„Ich hatte diese Flucht nicht geplant“ – heute ist er Hamburger Busfahrer

Bus
Ein Linienbus der Hochbahn fährt durch den Stadtteil Eimsbüttel. (Archivbild)

Im Iran war Mohammed A. (Name geändert) Fischhändler, hatte seinen eigenen Laden – heute fährt er täglich für die Hochbahn durch Hamburg, um Fahrgäste aufzusammeln. Bis dahin war es ein harter Weg, vor allem an die Jahre in der Geflüchtetenunterkunft erinnert er sich nur ungern. Der MOPO erzählte er seine Geschichte, wie er im Jahr 2013 sein altes Zuhause Hals über Kopf verlassen musste.

„Ich hatte diese Flucht nicht geplant“, sagt A. Doch ihm sei keine Wahl geblieben, nachdem er vom Islam zum Christentum konvertiert sei. „Das habe ich immer verstecken müssen“, erzählt er. „In der Wohnung durften keine Spuren sichtbar sein.“

Konversion ist im Iran für Muslime strengstens verboten

Seit der Islamischen Revolution wird der sogenannte „Abfall vom Islam“ im Iran streng verfolgt. Muslimen ist es verboten, zu konvertieren sowie an Gottesdiensten anderer Religionen teilzunehmen. All das kann schwerste Sanktionen, bis hin zur Todesstrafe nach sich ziehen.

Irgendjemand habe ihn verraten, erzählt A. „Wir mussten ganz schnell aus der Wohnung weg, bevor die Polizei kam. Mitnehmen konnten wir fast nichts.“ Er, seine Frau und seine damals sechsjährige Tochter versteckten sich für kurze Zeit in Teheran, bevor sie es schließlich in ein Flugzeug nach Italien schafften.

2013 kam A. mit dem Flugzeug nach Hamburg

„Von dort aus sind wir weiter nach Hamburg geflogen, hier hatte ich einige Freunde“, sagt der 51-Jährige. Drei Tage lang seien sie insgesamt unterwegs gewesen. Den Asylantrag stellte er in Neumünster. Während er auf die Entscheidung wartete, zog er mit seiner Familie in eine Geflüchtetenunterkunft in Selent (Kreis Plön). Zu dritt wohnten sie dort auf 20 Quadratmetern.

„Das war unglaublich beengt“, sagt der 51-Jährige. Arbeiten durfte er nicht, dafür half er der örtlichen Kirche jahrelang ehrenamtlich auf dem Friedhof, jeden Tag von 9 bis 16 Uhr. „Ich konnte nicht einfach so rumsitzen“, sagt er. Ein besonderes Highlight sei für ihn gewesen, als er und seine Frau sich offiziell christlich taufen lassen konnten.

Asylantrag wurde zunächst von Behörden abgelehnt

Dreieinhalb Jahre habe es gedauert, bis die Behörden schließlich eine Entscheidung trafen – und den Antrag ablehnten. Mithilfe eines Anwalts gewann er aber vor Gericht. Endlich habe er arbeiten dürfen, fing 2018 in Hamburg als Lieferfahrer für eine Bäckereikette an und zog mit Frau und Tochter in eine Wohnung in Rahlstedt. „Wir waren glücklich, endlich in Ruhe zu leben nach den vielen Jahren in der Unterkunft.“

Doch als die Firma 2022 insolvent ging, verlor er seine Arbeit. „Im Jobcenter habe ich dann darum gebeten, einen Busführerschein zu machen“, sagt A. Seine Ausbildung bei der Hochbahn schloss der 51-Jährige erfolgreich ab, ist seit September 2023 als Fahrer unterwegs. „Der Job macht mir viel Spaß. Ich fahre vor allem in ländlicheren Gegenden – da ist es immer sehr ruhig.“

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Seine Tochter ist inzwischen 18 Jahre alt und besucht die 10. Klasse. „Sie ist Deutsche, Hamburg ist für sie ihre Heimat“, sagt Najaf A.. Und auch für ihn ist die Hansestadt das geworden – in den Iran kann er nie wieder zurück.