Hamburg
Impotenz-Gefahr! Warum diese Änderung an der Supermarktkasse so wichtig ist
Sie stecken in der Geldbörse, im Portemonnaie, auf dem Schreibtisch – Kassenbons und Co. Doch sie können gefährlich werden: Weiße Thermopapiere enthalten Chemikalien, die Krebs auslösen und die Fruchtbarkeit bedrohen können. Nach dem Verbot des Mittels nutzt die Industrie nun teilweise einen fast ebenso riskanten Ersatzstoff. Wo die Gefahren liegen und was Verbraucher tun können, um sich und die Umwelt zu schützen.
Jahrelang enthielten Thermopapiere, die über Hitze beschriftet werden, den Farbentwickler Bisphenol A, der laut Umweltbundesamt die Zeugungsfähigkeit des Menschen gefährdet. Er steht ebenfalls im Verdacht, bestimmte Tumore auszulösen. Deshalb sind alle Bons, die mit diesem Stoff beschichtet sind, in der EU seit einigen Jahren verboten und mittlerweile kaum noch im Einsatz. Denn das Mittel könnte von den Händen über die Haut in den Körper gelangen. Oder auch über den Recyclingprozess in weitere Produkte und so ins Wasser.
Kassenbons: Weiße Bons enthalten Östrogen
Bei Bisphenol A handelt es sich um synthetisch entwickeltes Östrogen. Beim Umweltbundesamt heißt es dazu: „Unter bestimmten Bedingungen kann sich die Chemikalie aus dem Thermopapier lösen und über die Haut in den menschlichen Körper gelangen. Hier kann die Substanz wie das weibliche Sexualhormon Östrogen wirken.“ Das bedeute, „dass die Sexualfunktion und Fruchtbarkeit bei Mann und Frau beeinträchtigt werden kann.“
Doch ganze Umstellung hat nicht so viel genützt wie erhofft. Denn die Ersatzstoffe, die die Papierindustrie beim Thermopapier nutzt, sind laut Forschung auch nicht viel besser! Allen voran Bisphenol S. Die europäische Chemikalienverordnung REACH hat Bisphenol S als „besonders besorgniserregend (SVHC) identifiziert, aufgrund seiner endokrinen Wirkung im Menschen und der Umwelt und aufgrund seiner reproduktionstoxischen Eigenschaften“. Trotzdem ist die Chemikalie zugelassen.
Statt Bisphenol A steckt nun Bisphenol S im Kassenzettel
Laut Zeitschrift „Öko-Test“ dürfte etwa in jedem zweiten Kassenzettel Bisphenol S (BPS) zum Einsatz kommen, wie eine Studie von zwei Lebensmittelchemikerinnen der TU Dresden nahelegt. Sie sammelten zehn Jahre lang Kassenzettel, Eintrittskarten, Klebe-Etiketten und anderes Thermopapier ein und ließen es auf die verwendeten Farbentwickler analysieren: BPS nahm demnach im Jahr 2024 mit 48 Prozent die dominante Position als Farbentwickler ein und hat Bisphenol A in dieser Rolle einfach abgelöst.
Ein weiteres Problem: Eine Unterscheidung von farbentwicklerhaltigen und harmlosen farbentwicklerfreien Thermopapieren ist für Verbraucher laut Umweltbundesamt bisher nicht möglich, da eine entsprechende Kennzeichnung fehlt.
Gefahr: Kassenbons nicht ins Altpapier tun
Landet Bisphenol A oder S im Altpapier, kann der Stoff über recycelte Papierprodukte wie Toilettenpapier erst in Kläranlagen und dann in die Umwelt gelangen. Was leider jahrelange passiert ist. Und zwar in solchen Mengen, dass der Stoff bei Fischen und Amphibien die Fortpflanzung und Entwicklung schädigte. Das ergaben Studien.
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Das Umweltbundesamt empfiehlt daher, alle Thermopapiere wie Kassenbons und Parkzettel mit dem Restmüll zu entsorgen. Denn die enthaltenen Farbentwickler können sich sonst als kritische Inhaltsstoffe im Altpapier verteilen – und anschließend über Recyclingprodukte wie Toilettenpapier zurück zum Verbraucher und in die Umwelt gelangen.
Diese Kassenbons sind unbedenklich
Davon dürfte auch die größere Gefahr ausgehen. Denn kaum jemand behält den Kassenbon länger in der Hand, sodass sich größere Mengen Bisphenol lösen. Was auch eher passiert, wenn das Papier nass wird. Problematisch werden könnte es hingegen für Babys und Kleinkinder, wenn sie die Zettel in den Mund nehmen.
Unbedenklich sind hingegen blaue Kassenbons, wie es sie oft in Biomärkten gibt. Denn sie arbeiten ohne Thermopapier und brauchen deshalb auch keine Entwickler wie Bisphenol. Sie können bedenkenlos angefasst und auch ins Altpapier geworfen werden.