Hoffnung auf Frieden? Das sagen Ukrainer aus Hamburg

Ukrainerin Olena Savkovych (38) auf einer Demo in Hamburg
„Es geht hier um unsere Weltordnung“: Ukrainerin Olena Savkovych kämpft für ihre Heimat.

Eine Friedenslösung ist noch längst nicht in Sicht. Doch US-Präsident Donald Trump will den Krieg in der Ukraine beenden und führt dazu Gespräche mit beiden Seiten. Die in Hamburg lebenden Ukrainer, die nach Kriegsausbruch ihre Heimat verlassen haben, beäugen den Prozess misstrauisch.

Stanislav Aseyev hat am eigenen Leib erfahren, wozu die Russen fähig sind. Der 36-jährige Journalist saß in einem russischen Folterknast, weil er über die Geschehnisse im Donbas geschrieben hatte. Er wurde mit Stromschlägen malträtiert und erlebte schlimme Verletzungen, körperlich wie seelisch, bevor es ihm gelang, nach Hamburg zu flüchten. Für Aseyev ist Russland eine „faschistische Diktatur“, mit der man nicht verhandeln kann.

Journalist Aseyev: „Krieg ist für Putin und sein Regime ein Mittel zur territorialen Expansion“

„Trumps Initiative zeigt, dass seine Regierung absolut keine Ahnung von der heutigen Situation in Russland hat“, sagt Aseyev, der aus Donezk stammt. „Die Natur dieses Krieges liegt darin begründet, dass in Russland eine faschistische Diktatur errichtet wurde. Krieg ist für Putin und sein Regime ein Mittel zur territorialen Expansion.“

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Es gehe nicht um den Donbass, bestimmte Dörfer oder Städte, sondern um die Zerstörung der Ukraine als Staat. Wenn die ukrainischen Streitkräfte sich zurückziehen müssten, würde das Land seine am stärksten befestigte Frontlinie sowie Industriegebiete, Fabriken und Städte verlieren. Folge: „Letztendlich wird das zu einem noch größeren Krieg führen“, prophezeit Aseyev.

der ukrainische Journalist Stanislav Aseyev
Er entkam dem russischen Folterknast: der ukrainische Journalist Stanislav Aseyev

Alle Verhandlungspositionen in Bezug auf territoriale Zugeständnisse sind für ihn daher nur Augenwischerei, mit der die Russen den Krieg verlängern und ihre wahren Ziele verschleiern wollten. Auch die Europäer fallen aus Aseyevs Sicht wie die Amerikaner auf die russische Propaganda herein, was nach seiner Interpretation auf das Trauma des Zweiten Weltkriegs zurückzuführen sei. „Der Putin-Kult, die vollständige Verschmelzung von Medien, Politik und Sicherheitsdiensten, die Aggression gegenüber Nachbarn, der Chauvinismus und die ,russische Welt‘ als Lebensraum, der expandieren muss, lassen keinen Raum für einen friedlichen Kompromiss“, sagt Aseyev. Gerade die Europäer sollten das besser verstehen.

Der Krieg könne nicht durch „Trumps Taschenrechner“ beendet werden, so Aseyev. „Ich setze meine Hoffnung nur auf die ukrainische Armee – sie ist tatsächlich die einzige Hoffnung für uns alle.“

Informatikerin Olena Savkovych: „Russland darf keinen Millimeter ukrainisches Land bekommen!“

Auch die aus Charkiw stammende Ukrainerin Olena Savkovych ist gegen territoriale Zugeständnisse: „Russland darf keinen Millimeter ukrainisches Land bekommen!“, betont die 40-Jährige. Das würde von Russland nur als „Einladung für weitere Eroberungskriege“ interpretiert. Außerdem würde die europäische Friedensordnung untergraben. „Die Grenzen dürfen nicht durch Gewalt verschoben werden. Ein Angriffskrieg darf auf gar keinen Fall belohnt werden“, sagt die in Hamburg lebende Informatikerin.

Olena Savkovych am Hamburger Hauptbahnhof
Die Informatikerin Olena Savkovych kämpft von Hamburg aus für die Ukraine.

Die von Trump angestoßenen Gespräche sind für Olena Savkovych eine Enttäuschung. „Russische Maximalforderungen werden als Friedensplan verkauft“, empört sich die IT-Expertin. Und die überfallene Ukraine werde unter Druck gesetzt, Territorien abzugeben und die Armee zu reduzieren, obwohl sie doch das Opfer sei. „Das ist absolut unlogisch!“, meint Savkovych. Die Bemühungen müssten sich vielmehr gegen den Aggressor richten. „Auf Russland wird aber kein Druck ausgeübt. Ich habe den Eindruck, dass für Trump nicht der nachhaltige gerechte Frieden wichtig ist, sondern Geschäfte mit Russland. Das ist traurig“, so Savkovych.

Von den Europäern wünsche sie sich, dass man „sich noch stärker für die Ukraine einsetzt, weitere Sanktionen umsetzt und auf jede Form von Business mit Russland verzichtet“.

Veteranen-Sprecherin Kateryna Rumyantseva: „Ich wünsche mir einen gerechten und dauerhaften Frieden“

Kateryna Rumyantseva, die in Hamburg als Sprecherin für den Bund ukrainischer Veteranen und Familien auftritt, hat noch Hoffnung. „Hoffnung habe ich immer, wenn über Frieden gesprochen wird“, sagt die 32-jährige Wirtschaftsjuristin, die ebenfalls aus Charkiw stammt und eine ukrainische Mutter sowie einen russischen Stiefvater hat.

Kateryna Rumyantseva in der Hamburger Speicherstadt
Die Wirtschaftsjuristin Kateryna Rumyantseva hofft auf einen dauerhaften Frieden in ihrer Heimat.

Ihr richtiger Vater sei erst vor Kurzem verletzt aus dem Militärdienst zurückgekehrt. „Ich habe am eigenen Leib erlebt, wie brutal dieser Krieg ist.“ Für Rumyantseva bedeuten die von Trump initiierten Verhandlungen daher: „Jede politische Bewegung in Richtung Sicherheit und echter Stabilität betrifft unmittelbar die Menschen, die ich liebe.“

Für Rumyantseva ist eins ganz klar: Die Ukraine darf nicht unter Druck gesetzt werden. „Ein echter Frieden kann nur entstehen, wenn die Ukraine souverän bleibt und wenn Sicherheitsgarantien verlässlich und durchsetzbar sind“, betont sie. Alles, was aktuell nach einem „Schnellfrieden“ klinge, macht die 32-Jährige skeptisch.

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Auch territoriale Zugeständnisse kommen für sie keinesfalls infrage, denn das wäre nur ein Signal an Russland und an die Welt, dass Aggression funktioniere. Und: „Ich könnte es weder moralisch noch persönlich akzeptieren, dass Millionen Menschen in den besetzten Gebieten aufgegeben werden sollen“, so Rumyantseva. Es gebe genügend Berichte über dort verübte Grausamkeiten seitens der Russen. „Ich weiß, wie Menschen dort behandelt werden, in z.B. Filtrationslagern. Niemand darf gezwungen werden, unter einer Besatzung zu leben, die Folter, Unterdrückung und Deportationen einschließt.“

Rumyantsevas Wunsch: „Ich wünsche mir einen gerechten und dauerhaften Frieden. Keinen, der nur auf dem Papier steht. Ich wünsche mir, dass meine Familie und alle Menschen in der Ukraine endlich ohne Angst leben können.“