Hohe Energiepreise? Dieser Stadtteil kann künftig auf Putin und Co. pfeifen
Bis zu 15.000 Menschen sollen einmal in Hamburgs 105. Stadtteil Oberbillwerder leben. Hinzu kommen 5000 Arbeitsplätze. Und das alles auf der Grünen Wiese. Sehr ökologisch klingt das nicht, um so nachhaltiger soll nun aber die Wärmeerzeugung für das Quartier sein. Die Stadt verspricht: In Oberbillwerder muss fürs Duschen, Abwaschen und Heizen keine Kohle, kein Öl und kein Erdgas verbrannt werden. Gerade in Angesicht des Krieges und der steigenden Energiepreise macht das Mut.
„Die Wärmeversorgung ist ein Schlüsselbereich in Sachen Klimawandel“, sagt Umweltbehörden-Staatsrat Michael Pollmann. „Und sie wird derzeit zu weiten Teilen quasi importiert. Davon müssen wir uns unabhängig machen.“
Pollmann spielt dabei auf die derzeit schmerzhaft zu spürende Abhängigkeit von Russland an. Wer einmal in Oberbillwerder wohnt, für den sollen solche Zwänge kein Thema mehr sein. Damit ist es allerdings erst ab 2027 soweit, dann ziehen die ersten Bewohner ein.
Oberbillwerder: Wo Hamburg sich komplett allein mit Energie versorgt
Oberbillwerder soll einmal zu 100 Prozent mit regenerativer Wärme versorgt werden. Und das auch noch vollständig aus städtischer Hand. Wenn Bewohner des neuen Stadtteils im Osten der Stadt im Winter ihre Heizung aufdrehen, dann stammt das heiße Wasser in den Rohren in erster Linie aus Abwasserwärme.
Denn die zentrale Abwasser-Wärmeleitung von „Hamburg Wasser“ mit dem verbrauchten Heißwasser aus ganz Bergedorf fließt über Oberbillwerder Richtung Hafen und kann optimal „angezapft“ werden. Dafür bekommt der Stadtteil ein eigenes zentrales Wärmenetz mit einer Länge von fast zehn Kilometern, das die Wärme verteilt. Die Leitungen werden ab 2023 gebaut. 2027 sollen die ersten Bewohner versorgt werden.
Außerdem werden auch Luft-Wärme-Pumpen eingesetzt. Sie nutzen die Umgebungsluft zum Heizen und/oder zur Aufbereitung von Warmwasser. Im Winter brauchen sie recht viel Strom, weil die Außentemperatur niedrig ist.
Der Strom für die benötigten Wärmepumpen kommt von Photovoltaik-Anlagen im Quartier. Im Winter kann es allerdings zeitweise zu besonders hohen Heiz-Bedarfen kommen. Um diese Spitzen zu versorgen, wird es auch weiterhin bis zu maximal 20 Prozent Energie über Verbrennungsprozesse geben müssen. „Dann nutzen wir aber keine fossilen Brennstoffe, sondern Biogas“, sagt Joel Schrage. Er ist Geschäftsführer der städtischen Tochter Kommunalpartner Hamburg GmbH, die das Energie-Projekt umsetzen.
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Ein für die Mieter und Wohnungseigentümer vor Ort nicht unwichtiger Aspekt: Die regionale Wärmeversorgung ohne fossile Brennstoffe macht sehr unabhängig von knappen Ressourcen und steigenden Energiepreisen. So verspricht IBA-Chefin Karen Pein: „Das Konzept sorgt für Preisstabilität, die monatlichen Wärmekosten liegen unter 40 Cent pro Quadratmeter.“ Und es fällt natürlich auch keine CO₂-Abgabe für fossile Brennstoffe an.