Als die Katzen auf dem Müllberg Hamburg zur Musicalstadt machten
Es ist der 18. April 1986. An diesem Abend strömen die Menschen ins Operettenhaus am Spielbudenplatz – Damen im langen Kleid, Herren im dunklen Anzug. Sie sind gekommen, um Schauspieler in Katzenkostümen zu sehen, die sich auf einem Müllberg versammeln und dort den Jellicle Ball feiern – ein nächtliches Ritual, bei dem jede Katze ihre Geschichte erzählt und auf ein neues Leben hofft. Zur Musik von Andrew Lloyd Webber treten Rum Tum Tugger, Grizabella, Rumpleteazer und Mungojerrie auf. Kaum jemand im Publikum ahnt, dass an diesem Abend Geschichte geschrieben wird.
Musicals hat es in Hamburg schon vorher gegeben. 1968 begeistert „Anatevka“ das Publikum. Rund 150.000 Besucher kommen damals ins Operettenhaus – ein Rekord. Auch „Heimweh nach St. Pauli“ findet 1962 großen Anklang – mit Freddy Quinn in der Hauptrolle, dem großen Star jener Zeit. Und 1971 sorgt „Oh! Calcutta!“ für Empörung: Vor dem Operettenhaus protestieren konservative und kirchliche Gruppen gegen Nacktszenen auf der Bühne. Aufmerksamkeit bekommt das Genre also schon früh. Doch erst mit „Cats“ beginnt der eigentliche Aufstieg Hamburgs zur Musicalhauptstadt.
- Deutsch (Deutschland)
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