Holocaust-Leugner: Wie ich Hamburger Neonazis auf den Leim ging

Die „Eselaktion“ in St. Georg. Im Kneipeneingang steht Michael Kühnen und gibt Anweisungen.
Die „Eselaktion“ in St. Georg. Im Kneipeneingang steht Michael Kühnen und gibt Anweisungen.

Die „Eselskopf-Aktion“ von Hamburger Neonazis 1978 in St. Georg machte weltweit Schlagzeilen. Der ehemalige Bundeswehr-Leutnant Michael Kühnen hatte damals drei Demonstranten aufmarschieren lassen, die Eselsmasken trugen und Schilder umgehängt hatten: „Ich Esel glaube noch, daß in deutschen KZs Juden vergast wurden.“ Ich war dabei und ärgere mich heute, wie dieses Häuflein Nazis damals die Medien benutzt hat, um Aufmerksamkeit zu bekommen.

Zunächst einmal zu Michael Kühnen, dem „Anführer“ dieser Neonazis. Der 1955 in Bonn-Beuel geborene Kühnen studierte ab 1974 an der Hamburger Hochschule der Bundeswehr und wurde 1977 als Leutnant wegen rechtsextremistischer Betätigung entlassen. 1977 hatte er den „SA-Sturm Hamburg“ und wenig später die „Aktionsfront Nationaler Sozialisten” (ANS) gegründet.

Hamburg: Wie ich Neonazis auf den Leim ging

Die etwa 30-köpfige Nazi-Gruppe marschierte mehrfach durch St. Georg und die Hamburger Innenstadt. Einige Mitglieder trugen dabei Uniformen, die denen der Nazi-Zeit ähnelten. So hatte einer der Neonazis eine Uniform an, die der Jacke eines SS-Sturmführers glich, und lief damit über die Kirchenallee. Ich machte damals für die MOPO Fotos von dem lachenden Mann und der fragte nach meiner Telefonnummer. Ab da wurde ich von der ANS über bevorstehende Aktionen informiert.

Mann in grüner Jacke
Als Polizeireporter war MOPO-Urgestein Thomas Hirschbiegel (64) ein harter Hund. Doch manchmal wurde es persönlich. Diese Einsätze gingen ihm nah.

Ich habe damals nicht darüber nachgedacht und mich nur über die exklusiven Fotos gefreut. Nach den Bildern fragte bald sogar der „Stern“ und druckte drei Hochglanzseiten. Ich traf Michael Kühnen und drei seiner Gesinnungsgenossen in seiner kleinen Tonndorfer Wohnung und das Quartett, das Braunhemden trug, riss vor meiner Kamera den rechten Arm in die Höhe.

Ich bin nicht stolz auf diese Bilder

Im Mai 1978 dann die unsägliche „Eselsmaskenaktion“ am St. Georgs Kirchhof. Bezeichnenderweise fand der kleine Aufmarsch vor einer Bierpinte mit dem Namen „Endstation“ statt.

Ich und noch ein paar Kollegen fotografierten also wieder, auch ein TV-Team vom NDR war von den Nazis „bestellt“ worden. Ich hab damals einige Fotos an eine Fotoagentur verkauft und sie werden bis heute weltweit in Schulbüchern und anderen Publikationen gedruckt. Heute bin ich aber alles andere als stolz auf diese Bilder. Ich hab mich von diesen Typen benutzen lassen und durch die Publikationen wirkte es, als hätten Kühnen und seine Leute eine Bedeutung, die sie niemals hatten.

Nazi drückte mir eine scharfe Patrone in die Hand

Was für ein mehr als schräges Milieu das vor 46 Jahren war, zeigt ein Erlebnis nach dem Fototermin. Die Neonazis trafen sich danach im Lokal „Egerländer“ und einer von ihnen drückte mir dort verschwörerisch etwas in die Hand – es war eine scharfe Neun-Millimeter-Patrone. Ich verstand die Geste nicht und warf das Teil nach der Aktion in die Alster.

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Jahre später fielen Mitglieder der ANS sogar im rechtsterroristischen Bereich auf. Einer sprengte sich beim Hantieren mit einer Handgranate in die Luft, bei anderen wurden Waffenlager ausgehoben. Der ANS-„Führer“ Michael Kühnen starb 1991 an Aids.

Die „Eselskopf-Aktion“ von Hamburger Neonazis 1978 in St. Georg machte weltweit Schlagzeilen. Der ehemalige Bundeswehr-Leutnant Michael Kühnen hatte damals drei Demonstranten aufmarschieren lassen, die Eselsmasken trugen und Schilder umgehängt hatten: „Ich Esel glaube noch, daß in deutschen KZs Juden vergast wurden.“ Ich war dabei und ärgere mich heute, wie dieses Häuflein Nazis damals die Medien benutzt hat, um Aufmerksamkeit zu bekommen.