Hamburg
HVV, Kliniken, Getränkemärkte: So ist die Hitzelage
Bis zu 38 Grad werden am Wochenende in Hamburg erwartet. Wie sich HVV, Bäderland, Kliniken und Veranstalter auf die Hitze vorbereitet haben – der MOPO-Überblick
Die Hitze hat Hamburg fest im Griff: Seit Tagen steigen die Temperaturen, am Wochenende könnten bis zu 38 Grad erreicht werden – ein Risiko für Mensch und Tier. Wie gut ist die Stadt auf die Herausforderungen vorbereitet?
Volle Notaufnahmen: Die Asklepios Kliniken rechnen in den kommenden Tagen wegen der Hitze mit mehr Patienten in den Notaufnahmen. „Unsere Notaufnahmen passen die Schichtbesetzung an, um auch ein erhöhtes Patientenaufkommen meistern zu können“, sagt Sprecher Dr. Franz Jürgen Schell auf MOPO-Nachfrage. Besonders gefährdet seien in der Hitze ältere Menschen, Kinder und chronisch Kranke. Die Notaufnahme sollte unter anderem bei folgenden Beschwerden aufgesucht werden: Bewusstseinstrübung, Verwirrtheit, Bewusstlosigkeit, sehr hohe Körpertemperatur, Schüttelfrost trotz Hitze, schwerer Kreislaufkollaps, Luftnot und anhaltendes Erbrechen.
Freibäder, kühle Orte: Wo in Hamburg Abkühlung gefunden werden kann
Ansturm auf Freibäder: Viele Hamburger suchen jetzt Abkühlung im Freibad. Bäderland verstärkt wegen des Andrangs die Dienste, sagt Sprecher Michael Dietel. Saunen und Warmwasser-Angebote haben deshalb bis einschließlich Montag hitzefrei. Besonders voll dürfte es im Kaifu-Bad (Eimsbüttel) werden. „Daher die Empfehlung, auch andere Bäder anzusteuern, um nicht am Ende in der 300 Meter langen Schlange zu stehen“, so Dietel. Die Freibäder Marienhöhe und Osdorfer Born bleiben am Wochenende eine Stunde länger geöffnet, bis 20 Uhr. An ausgewählten Standorten gibt es zudem kostenlosen Sonnenschutz.
Kühle Orte: Wer sich nach einer Abkühlung sehnt, sollte auch Einkaufspassagen aufsuchen. Die sechs Hamburger ECE-Center, darunter Europa Passage und Phoenix Center, seien durch abgestimmte Belüftung und Klimatisierung auf längere Hitzeperioden ausgelegt, so ein Sprecher. Besucher seien daher eingeladen, sich in den Centern von der Hitze zu erholen. Kühle Alternativen bieten auch das „Eismeer“ bei Hagenbeck und der Alte Elbtunnel: 24 Meter unter der Elbe herrschen dort konstant 16 Grad. Weitere Orte gibt es auf einer Online-Karte zu entdecken.
Ansturm auf Getränke- und Baumärkte
Ausreichend trinken: Bei den aktuellen Temperaturen ist es wichtig, viel zu trinken. Während aber alle in die Supermärkte stürmen, um sich mit Getränken auszustatten, kämpfen besonders die Filialen mit dem Ansturm. Der Getränkemarkt „Graeff“ in Altona kenne diesen zwar schon, jedoch seien diese Tage besonders extrem. Sechs Kisten Wasser würden hier im Durchschnitt pro Einkauf gekauft, so die Filiale. Schon jetzt sei man mit den beliebten Sorten im Engpass – wer Durst hat, müsse im Zweifel auf eine andere Marke ausweichen.
Ventilatoren & Co.: Die Hitze treibt die Hamburger in die Baumärkte. Klimaanlagen, Ventilatoren und Planschbecken sind vielerorts gefragt – teils schon ausverkauft. Im Obi Markt in Altona stehe man kurz vor dem Ausverkauf, Planschbecken gebe es dort bereits keine mehr. Auch im Hagebaumarkt Hummelsbüttel seien Klimaanlagen bereits seit Tagen vergriffen.
