Hochbahn, VHH und Co: Warum schon bald neue Streiks drohen

Am vergangenen Wochenende streikten sowohl die Beschäftigen der Hochbahn als auch der VHH.
Am vergangenen Wochenende streikten sowohl die Beschäftigen der Hochbahn als auch der VHH.

Dreimal rief Verdi im Februar zum Streik auf – und jedes Mal traf es den Hamburger Nahverkehr empfindlich. Bei der Hochbahn und den Verkehrsbetrieben Hamburg-Holstein (VHH) standen Busse und U-Bahnen teils über Tage still, zuletzt am Wochenende. Grund sind die anscheinend festgefahrenen Tarifverhandlungen. Ein Verdi-Vertreter beobachtet auf Arbeitgeberseite mehr Blockade als sonst. Für Fahrgäste heißt das: Die nächsten Streiks könnten näher sein, als vielen lieb ist.

Zusammenfassung:

  • Drei Streiks im Februar: Verdi legte Busse und U-Bahnen bei Hochbahn und VHH mehrfach lahm. Die Tarifverhandlungen gelten als festgefahren.

  • Streit um mehr Geld: Verdi fordert 7,5 Prozent mehr Lohn sowie Vorteile für Azubis. Das Angebot der Hochbahn liegt deutlich darunter.

  • Schwierige Verhandlungen: Hohe Schulden und Sparkurs setzen die Hochbahn unter Druck – weitere Streiks sind möglich.

Seit Sonntagmorgen um 3 Uhr fahren die U-Bahnen und Busse in Hamburg wieder – vorerst. Denn der Weg zu einer Tarifeinigung könnte noch lang sein.

Das fordert die Gewerkschaft für Hochbahn-Beschäftigte

Die Gewerkschaft Verdi fordert für Hochbahn-Beschäftigte eine Lohnsteigerung von 7,5 Prozent, Azubis sollen zudem einen Mietkostenzuschuss in Höhe von 200 Euro pro Monat erhalten. Dazu kommen die Kostenübernahme des Deutschlandtickets sowie eine mögliche Altersteilzeitregelung.

Das Angebot der Hochbahn ist davon allerdings noch weit entfernt: 2,1 Prozent mehr Lohn sollen die Beschäftigten zum 1. Juni 2026 bekommen und noch einmal 2,1 Prozent zum 1. Januar 2028. Zudem entspreche die künftig sinkende wöchentliche Arbeitszeit umgerechnet einer weiteren Lohnerhöhung.

Verdi sieht mehr „Verweigerung“ als sonst bei Gesprächen

Bei den vergangenen Verhandlungen sind sich beide Fronten nicht wirklich nähergekommen. „Wir stellen auf jeden Fall mehr Verweigerung als sonst auf der Arbeitgeberseite fest“, sagt Gabriel Arndt, der für Verdi die Verhandlungen führt. „Das liegt daran, dass die Stadt sehr genau darauf guckt, wie die Personalkosten nach einem Abschluss steigen würden. Die wollen das anscheinend ordentlich nach unten drücken.“

Den gleichen Eindruck hat Verdi-Gewerkschaftssekretär Domenico Perroni, der die Verhandlungen bei der VHH führt. Hier geht es seit November hauptsächlich um kürzere Schichten und weniger Wochenarbeitsstunden. „Es waren freundliche Verhandlungen, aber ohne Angebot“, resümiert er. „Im Hintergrund sitzt metaphorisch Andreas Dressel, der das Ganze absegnet.“ Eine derartige „Verweigerungshaltung“ sei neu.

Sowohl die Hochbahn als auch die VHH gehören der Stadt Hamburg. Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) hatte die Stadt zuletzt auf einen Sparkurs eingeschworen, der Doppelhaushalt 2027/2028 stehe vor „besonderen Herausforderungen“. Zudem kostet der kürzliche Tarifabschluss für Angestellte im öffentlichen Dienst die Stadt in den nächsten Jahren mehr als 1,6 Milliarden Euro.

Schulden bei der Hochbahn sind immens gewachsen

Dazu kommt, dass vor allem bei der Hochbahn die Schulden extrem gewachsen sind. Besonders deutlich wird die Entwicklung anhand des Kostendeckungsgrades. Dieser wird in Prozent angegeben und bedeutet, wie viel die Hochbahn von ihren Ausgaben durch eigene Einnahmen (zum Beispiel Tickets) wieder reinholen konnte. 2017 lag dieser Grad noch bei 92,9 Prozent, sank über die Jahre allerdings auf inzwischen 67,6 Prozent.

Den Rest gleicht die Stadt aus: Musste sie 2017 noch 44,8 Millionen dazugeben, werden es in diesem Jahr voraussichtlich 390 Millionen Euro sein.

Ein treibender Kostenfaktor für die Hochbahn sind weiterhin die E-Busse. Dazu kommen die neuen, halbautomatischen Betriebssysteme für die U2- und U4-Züge, die vollautomatischen U5-Züge sowie die seit Corona und dem Ukraine-Krieg erhöhten Energie- und Spritpreise. Gleichzeitig senkt das von Bund und Ländern finanzierte Deutschlandticket die Ticketeinnahmen bei den Verkehrsunternehmen.

„Die Kolleginnen und Kollegen bekommen doch mit, dass für teure Prestigeprojekte Geld da sein soll, für ihre Löhne aber nicht“, argumentiert Gewerkschaftsvertreter Arndt.

Die Hochbahn hat Hunderte U-Bahnzüge bestellt, die autonom fahren können.
Die Hochbahn hat Hunderte U-Bahnzüge bestellt, die autonom fahren können. Sie sollen auf der neuen U-Bahn-Linie U5 zum Einsatz kommen.

„Die Tarifverhandlungen sind angesichts der wirtschaftlichen Verantwortung der Hochbahn gegenüber der Stadt anspruchsvoll“, sagt eine Sprecherin der Hochbahn. „Gleichzeitig wollen wir unseren Mitarbeitern künftig weiterhin ein gutes, sicheres und zukunftsgerichtetes Arbeiten ermöglichen.“

Tarifverhandlungen gehen bald weiter – Streiks drohen

Am Donnerstag treffen sich Verdi und die Hochbahn wieder am Verhandlungstisch. „Dadurch, dass wir so weit auseinander sind, bin ich skeptisch, dass es zu einer schnellen Einigung kommt“, sagt Gewerkschaftsvertreter Gabriel Arndt. Mit weiteren Streiks müsse also gerechnet werden.

Bei den VHH gehen die Verhandlungen erst am 13. März weiter. „In der kommenden Runde wird die VHH ein Angebot vorlegen. Wir legen Wert darauf, dass offene Fragen sachlich und konstruktiv am Verhandlungstisch geklärt werden – nicht in der öffentlichen Debatte“, sagt eine Sprecherin. Die von Verdi vorgeworfene „Verweigerungshaltung“ gebe es nicht, man gehe optimistisch in die nächste Verhandlungsrunde.