Ein grauenhaftes Liebespaar: Der Nazirichter und die Kindermörderin
Rahlstedt, Anfang der 1960er Jahre. Im Haus Amtsstraße 2 lebt damals ein Paar, das auf den ersten Blick unauffällig wirkt. Er: ein kranker pensionierter Richter. Sie: eine beliebte Kinderärztin. Anständige Leute, so denken damals die meisten. Doch wer um die Lebensgeschichten von Walter Tyrolf und Ingeborg Wetzel weiß, sieht in ihrer Ehe mehr als eine private Verbindung. Sie ist ein Sinnbild für das große Schweigen nach 1945, für das Versagen der Justiz und ein Beispiel dafür, dass in der bundesrepublikanischen Gesellschaft NS-Täter unbehelligt weiterlebten – geachtet, geschützt, gut situiert. Walter Tyrolf, der Ehemann, war einst Staatsanwalt in der NS-Zeit und mitverantwortlich für zahlreiche Todesurteile. Seine Ehefrau Dr. Ingeborg Wetzel hat während der Nazi-Diktatur als Kinderärztin Karriere gemacht – war beteiligt an der Ermordung unzähliger behinderter Jungen und Mädchen im Kinderkrankenhaus Rothenburgsort. Nach dem Krieg wurde gegen Ingeborg Wetzel sogar mal wegen Mordes ermittelt – dafür, dass das Verfahren eingestellt wurde, hat dann unter anderem Walter Tyrolf gesorgt. Denn bevor er ihr Mann wurde, war er in dem Fall der zuständige Untersuchungsrichter.
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