Horrende Preise, Mini-Zimmer: „Ich wusste nicht, was ich tun sollte“

Das Wohngebäude von Stacey steht in der Dorotheenstraße in Winterhude.
Das Wohngebäude von Stacey steht in der Dorotheenstraße in Winterhude.

Ein Bett, eine Kommode – und dann ist das Zimmer schon so gut wie voll: In fast allen innerstädtischen Hamburger Stadtteilen vermietet die Firma Stacey ihre möblierten WG-Zimmer. Die älteste von diesen Wohnanlagen befindet sich seit 2019 in der Dorotheenstraße in Winterhude. Die Preise haben es in sich, die große Gemeinschaftsküche erinnert währenddessen an eine Legehennenbatterie.

Mitten im Villenviertel, in der Nähe der Alster, steht ein eigentlich unauffälliges, weißes Wohnhaus – wäre da nicht das riesige, pinkfarbene Schild, das an der Fassade hängt: „Stacey Mühlenkamp“ steht dort, mit weißen Buchstaben drauf. Dahinter steckt die „älteste und größte Wohnanlage“ des Unternehmens, wie Stacey auf seiner Website beschreibt. Der „place to be in Hamburg“!

Möblierte WG-Zimmer für 1000 Euro im Monat

Das kleinste Zimmer, das dort vermietet wird, (das so klein ist, dass nicht einmal die Quadratmeterzahl angegeben wird), kostet 695 Euro im Monat. Für acht Quadratmeter werden schon 895 Euro im Monat fällig und für das „Premium“-Angebot mit einer Größe von zwölf Quadratmeter verlangt das Unternehmen dann fast 1000 Euro.

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Die ehemalige Mieterin Laura Kaiser (*Name geändert) entschied sich im August 2025 für das „Mighty“-Angebot, also 895 Euro pro Monat. Sie fing zu der Zeit einen neuen Job in Hamburg an, eine eigene Wohnung oder nur ein WG-Zimmer hatte sie allerdings nicht gefunden. Der Vorteil bei Stacey: Im Gegensatz zum Rest des Wohnmarktes bekommt man dort relativ schnell und unkompliziert eine Unterkunft. „Ja, der Preis ist sehr teuer, aber ich wusste nicht, was ich tun sollte“, erzählt die 21-Jährige.

Für das 12 Quadratmeter große Zimmer verlangt Stacey fast 1000 Euro im Monat.
Für das 12 Quadratmeter große Zimmer verlangt Stacey fast 1000 Euro im Monat.

„Die Küche teilst du dir mit etwa drei weiteren Personen“, hieß es in der Bestätigungs-Mail von Stacey, die der MOPO vorliegt. „Das war etwas untertrieben“, sagt Kaiser ironisch. „In der Wohnung gab es nämlich gar keine Küche, stattdessen musste ich ins Erdgeschoss des Gebäudes gehen.“ Dort war laut der Website des Unternehmens früher ein Elektrikerbüro untergebracht – heute sind dort auf 150 Quadratmetern die Gemeinschaftsflächen eingerichtet.

Diese bestehen aus zwei rosa Sofas, dem Wäscheraum, einem Arbeitsraum mit Schreibtisch und dem Herzstück: zwei Küchenflächen. „Die sind für 40 bis 50 Leute gedacht“, sagt die 21-Jährige. An der Wand sind die einzelnen Fächer von allen Bewohnern angebracht. Dort werden Nudeln, Gemüsebrühe oder Toast gelagert. „Die Fächer lassen sich allerdings nicht abschließen, deshalb habe ich da eigentlich nur ungern etwas gelassen“, so Kaiser. Das Gleiche gelte für die nebeneinander aufgebauten Kühlschränke.

„Die meisten bestellen sich ihr Essen“, erzählt eine andere Bewohnerin. „An sich ist die Küche sehr schön und modern, aber man weiß halt nie, wann sie frei ist, und dann dauert das ewig.“

Stacey erklärt auf MOPO-Nachfrage, dass die Zimmerpreise eine „All-Inclusive Miete“ seien und Möblierung, Ausstattung, sämtliche Nebenkosten, Strom, Heizung, Internet und Reinigung umfassten. „Zusätzlich bieten wir unseren Bewohnern freiwillige Community-Events an.“ Warum sich Kaiser die Küche mit 40 statt mit drei Personen teilen musste, beantworten sie nicht. Genauso wenig, wie viele Zimmer es eigentlich insgesamt dort gibt.

So funktioniert das möblierte Modell von Stacey in Hamburg

Eigentümer des Gebäudes ist nicht Stacey selbst, sondern ein anderes Wohnungsunternehmen mit Sitz in der HafenCity. Ebenfalls im Portfolio des Geschäftsführers: das Gebäude Bei der Apostelkirche 13 in Eimsbüttel, das die Firma 2019 übernommen hat. Seitdem wurden dort zwei der zehn Wohnungen nach Auszug der langjährigen Mieter zu möblierten WGs umgebaut – die jetzt ebenfalls von Stacey vermietet werden. Zufall scheint das nicht zu sein: Immerhin teilen sich Stacey und das andere Wohnungsunternehmen nicht nur ein Büro, das besagte Wohnungsunternehmen ist auch Gesellschafter bei Stacey.

Die angebotenen Preise, wie fast 1000 Euro für zwölf Quadratmeter, sind bislang völlig legal – dank eines Schlupfloches im Gesetz. Zwar gilt die Mietpreisbremse auch für möblierte Wohnungen, aber sobald dort ein Bett steht, kann der Vermieter den „Möblierungszuschlag“ verlangen. Dieser muss nicht extra aufgeführt werden, sodass im Dunkeln bleibt, wie hoch die eigentliche Miete ohne Möbel ist.

Einen Hamburger Gesetzentwurf, der Vermieter dazu verpflichtet, den „Möblierungszuschlag“ offenzulegen, beschloss der Bundesrat schon einmal im Juni 2023. Seitdem versauerte das Papier in der Schublade des ehemaligen Bundesjustizministers Marco Buschmann (FDP). Hamburgs Bausenatorin Karen Pein (SPD) hofft, mit der neuen Regierung das Gesetz endlich umzusetzen.

Ein Bett, eine Kommode – und dann ist das Zimmer schon so gut wie voll: In fast allen innerstädtischen Hamburger Stadtteilen vermietet die Firma Stacey ihre möblierten WG-Zimmer. Die älteste von diesen Wohnanlagen befindet sich seit 2019 in der Dorotheenstraße in Winterhude. Die Preise haben es in sich, die große Gemeinschaftsküche erinnert währenddessen an eine Legehennenbatterie.