Idylle in Gefahr: Widerstand gegen Windrad-Plan für beliebtes Naherholungsgebiet
Der Ausblick aus Jochen Ramckes Küchenfenster ist wie Urlaub für die Augen – grüne Weiden, weite Felder. Regelmäßig beobachtet der Landwirt Rotmilane, Seeadler oder Kraniche, die auf Futtersuche ihre Kreise ziehen. Die Rissener und Sülldorfer Feldmark ist Landschaftsschutzgebiet und grenzt an Naturschutzgebiete. Mittendrin hat Familie Ramcke einen großen Reiterbetrieb, 40 Hektar nennt Ramcke sein Eigen. Doch diese Idylle ist in Gefahr – die Stadt Hamburg plant, mindestens vier Windkraftanlagen in das beliebte Naherholungsgebiet zu bauen. Ein Wahnsinn, finden etliche Anwohner, Naturschützer und Jochen Ramcke, der dafür einen Teil seiner Fläche verpachten soll.
Rund vier Monate ist es her, da klingelten Mitarbeiter der Energiegenossenschaft Prokon Regenerative Energien an der Tür von Jochen Ramcke. Sie stellten dem 69-Jährigen die Pläne für die neue Windenergieanlage vor seiner Haustür vor. Für die Umsetzung bräuchten sie etwa sechs bis sieben Hektar seiner Weideflächen. Ramcke lehnte ab. „Ich war nicht überrascht von dem Besuch, aber was mich entsetzt hat, ist, dass uns nur das Positive erzählt wird. Über die Folgen für Mensch und Tier wird nicht gesprochen.“
Hamburg: Widerstand gegen Windräder
Die Auswirkungen auf die Natur sind umfassend und vielfältig, abgesehen von der optischen Veränderung des Landschaftsbildes, erklärt Thomas Eckhoff (69) aus dem Leitungsteam des Nabu West: „Schon die Schaffung der Infrastruktur für die Windräder, Leitungen, Zäune und Speichergebäude, bedeutet einen umfassenden baulichen Eingriff in das Gebiet. Wenn die Windräder erst einmal laufen, nehmen die Vibration und der Schall des Generators sowie der Luftdruck der Windräder immensen Einfluss auf den Lebensraum der Vögel, Fledermäuse und aller anderen Tiere.“ Gerade erst brütet das erste Weißstorchenpaar in Rissen seit knapp 100 Jahren, erklärt Eckhoff.
Landwirt Jochen Ramcke fragt: „Was ist denn wichtiger, der Euro oder die Natur?“ Doch die meisten der acht bis zehn Landwirte, deren Flächen Prokon für den rund 70 Hektar großen Windpark mit vier 250 Meter hohen Windrädern braucht, haben schon Bereitschaft gezeigt. Wie die MOPO erfuhr, hat das Unternehmen bereits Vorverträge erstellt. 8000 Euro pro Hektar im Jahr bietet Prokon Landwirten an. Steht das Windrad direkt auf der Fläche, werden 16.000 Euro geboten.
Auch Branchenvertreter sehen die Pläne kritisch
Warum sollen die Windräder direkt ins Landschaftsschutzgebiet? Hamburg muss bis 2032 laut Bundesgesetz 0,5 Prozent seiner Fläche als Windenergiegebiet ausweisen (378 Hektar). Der Senat will dies bis 2027 umsetzen und hat 19 Standorte identifiziert, darunter die Fläche in Rissen/Sülldorf. Konflikte gibt es auch in anderen Bezirken, vor allem in Bergedorf.
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Eckhoff: „Hamburg kann seine Windkraftziele erreichen, ohne Flächen in Landschaftsschutzgebieten zu zerstören.“ Tatsächlich sehen auch Branchenvertreter die Pläne kritisch. Bürgerinitiativen wie „NaturErleben Klövensteen“, „Rettet die Brünschenwiesen“, der Reiterverband Klövensteener Reiter, die Kreisjägerschaft Hamburg West sowie zahlreiche Anwohner und Naturschutzverbände wollen weiter gegen den Windpark in Rissen kämpfen und haben eine Petition gestartet.