Immer mehr Fälle: Hamburg plant die Psychotherapie-Offensive
Die Zahlen sind besorgniserregend: Mehr als 331.000 Mal wurde im Jahr 2023 die Diagnose „Depression“ in Hamburg gestellt – mehr als drei Mal so häufig wie noch im Jahr 2018. Auch das Krankheitsbild „Burnout“ wurde bis Ende Juni 2024 schon so oft bescheinigt wie im ganzen Jahr 2018. Angesichts der prekären Lage haben die zuständigen Behörden einen neuen „Psychiatrieplan für Hamburg“ entwickelt. Dieser wird in der kommenden Woche in der Landespressekonferenz (LPK) vorgestellt. Insgesamt 25 Maßnahmen sollen dabei helfen, um eine bessere Versorgung im Bereich der psychischen und psychiatrischen Erkrankungen zu garantieren. Die MOPO erklärt, was genau dieser Plan vorsieht und wo Sie wirklich Hilfe bekommen können.
Grundsätzlich sei das Ziel von Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher, die Versorgungsangebote des öffentlichen Gesundheitsdienstes, der Kliniken und der fachärztlichen Praxen in Hamburg besser aufeinander abzustimmen. So solle Hamburg in Form eines Gemeindepsychiatrischen Verbunds (GPV) einen Zusammenschluss der wesentlichen Leistungserbringer bilden. Die Mitglieder verpflichten sich zur Kooperation und zur Organisation umfassender psychiatrischer Hilfen. „Damit ein Suchtpatient nach der Entzugs- und Psychotherapie nicht wieder auf der Straße landet, sondern etwa in die Wohnungslosenhilfe direkt eingebunden wird“, erklärt ein Sprecher der Sozialbehörde.
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Zudem solle laut Psychiatrieplan der Bereich der Früherkennung verstärkt werden. Eine weitere Maßnahme des Plans sei die sogenannte aufsuchende psychiatrische Arbeit. Damit seien therapeutische Hausbesuche gemeint. Insbesondere sei der Plan auf die Zielgruppe der schwer und chronisch psychisch Erkrankten ausgerichtet. Die Zahlen der Patienten im Maßregelvollzug habe sich in den vergangenen 25 Jahren verfünffacht, auf 450 im Jahr 2024.
Jüngsten Umfragedaten der Psychotherapeutenkammer Hamburg (PTKHH) zufolge, habe sich die Wartezeit auf einen Therapieplatz im vergangenen Jahr bei mehr als der Hälfte der bei der Kammer gemeldeten 2232 psychologischen Psychotherapeuten für Erwachsene noch einmal verlängert auf durchschnittlich etwa sechs Monate. Die Wartezeit bei den 515 Kinder- und Jugendtherapeuten in Hamburg sei auf durchschnittlich acht Monate gestiegen.
639 Kinder kommen auf einen Psychotherapeuten
Die Psychotherapeutenkammer fordert deshalb einen gesonderten Versorgungsplan für Kinder und Jugendliche – zumal die Bedarfsplanungsrichtlinien veraltet und dringend reformbedürftig sind. Danach gelte die Stadt mit psychotherapeutischen Praxen mit Kassenzulassung zu 160 Prozent überversorgt. Heike Peper, Präsidentin der Psychotherapeutenkammer und niedergelassene Psychotherapeutin: „Dies entspricht nicht der Realität, wir bräuchten für die Bedarfsplanung empirische Zahlen. So würde erkennbar werden, wie der hoch der wirkliche Bedarf ist.“ Peper, die zur Arbeitsgruppe des Psychiatrieplans gehört, lobt den Plan, der von Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) begleitet wird. „Das ist ein gutes Zeichen in die richtige Richtung“, so Peper.
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Eine Übersicht der in Hamburg niedergelassenen Psychotherapiepraxen gibt es auf der Seite der Kassenärztlichen Vereinigung unter www.kvhh.net. Wenn Sie akute Probleme haben, finden Sie unter https://eterminservice.de/terminservice schnelle Hilfe, leider allerdings oft nicht im eigenen Stadtteil.
Per Telefon können Sie sich an die Hamburger Nummer 116117 wenden oder die 116117-App auf Ihr Smartphone herunterladen. Kinder und Jugendliche erhalten montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr unter 116 111 eine kostenlose telefonische Beratung.