel betriebene Fähre, die Stockholm mit der Insel Ekerön verbindet, auf der viele Pendler leben, braucht eine Stunde. Das fliegende Shuttle „P-12“ der Firma Candela mit Platz für 30 Passagiere braucht dagegen nur 20 Minuten!

In 17 Minuten von Blankenese bis zur Elphi: Neues Flug-Shuttle schneller als Hadag-Fähren

In Hamburg würde die Flug-Fähre, deren Batterieleistung für 105 Kilometer reicht, nur 17 Minuten von Blankenese bis zur Elbphilharmonie brauchen – deutlich schneller als eine Stunde mit dem landseitigen öffentlichen Nahverkehr und gerade einmal halb so lang wie mit dem Auto. Auch die Hadag-Fähren würden von dem Flitzer abgehängt. Sie brauchen für die gleiche Strecke eine halbe Stunde.

Die P-8 der Firma Candela aus Schweden
Technologie aus Schweden: Das Schwesterschiff der Flug-Fähre liegt derzeit in Wedel und dreht dort seine Runden.

Das Unternehmen Candela wirbt damit, eine Entlastung für verstopfte Innenstädte anzubieten. „Die meisten Städte haben Probleme mit Staus zur Stoßzeiten, während die Wasserwege völlig ungenutzt sind. Die meisten Städte sind ursprünglich um Wasser herum gebaut. Wir möchten diese Flüsse, Seen und Meere zu neuen grünen Wasserstraßen machen“, sagt Gustav Hasselskog, Gründer und CEO von Candela.

Fliegende Fähre: erste Gespräche mit deutschen Reedereien

Ein Schwesterschiff der „P-12“ liegt derzeit im Yachthafen von Wedel. Die „Candela P-8“ ist nur 3,5 Meter kürzer als der zwölf Meter lange Fähr-Typ und nur für private Bootsbesitzer gedacht. Doch sie funktioniert nach dem gleichen Prinzip. Als Thorben Thies, Geschäftsführer von VMG Marine aus Altenholz bei Kiel, der das Boot in Deutschland vertreibt, per Computer Gas gibt, bekamen die MOPO-Reporter eine Eindruck davon, wie sich so ein Fähren-Flug anfühlt. Bei dem leichten Ruckeln, das an eine Flugzeug-Reise durch ein Wolkenbett erinnert, braucht auf jeden Fall niemand Angst zu haben, seekrank zu werden.

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Derzeit ist Thies mit seinem Wasserflitzer auf Tour quer durch Deutschland. Nach seiner Aussage gibt es bereits erste Gespräche mit deutschen Reedereien und Unternehmen. Ein Problem gibt es allerdings: Die fliegende Fähre fährt mit 25 Knoten, also etwa 46 Kilometer pro Stunde. Normale Schiffe dürfen nur halb so schnell fahren.

Stockholm hat deshalb eigens eine Sondergenehmigung erteilt, die damit begründet wurde, dass das Shuttle kaum Wellen erzeugt. Hierzulande kommt noch etwas hinzu: „In Deutschland gibt es viele Vorbehalte wegen des Berufsverkehrs auf der Elbe oder auf der Spree“, sagt Thorben Thies. Eine Kollision auf der grünen Wasser-Autobahn will schließlich niemand riskieren.

Wer in Hamburg eine Fähre nimmt, dem weht – je nach Modell – schon mal eine Rauchwolke um die Ohren. Das ist zwar nicht mehr lange so, weil die Schiffe schon bald emissionsfrei fahren sollen. Doch wenn man nach Schweden blickt, sieht selbst Hamburgs Zukunftsflotte jetzt schon alt aus. Dort nimmt nächstes Jahr eine fliegende Fähre ihren Betrieb auf!