Im Hamburger Hafen: Greenpeace-Kampfschiff bereitet sich auf Einsatz vor
Dieses Schiff ist eine echte Kämpfernatur: Seit Freitag liegt die „Arctic Sunrise“ an der Überseebrücke direkt vor der „Cap San Diego“. Das grüne Schiff mit dem bunten Regenbogen am Bug hat schon so einige Schlachten hinter sich gebracht. Früher ging der Eisbrecher, der ursprünglich aus Norwegen stammt, auf Robbenjagd. Heute zieht er – ausgerechnet – für Greenpeace in den Kampf!
Kapitän Emili Trasmonte Soro steht an Deck der „Arctic Sunrise“ und erklärt, wie es zu dieser schicksalshaften Kehrtwende des Schiffes kam. „Wir mussten einen Tarnmann zwischenschalten. Die Robbenfänger wollten ihr Schiff nämlich nicht an Greenpeace verkaufen“, lacht der 52-Jährige und zeigt auf die fünf Schlauchboote, die direkt vor dem Hubschrauberlandeplatz schon auf ihren nächsten Einsatz warten.
Greenpeace schlägt Alarm: Norwegen bringt wertvolle Ökosysteme in Gefahr
Genau mit solchen Booten sorgt die Organisation seit den 70-Jahren für spektakuläre Aktionen nicht nur für den Robben- und Walschutz, sondern auch gegen Atombombentests. Jetzt gibt es ein neues, brandheißes Thema, das Greenpeace sich auf die Fahne geschrieben hat: der geplante Tiefseebergbau in der Arktis.
Noch ist die Jagd nach Edelmetallen in den Tiefen der Ozeane nicht losgegangen. Allerdings steht Norwegen kurz davor, die wertvollen Ökosysteme in seinen Seegebieten an Firmen auszuliefern, die wertvolle Rohstoffe wie Nickel, Kupfer, Kobalt und Seltene Erden aus 3000 bis 4000 Metern Tiefe holen wollen. Die Nachfrage der Computer-, Automobil- und Smartphone-Industrie ist groß.
Mit der „Arctic Sunrise“, die gerade von einer Expedition aus Spitzbergen zurückgekehrt ist, macht Greenpeace auf das Problem aufmerksam: Schon im Frühjahr 2025 will Norwegen 386 Lizenzen zum Abbau der Mineralien vergeben. Dann gerät eine 281.000 Quadratkilometer große Fläche zwischen Spitzbergen und Island in Gefahr – ein Gebiet, größer als Großbritannien.
Tiefseebergbau: Folgen des Raubbaus sind nicht abzuschätzen
„Die meisten Menschen denken, die Tiefsee ist dunkel, kalt und leblos. Aber das stimmt nicht”, erklärt die Meeresbiologin Sandra Schoettner. „Die Tiefsee ist eine vielfältige Wunderwelt. Lebensraum für viele Pflanzen, Fische, Quallen, Garnelen und andere Tiere. Es gibt hier auch noch sehr viele bisher unerforschte Arten. All das gerät durch die Pläne in Gefahr.” Aber auch für die Wale und Delfine der Region hätten die Pläne bedrohliche Folgen.
Greenpeace hat Norwegen aufgefordert, vom geplanten Tiefseebergbau in der Arktis Abstand zu nehmen. Das volle Ausmaß der Zerstörung sei weder abzuschätzen noch zu kontrollieren, sagt auch Greenpeace-Meeresexpertin Daniela von Schaper. Und: „Die Arktis ist ein wichtigers Schutzschild im Kampf gegen die Klimakrise, ihre Tiefsee eine Schatzkammer der Artenvielfalt. Wir dürfen nicht zulassen, dass Norwegen diesen empfindlichen Lebensraum in ein weiteres Industriegebiet verwandelt.“
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Die Umweltorganisation hat am Freitag einen Bericht veröffentlicht, der erstmals die Zusammenhänge zwischen Tiefseebergbau und den bedrohten Ökosystemen der Arktis aufzeigt. Die Zeit drängt: Am 26. September endet eine 90-Tage-Frist, in der die Öffentlichkeit ihre Meinung und Bedenken zu der Lizenzvergabe äußern kann. „Das ist ein historischer Moment”, fürchtet Meeresbiologin Sandra Schoettner.