Hunderte Millionen Euro: Jetzt scheint die Stadt wirklich beim Elbtower einzusteigen

Elbtower-Baustelle
Fast 100 Meter hoch ist der „Stummel“ des Elbtowers an den Elbbrücken.

Halbfertig steht er da: Der Elbtower in der HafenCity fristet seit fast zwei Jahren ein trauriges Dasein als Bauruine. Seit der Pleite des Immobilienmoguls René Benko ruht die Baustelle, einige der roten Kräne wurden bereits abgebaut. Doch die Chancen auf eine Fertigstellung steigen wieder – vor allem, weil die Stadt plant, dort das neue Naturkundemuseum unterzubringen. Dem Deal scheint kaum noch etwas im Weg zu stehen.

Elbtower: Zieht das städtische Naturkundemuseum ein?

Offen sind offenbar nur noch Details. Nach MOPO-Informationen wird der Plan, das Naturkundemuseum in den ersten drei Etagen des Elbtowers unterzubringen, immer konkreter. Aus Rathauskreisen heißt es, die Sammlung mit Millionen von Objekten sowie Labore und Büros ließen sich problemlos in den Räumen unterbringen. Auch die Statik sei geprüft – nun gehe es vor allem um die Finanzierung.

Stadt favorisiert Kauf statt langfristiger Miete

Der Senat bevorzugt den Kauf der rund 60.000 Quadratmeter in dem Gebäude – ähnlich wie bei einer Eigentumswohnung – statt eines Mietvertrags. Vorteil: keine steigenden Mietkosten und zugleich eine Beteiligung an einer möglichen Wertsteigerung der Immobilie. Zudem wäre ein kompletter Museumsneubau noch deutlich teurer, heißt es in Senatskreisen.

Allein die Mietkosten für das Museum im Elbtower werden aktuell auf 500 Millionen Euro für 20 Jahre geschätzt, eine Beteiligung käme die Stadt deutlich billiger. Laut „Bild“ ist aktuell von einer Investition von rund 200 Millionen Euro die Rede.

Offizielle Bestätigung des Senats steht weiter aus

Offiziell bestätigt der Senat die Pläne noch nicht. Zwar wird auch das ehemalige „Gruner & Jahr“-Verlagsgebäude am Baumwall als möglicher Standort geprüft. Doch gilt es als wenig geeignet – für eine Forschungseinrichtung von Weltniveau sei es kaum die erste Wahl.

Blick in die einzigartige naturkundliche Sammlung, die sich derzeit noch an der Bundesstraße in Rotherbaum befindet
Blick in die einzigartige naturkundliche Sammlung, die sich derzeit noch an der Bundesstraße in Rotherbaum befindet.

Die Leibniz-Gemeinschaft, die Universität und die Stadt hatten im Jahr 2020 vereinbart, dass bis voraussichtlich 2027 in Hamburg ein neues Naturkundemuseum entstehen soll. Mit seiner rund zehn Millionen Objekte umfassenden Sammlung aus dem Centrum für Naturkunde wäre es das drittgrößte Forschungsmuseum Deutschlands. Derzeit lagern die Exponate provisorisch auf dem Uni-Gelände.

Verhandlungen mit Bauunternehmer Dieter Becken laufen

Auch Bauunternehmer Dieter Becken bestätigt der MOPO, dass die Verhandlungen bezüglich des Naturkundemuseums gut vorangehen, er erhoffe sich einen „kurzfristigen Erfolg“. Becken verhandelt seit Monaten exklusiv mit dem Insolvenzverwalter des Elbtowers und hat zugesichert, den Bau gemeinsam mit Investoren wie Milliardär Klaus-Michael Kühne fertigstellen zu können.

Klappt alles wie geplant, würde die Stadt zunächst eine formale Absicherung an Becken ausstellen, dass sie in den Elbtower einziehen will. Nach einer Übernahme durch Becken könnte dann der offizielle Vertrag folgen.

Elbtower: Linke kritisiert geplanten Einstieg der Stadt

Angeschoben wurde das Mega-Projekt Elbtower vor sieben Jahren von dem inzwischen im Knast sitzenden Immobilien-Jongleur René Benko und dem damaligen Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz (SPD). Seit Herbst 2023 liegt der Bau jedoch still. Der Rohbau brachte es nur auf etwa 100 der geplanten 245 Meter Höhe, bevor Benkos Signa-Gruppe Insolvenz anmelden musste.

Die Linke kritisiert den Einstieg der Stadt mit deutlichen Worten. Stadtentwicklungs-Sprecher Marco Hosemann: „Mit ihrer Entscheidung, einen windigen Spekulanten wie René Benko das Gebäude bauen zu lassen, haben SPD und Grüne schon genug Schaden für unsere Stadt angerichtet. Was sie aber offenbar nicht daran hindert, sich jetzt schon wieder der privaten Immobilienwirtschaft als Handlanger anzudienen. Es gibt keinen vernünftigen Grund, Flächen im Elbtower für das Naturkundemuseum zu kaufen!“

Halbfertig steht er da: Der Elbtower in der HafenCity fristet seit fast zwei Jahren ein trauriges Dasein als Bauruine. Seit der Pleite des Immobilienmoguls René Benko ruht die Baustelle, einige der roten Kräne wurden bereits abgebaut. Doch die Chancen auf eine Fertigstellung steigen wieder – vor allem, weil die Stadt plant, dort das neue Naturkundemuseum unterzubringen. Dem Deal scheint kaum noch etwas im Weg zu stehen.