Halbmarathon, Harley Days und Stadtpark Open Air
Absage des Halbmarathons: Eigentlich hätten am Samstag 24.000 Läufer an den Start gehen sollen. Am Mittwochmittag beschloss der Veranstalter, wegen der Wetterprognose das Event abzusagen. „Die Entscheidung ist uns sehr schwer gefallen, aber wir müssen zuerst an die Teilnehmenden denken“, sagt Steven Richter, Geschäftsführer der BMS Die Laufgesellschaft mbH. Den wirtschaftlichen Schaden schätzt er auf mehrere Hunderttausend Euro. Der Lauf soll noch in diesem Jahr nachgeholt werden, die Terminfindung läuft bereits. Welche Wahlmöglichkeiten die angemeldeten Teilnehmer am Ende haben werden, steht noch nicht konkret fest: „Wir werden für alle eine faire Lösung finden“, verspricht Richter.
Harley Days: Von Freitag bis Sonntag rollen Tausende Biker zu den Harley Days auf das Großmarktgelände – mit glühenden Maschinen und in dicker Montur. Programmänderungen wegen der Hitze seien nicht geplant, sagt eine Sprecherin. Stattdessen sollen Wasserspender und zusätzliche Sonnensegel für Abkühlung sorgen. Auch Sonnencreme wird gratis verteilt. Geplant ist außerdem ein Pool in der „Men of Mayhem Area“. Die Gäste sollen regelmäßig über Hitzeschutzmaßnahmen und Notfalltelefonnummern informiert werden.
Stadtpark Open Air: Auf der Stadtparkbühne sind am gesamten Wochenende Konzerte geplant. Wegen der Hitze lockert der Veranstalter die Getränkeregeln: Konzertgäste dürfen PET-Flaschen, Tetra-Packs und Trinkflaschen mit Deckel bis 0,5 Liter mitbringen und an den Wasserhähnen im Sanitärbereich kostenfrei auffüllen.
Hitzefrei-Regeln und Arbeiten auf den Dächern Hamburgs
Regeln für die Schule: Volle Klassenzimmer bei brütender Hitze – eine feste Hitzefrei-Regel gibt es in Hamburg nicht. Die Entscheidung liegt bewusst bei den Schulleitungen. Ausschlaggebend ist, wie heiß es im jeweiligen Schulgebäude wird, was je nach Schule und Gebäudetyp variiert. An dieser Regel soll sich auch vorerst nichts ändern, sagt ein Sprecher der Schulbehörde. Wichtig für Eltern: Einfach nach Hause geschickt wird kein Kind. Die Schulen müssen eine Notfallbetreuung anbieten.
Arbeiten in der prallen Sonne: Besonders hart trifft die Hitze diejenigen, die auf Hamburgs Dächern arbeiten. „Wir versuchen, bei der Hitze so früh wie möglich anzufangen, um die kühlen Morgenstunden zu nutzen“, sagt Sidney von Schorlemer, Geschäftsführer eines Dachdecker-Betriebs in Bahrenfeld. In Altona sei das allerdings schwierig: „Viele Anwohner möchten am frühen Morgen nicht schon von Baulärm geweckt werden, deshalb können wir oft nicht eher starten.“ Unabhängig davon gilt auf den Baustellen: Sonnencreme, UV-Shirts und viel trinken. Auf Baustellen ohne Schatten ist bei der aktuellen Hitze oft schon um 14 Uhr Schluss.
Bahnfahren wird zur Hitzeprobe
Hitzeprobe in der S-Bahn: Zwar sind Hamburgs S-Bahnen mit Klimaanlagen ausgestattet, die ab 27 Grad herunterkühlen – doch besonders bei den älteren Modellen fehlen sie häufig. Dann kann sich ein Wagen schon mal auf bis zu 36 Grad aufheizen, wie ein MOPO-Test ergab. Erkennen lassen sich die 112 alten Züge der Baureihe 474 daran, dass sie in drei separate Wagen unterteilt sind. Die 82 neueren Züge der Baureihe 490 sind dagegen durchgängig begehbar. Kleiner Trost in den alten Bahnen: Dort lassen sich immerhin die Fenster öffnen.
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Bewusster Umgang mit Wasser: Die Umweltbehörde ruft die Hamburger zum bewussten Umgang mit Trinkwasser auf. Gärten und Balkonpflanzen sollten früh morgens oder spät abends gewässert werden, Rasensprenger besser ausbleiben. Auch aus kleinen Gewässern sollte wegen des niedrigen Sauerstoffgehalts kein Wasser entnommen werden. Umweltsenatorin Katharina Fegebank (Grüne) warnt zudem vor Waldbrandgefahr – und vor dem Baden in der Elbe: Strömungen und Schiffsverkehr machen das Schwimmen dort „schlicht und einfach lebensgefährlich“. Auch in anderen nicht ausgewiesenen Badegewässern sei Vorsicht geboten.
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